Muri
Essen fördert Kontakt zwischen Schweizern und Flüchtlingen

Freiwillige organisierten schon zum zweiten Mal einen kulinarisch-kulturellen Mittagslunch mit Schweizern und afghanischen Flüchtlingen. Die Anlässe sind ein grosser Erfolg und ein Beitrag zur Integration.

Eddy Schambron
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Mittagslunch

Mittagslunch

Eddy Schambron
Den Gästen schmeckt das afghanische Essen im «Schöpfli» sehr gut.

Den Gästen schmeckt das afghanische Essen im «Schöpfli» sehr gut.

Eddy Schambron

Es gab mehr als Kofta Tschalau oder gebratener Paneer: Die afghanischen Flüchtlinge, die in der Geschützten Operationsstelle (GOPS) in Muri leben und auf Initiative von freiwilligen Betreuerinnen für Schweizer kochten, zauberten ihren Gästen auch ein fröhliches Lächeln ins Gesicht und regten zu intensiven Gesprächen an, allerdings ohne sich selber wegen Sprachproblemen daran beteiligten zu können. Es zeigte sich schnell: Die afghanische Küche hat genauso wenig Gemeinsamkeiten mit der schweizerischen wie die gängigen Vorurteile mit dem tatsächlichen Verhalten der Flüchtlinge.

Sprache als Schlüssel

Es sind Sprachbarrieren, die den näheren Kontakt mit den Asylbewerbern erschwerten. Und genau das auch eines der Gesprächsthemen am Tisch: Rasche Integration ist nur über die Sprache und über die Arbeit möglich, entsprechende Angebote sind aber bescheiden bis nicht vorhanden. Im Café Grüezi versuchen Freiwillige, diesen Mangel etwas abzuschwächen. Selbstverständlich war an diesem (Abstimmungs-) Samstag auch die Durchsetzungsinitiative ein Thema. Sie wurde als unverantwortlich und das schweizerische Rechtsempfinden krass verletzend beurteilt. Zu diesem Zeitpunkt wusste man noch nicht, dass der Bezirk Muri die Initiative mit einem Ja-Anteil von 50,16 Prozent annehmen würde.

Erfolgreicher Mittagslunch

Schon zum zweiten Mal wurde von Freiwilligen, die sich auch im Integrations-Café Grüezi in Muri für die in der GOPS untergebrachten Flüchtlinge engagieren, der kulinarisch-kulturelle Mittagslunch im «Schöpfli» neben dem Restaurant Rütli organisiert. Die Speisen – zuerst pürierte Kichererbsensuppe, dann ein Reisgericht mit Bio-Hackfleischbällchen oder für Vegetarier mit Spinat und gebratenem Frischkäse, dazu würzig-scharfes Chutney und schliesslich Ferni, ein Pudding mit Kardamom – wurden frisch von afghanischen Asylbewerbern zubereitet.
Dazu gab es Nan, ein schmackhaftes afghanisches Brot. Die Asylbewerber erhielten für ihren Einsatz zehn Franken, ein Einsatz, der von ihnen viel Zeit verlangt, aber auch eine willkommene Abwechslung zum Leben in der GOPS bietet und ihnen offensichtlich gefällt. Die Gäste zahlen, was sie wollen. Nach Abzug der Unkosten wird der Überschuss entweder für die nächste Tafelrunde oder für das Café Grüezi verwendet. «Die Begeisterung und das Interesse der Bevölkerung sowie der Eifer der Asylbewerber lassen mich weitermachen», sagt Maya Hauser, eine der Initiantinnen. Der nächste Lunch findet am 19. März statt. Die Platzzahl ist beschränkt, Reservation unter Tel. 056 664 11 51 (Maya Hauser.)

Idee übernehmen

Besuch im «Schöpfli» gab es auch vom Mutschellen. CVP-Grossrätin Theres Lepori aus Berikon zeigte sich beeindruckt von der Integrationsleistung der Freiwilligen in Muri allgemein und vom Lunch mit den Flüchtlingen besonders. «Diese Idee ist so gut, dass ich sie auch bei uns in der Gemeinde anregen werde», sagte sie. Berikon nimmt mehr Flüchtlinge auf, als die Gemeinde gemäss Verteilschlüssel müsste. Die Lunch-Gäste waren sich einig: Mit dem Schüren von Fremdenfeindlichkeit wird die Herausforderung, mit der Europa und die Schweiz wohl noch lange konfrontiert sein wird, nicht gemeistert. Der Lunch ist zwar nur ein kleiner Beitrag dazu. Aber er ist einer.

Durchsetzungsinitiative

Muri und Oberwil-Lieli sagen nein

Im Bezirk Muri, der mit 50,16 Prozent knapp Ja zur Durchsetzungsinitiative sagte, sind zwei Gemeinden, die relativ viele Asylbewerber beherbergen, bei den klaren Nein-Sagern: Muri mit rund 160 Asylbewerbern in der Geschützten Operationsstelle (GOPS) lehnt die Initiative mit 1709 Nein zu 1329 Ja ab, Merenschwand mit dem ehemaligen «Hirschen» als Asylunterkunft mit 787 Nein zu 733 Ja ebenfalls. Bettwil, mit unrühmlicher Opposition gegen die geplante Unterbringung von Asylbewerbern in der Militärunterkunft schweizweit in den Schlagzeilen, lehnt das Begehren 140 Nein zu 138 Ja ebenfalls ab. Ein Nein kam – vielleicht doch überraschend – aus Oberwil-Lieli mit SVP-Hardliner Andreas Glarner als Gemeindeammann. Hier sagten 652 Nein zur Durchsetzungsinitiative und nur 553 Ja. Die Gemeinde Berikon, die freiwillig mehr Asylbewerber beherbergt als sie müsste, lehnte das Begehren mit 1157 Nein gegen 911 ebenfalls ab. (ES)

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