Das Alterswohnheim an der Bünz Dottikon wird per 1. Januar 2020 neu von Villmergen aus geleitet. Genauer vom Alterszentrum Obere Mühle. Das haben die Verantwortlichen diese Woche bekannt gegeben. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen auch weiterhin von ihrem gewohnten Personal betreut werden, falls dieses das Angebot annimmt.

Das Einzige, was sich ändern wird: «Künftig kommt das Essen eben nicht mehr über die Bünz aus Hägglingen, sondern unter der Bahn durch aus Villmergen», sagt der Dottiker Gemeindeammann Roland Polentarutti schmunzelnd. Seine Gemeinderatskollegen und er sind glücklich über die neue Lösung, obwohl man nun im Abstand von nur einem Jahr erneut die Betreiberfirma wechselt. Tatsächlich sei das eine der häufigsten Reaktionen der Bewohner gewesen, als sie vom Wechsel erfuhren: «Hoffentlich bleibt das Essen gut.»

Synergien nutzen

Vereinspräsident Mike Lauper und Leiterin Marianne Busslinger von der «Oberen Mühle» können versprechen, dass nicht nur das Essen, das sie mittlerweile in verschiedene Dörfer liefern, gut sein wird. Sie waren sehr erfreut, als sich der Gemeinderat Dottikon im Februar vor einem Jahr erstmals mit der Idee einer Zusammenarbeit an sie gewandt hat. «Dem Gemeinderat Dottikon war es wichtig, dass der Standort an der Bünz weiterhin bestehen bleibt. Das passt für uns sehr gut», sagt Lauper. «Ausserdem können wir mit der neuen Zusammenarbeit Synergien nutzen.» Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, das Dottiker Alterswohnheim wieder autonom zu führen, es hätte sogar Interessenten gegeben. «Aber wir glauben, so die für alle beste Lösung gefunden zu haben», hält Polentarutti fest.

Bereits 2013 hatte sich der Gemeinderat überlegen müssen, wie es mit dem Alterswohnheim an der Bünz weitergehen sollte. In einer Pressemitteilung schreiben sie dazu: «Die veränderten gesetzlichen Bestimmungen, die höheren Anforderungen in der Langzeitpflege sowie an die Betriebswirtschaftlichkeit haben die Gemeinde Dottikon dazu bewogen, ab 2014 für die Führung des Altersheims an der Bünz eine Partnerschaft mit dem Gemeinnützigen Verein Altersheim St. Josef Hägglingen einzugehen.» Der dortige Verein hat das Altersheim Hägglingen jedoch per 1. Januar 2019 an die Senevita verkauft und es den Dottikern freigestellt, sich diesem Vorbild anzuschliessen. Doch im Rahmen eines umfassenden Evaluationsprozesses, bei dem auch eine Bachelorarbeit der Fachhochschule sich ihrer Situation gewidmet habe, kristallisierte sich die Zusammenarbeit mit der «Oberen Mühle» als beste Lösung heraus. Ein wichtiger Punkt sei gewesen, dass der Gemeinderat hier Einsitz und Mitbestimmungsmöglichkeiten im Trägerverein hat. So übernimmt die «Obere Mühle» den Mietvertrag für das Gebäude, das der Gemeinde Dottikon gehört, per 2020.

Defizitgarantie: 80 000 Franken

Auch den Gemeinden Villmergen und Dintikon, die gemeinsam die «Obere Mühle» betreiben, ist das recht. «Es ist eine Chance, die Region punkto Altersfragen weiter zu stärken», findet die Dintiker Gemeinderätin Monica Cacioppo dazu. Die beiden Gemeinden tragen zusammen eine Defizitgarantie von 200 000 Franken. Dottikon will nun zusätzlich eine solche von 80 000 Franken beisteuern – ausgerechnet auf die Einwohnerzahl der Gemeinde. Lauper sagt jedoch: «Es ist für uns gut, zu wissen, dass eine solche Stütze im schlimmsten Fall bestehen würde. Aber unser Ziel ist es, die Heime auch wirtschaftlich zu führen, da gehen wir vor wie KMU.» Diese Defizitgarantie sollte also rein symbolisch bleiben.

Als Nächstes wird der Altersheim-Verein Villmergen/Dintikon an der Generalversammlung vom 15. Mai über die notwendige Anpassung der Statuten befinden. Die Gemeinderäte von Villmergen und Dintikon haben das Vorhaben bereits zustimmend zur Kenntnis genommen. Zum Schluss muss die Gemeindeversammlung Dottikon am 21. Juni dem Abschluss der Leistungsvereinbarung zustimmen.