Sarmenstorf

«Es ist so schade, dass Sie gehen»: Die beliebte Floristin verlässt das Dorf

Katharina Meier inmitten ihrer bunten Pracht. Sie wird ihren Blumenladen Longi Florum in Sarmenstorf vermissen.

Katharina Meier inmitten ihrer bunten Pracht. Sie wird ihren Blumenladen Longi Florum in Sarmenstorf vermissen.

Nach fast genau zehn Jahren gibt Floristin Katharina Meier ihren Laden in Sarmenstorf wegen des Pendelns auf. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

«Es ist so schade, dass Sie gehen», sagt die Kundin, die sich am Montagnachmittag ein kleines Sträusschen mit einer Sonnenblume binden lässt. Eigentlich wäre der Blumenladen Longi Florum in Sarmenstorf am Montag geschlossen, aber Katharina Meier könnte nie eine Kundin oder einen Kunden draussen stehen lassen. Tatsächlich ist dies nicht die einzige Pflanzenliebhaberin dieses Nachmittags. Was sie alle verbindet, abgesehen von der Freude an Blumen: Sie finden es alle sehr schade, dass Meier das Dorf verlässt.

«Vor zehn Jahren kannte ich hier noch überhaupt niemanden. Heute bin ich mit dem halben Dorf per Du», sagt die sympathische Frau mit dem Berner Dialekt. Sie gehe wirklich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aber es sei die richtige Entscheidung, ist sie sich sicher. «Zuvor habe ich mit meinem Mann in Birrwil gewohnt, da war der Weg kein Problem. Seit gut zwei Jahren wohnen wir aber nun in Gretzenbach, wo wir ein Haus gekauft haben.» Dieses lange Pendeln würde ihr auf Dauer gesundheitlich schaden, «denn als Geschäftsinhaberin arbeite ich abends und am Wochenende meist auch, da wird mir das einfach zu viel». Sarmenstorf werde sie vermissen, denn hier habe sie viel Schönes erlebt.

Im Turnverein lernte sie Leute kennen

Ursprünglich stammt Katharina Meier aus dem Kanton Bern. «Im Jahr 2000 zügelte ich aus dem Seeland zu meinem Mann ins Seetal», sagt sie lachend. Damals war sie noch in einem anderen Blumenladen angestellt. Floristin hatte sie schon als junges Mädchen werden wollen. «Mir gefielen die Farben, die Blumen, die Kreativität. Ausserdem habe ich einmal als Gärtnerin geschnuppert, fand es aber schlimm, immer so dreckige Hände zu haben.» Lachend fügt sie hinzu: «Damals wusste ich noch nicht, dass Floristen noch dreckigere Hände haben.»

2010 konnte sie sich im Longi Florum, der zuvor schon vier Jahre in Sarmenstorf bestanden hatte, an der Hilfikerstrasse 4 selbstständig machen. «Ich habe im Grunde überhaupt nicht nach einem eigenen Laden gesucht, denn von meinem Vater, der eine Zimmerei besass, als ich klein war, weiss ich, wie viel Arbeit ein eigenes Geschäft ist.» Doch diese Chance konnte sie sich nicht entgehen lassen. Zum Namen ihres Blumenladens sagt sie: «Longi Florum ist der Name einer weissen Lilie. Ich fand den Namen neutral und passend. Also behielt ich ihn.»

Bald schon war der «fremde Fötzel», wie Meier selber sagt, im Dorf bekannt. Dafür half sie überall mit, zum Beispiel bei Jugendfesten oder Tombolas, trat dem Gewerbeverein bei und später auch dem Turnverein, um Leute kennen zu lernen. Schon bald waren Meier und ihr Blumenladen aus dem Dorf nicht mehr wegzudenken, nicht nur ihre Advents- und Hochzeitsausstellungen zogen die Blumenfreunde an.

Ein gelber Brautstrauss, der hätte rot sein sollen

Mittlerweile ist sie nicht nur Lehrlingsausbildnerin, sondern auch Meister-Floristin und hat drei Lernende ausgebildet. Wenn sie zurückdenkt, muss sie schmunzeln. «Eine Geschichte werde ich nie vergessen», beginnt sie. «Eine Braut zeigte mir ein Bild eines Brautstrausses. Sie wolle genau den, aber in rot. Ich schrieb mir auf, sie wolle genau den.

Als der Mann den Strauss abholte, freute er sich, denn er war genau wie auf dem Bild. Er wusste ja nicht, dass seine Frau ihn nicht gelb wollte, sondern rot. Und ich wusste es auch nicht mehr.» Noch heute schämt sie sich und muss gleichzeitig lachen. «Wenig später rief die Braut aufgelöst an. Ein Desaster! Ich versuchte alles, um sie zufriedenzustellen, und band ihr einen neuen, roten Strauss, mit dem sie dann einverstanden war. Das Beste war aber, dass sie mich Wochen später anrief und sagte, der gelbe Strauss habe am Ende doch viel besser gepasst.»

Abschiedsgeschenk von einer Kundin

Der Floristik will sie auf keinen Fall den Rücken kehren. «In unserem Haus in Gretzenbach ist ein Raum geplant, in dem ich einen Floristik-Onlinehandel aufbauen wollte. Da das Haus wegen Corona aber noch nicht fertig ausgebaut werden konnte und ich viel zu viel mit der Geschäftsaufgabe zu tun habe, wird das warten müssen», sagt Katharina Meier. Stattdessen hat sie eine Stelle als Floristin in einem grösseren Blumenladen angenommen. «Ein eigener Laden könnte sicher wieder einmal Thema werden. Aber im Moment ist das die beste Lösung für mich.»

Noch bis Ende September ist Ausverkauf im Longi Florum. «Das Schönste und gleichzeitig Traurigste sind die vielen lieben Kunden, die nochmals vorbeikommen», berichtet sie und ist sichtlich gerührt. Sie habe versucht, eine Nachfolgerin zu finden, doch im Moment sieht es aus, als verlöre Sarmenstorf mit ihr auch seinen Blumenladen.

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