Wohlen

«Europa braucht die Jugend»: Kantischüler diskutieren mit Gästen aus Politik und Kultur

Am Europatag der Kantonsschule Wohlen tauschten sich 600 Schülerinnen und Schüler über das komplexe Thema Europa aus.

Europa betrifft uns alle – ob wir wollen oder nicht. Ein komplexes aktuelles Themengebiet, das vieles umfasst und unser tägliches Leben beeinflusst. Politisch, kulturell, wirtschaftlich, sozial. Grund genug, für die Kantonsschule Wohlen und ein vierköpfiges Lehrer-OK, nach 2006 (Islamtag), 2008 (Afrikatag) und 2014 (Zukunftstag) wieder einen Thementag für die Schülerschaft zu organisieren.

Die knapp 600 Schülerinnen und Schüler des zweiten, dritten und vierten Schuljahrs setzten sich am Mittwoch deshalb in über 20 Workshops mit der Rolle der Schweiz in Europa auseinander. Begleitet von Fachleuten aus verschiedenen Gebieten.

Engagierte Debatte von Glarner und Lüscher

«Wir machen uns einen Tag lang Gedanken wegen, gegen, zu Europa. Dabei ist es wichtig, Europa nicht bloss als Institution, Kontinent, historisches Gebilde oder sprachliches Potpourri zu verstehen. Es sind die vielen Facetten, die rechtfertigen, dass wir innehalten», richtete Rektor Matthias Angst sich an die Schülerschaft.

Die Eckpfeiler des Europa- tages waren ein Referat des EU-Botschafters in der Schweiz, Michael Matthiessen, wie auch die doppelt geführte, engagierte Debatte zwischen Europakritiker und SVP-Nationalrat Andreas Glarner und dem europafreundlichen Schriftsteller und SP-Mitglied Jonas Lüscher.
Beide Exponenten vertraten ihre Standpunkte unter der Gesprächsleitung von SRF-Brüssel-Korrespondent Sebastian Ramspeck mit voller Überzeugung.

Für Lüscher, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt, «ist die Europäische Union trotz allem das beste Instrument, um besonders im Osten die aufkommenden nationalistischen Kräfte zurückzuhalten.» Sein Gegenpart Glarner widersprach ihm mit markanten Aussagen wie: «Ich spreche jedem, der jetzt noch ernsthaft in die EU will, die hundertprozentige geistige Anwesenheit ab, Entschuldigung.»

EU-Befürworter Lüscher findet, dass «alle grossen Probleme nur im grossen Verbund gelöst werden können. Die EU ist ein Geben und Nehmen». Das wiederum verleitete Glarner prägnant zum Statement: «Die EU will nur unser Bestes, nämlich das Geld.» Auf die Frage eines Schülers, ob die Schweiz nicht Rosinenpickerei im Verhältnis mit der EU betreibe, erklärt Glarner: «Nein, es ist ein ausgewogenes Paket. Die EU profitiert auch von uns.»

Kohäsionsmilliarde im Vergleich zum Cappuccino

Immer wieder stand das Geld im Zentrum der Debatte. Lüscher stellte einen ansehnlichen Vergleich zur Kohäsionsmilliarde, die die Schweiz in Tranchen während zehn Jahren an die EU überweist, in den Saal. «Das entspricht etwa 15 Franken pro Jahr und Einwohner oder umgerechnet zwei Cappuccinos in der Stadt Zürich.»

Nach der Diskussion über die EU ging bei der Schülerschaft Andreas Glarner als Punktsieger hervor. Bei der spontanen Umfrage «EU-Beitritt ja oder nein» reckten deutlich mehr Hände beim Nein in die Höhe.
Der dänische EU-Botschafter Michael Matthiessen, seit 2016 in der Schweiz im Amt, strich in seinem Referat die Vorteile der EU heraus und stellte sich den kritischen Fragen.

Die Quintessenz: «Europa braucht die Jugend.» Zum aktuell diskutierten Rahmenabkommen und den Bilateralen hatte Matthiessen einen Vergleich parat. «Es ist ähnlich wie beim Smartphone, das Sie in ihrer Tasche haben. Es funktioniert auch ohne die neusten Updates. Es fragt sich aber nur, wie lange das noch so bleibt.»

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