Vertreter der Pro Natura Aargau hatten die Bevölkerung am Samstag eingeladen, ein Renaturierungsprojekt in Fischbach-Göslikon, das momentan öffentlich aufliegt, vor Ort zu begutachten und Fragen zu stellen. Dabei blies ihnen nicht nur von der Reuss her ein kalter Wind entgegen; viele der Anwesenden bekundeten ihren Missmut.

Die Reuss soll Land zurückerhalten. «Besonders während der Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg wurden viele Auenflächen trockengelegt und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt», erklärte Ulysses Witzig, Schutzgebietsverantwortlicher von Pro Natura Aargau.

1993 hat die Aargauer Bevölkerung beschlossen, dass 1 Prozent der Fläche wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden soll. In Fischbach-Göslikon sollen deshalb im Gebiet Grien die Blocksteine und Betonelemente entfernen und ein gut 200 Meter langer und bis zu 20 Meter breiter Seitenarm ausgehoben werden. Ziel ist ein auentypisches Ufer mit Sand- und Kiesbänken. Von der Renaturierung würden gewisse Fische, der Biber, Laubfrösche und Eisvögel profitieren.

Rund 8000 m3 des kiesigen und sandigen Aushubs aus dem Seitenarm werden in die Reuss gekippt, damit eine Insel entsteht. Die bereits bestehende Sandbank, ein beliebter Badeplatz, bleibt erhalten.

Die Zugänglichkeit wird sogar verbessert, indem das Ufer abgeflacht wird. Zusätzlich entsteht ein kleiner Picknick-Platz mit Feuerstelle. Ein weiterer positiver Effekt: Bei Hochwasser würde künftig das Auengebiet überschwemmt und nicht mehr die angrenzenden Felder.

Kritiker in der Überzahl

Drei Dinge wurden an der Infoveranstaltung grundsätzlich bemängelt. Landwirte ärgerten sich darüber, dass Kulturland verloren gehe. «Wir taufen euch noch mit Gülle», schrie einer – das war aber eine Ausnahme, grösstenteils wurde sachlich diskutiert.

Weiter stand Pro Natura in der Kritik, man habe die Bevölkerung nicht mit einbezogen und setze ihr jetzt ein fixfertiges Projekt vor, an dem es nichts mehr zu rütteln gäbe.

«Ich habe mich über die Infoveranstaltung gefreut und wir führen hier eine gute Diskussion, aber wir hätten sie schon vor zehn Jahren führen sollen.

Ob die Bevölkerung dafür oder dagegen ist, interessiert euch doch gar nicht», sagte etwa Hans Kneubühler, der auch gleich Unterschriften gegen das Vorhaben sammelte. Dem hielt Witzig entgegen, dass eine Begleitgruppe Inputs gegeben habe und man auch im Austausch mit dem Gemeinderat stand.

Markus Staubli, Vizeammann von Künten, gab zu bedenken, dass es wohl kaum mehr möglich sei, eine Fussgängerbrücke zu realisieren, wenn das Projekt verwirklicht werden sollte. Momentan können Wanderer die Reussseite zwischen Bremgarten und Gnadenthal nur mittels Fähre wechseln, und das auch nur zu sehr beschränkten Zeiten.

«Zudem ist es nicht sicher, ob sich die Oberstufe einst in Niederwil konzentrieren wird. Dann wäre eine Brücke eminent wichtig.» Die Brücke sei erst eine Vision, erklärte Witzig, dafür wolle man nicht ein baureifes Projekt aufgeben.

Vereinzelt kam von der Bevölkerung auch Zuspruch: «Ausser dem Kulturlandverlust sehe ich nur positive Seiten. Die Landschaft wird noch schöner», sagte etwa ein Mann. Insgesamt waren die Skeptiker aber klar in der Überzahl.