Bremgarten

«Es ist reichlich unappetitlich»: Mann schickte Tierporno-Video an Arbeitskollegen weiter

«Sie sind gut bedient, wenn Sie in Zukunft  das Hirn einschalten,  bevor Sie ein Video einfach weiterleiten.», sagte der Bezirksgerichtspräsident Bremgarten. (Symbolbild)

«Sie sind gut bedient, wenn Sie in Zukunft das Hirn einschalten, bevor Sie ein Video einfach weiterleiten.», sagte der Bezirksgerichtspräsident Bremgarten. (Symbolbild)

Ein 35-Jähriger musste sich wegen harter Pornografie vor Gericht verantworten. Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilt einen Portugiesen zu einer Geldstrafe und einer Busse – verzichtet aber auf Landesverweis.

«Das Video ist reichlich unappetitlich», richtete Gerichtspräsident Peter Thurnherr deutliche Worte an den Beschuldigten. Er bezog sich auf das ominöse Handy-Video, das einen jungen Buben beim Geschlechtsverkehr mit einem Esel zeigt. Dieses Video kursierte Ende 2018 und in den folgenden Wochen in sozialen Nachrichtendiensten. Zu den Empfängern gehörte auch der 35-jährige Portugiese Jorge (Namen geändert). Anstatt das Video sofort zu löschen, verschickte er es per Whatsapp an seinen Arbeitskollegen Federico weiter.

Nun musste sich Jorge wegen harter Pornografie vor dem Bezirksgericht Bremgarten verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 180 Franken, eine Busse über 1500 Franken sowie einen Landesverweis von fünf Jahren.

Dass er das Video weitergeschickt hat, war Jorge vor dem Richter nicht mehr gegenwärtig. «Ich weiss es nicht mehr hundertprozentig», sagte er. Die Datenauswertung seines Handys belegte dies aber eindeutig.

«Ich fühle mich nicht wohl und hatte schlaflose Nächte»

Mit welchem Gefühl er denn nun hier sitze, wollte Richter Thurnherr vom Angeklagten wissen. Mit leiser Stimme meinte Jorge: «Es ist kein gutes Gefühl. Ich fühle mich nicht wohl und hatte auch schlaflose Nächte deswegen. Ich habe sicher etwas daraus gelernt. Mir war nicht bewusst, was es eigentlich bedeutet.» Aufgrund des Videos könne man aber in keiner Art und Weise Rückschlüsse auf seine sexuellen Vorlieben nehmen, erklärte Jorge weiter.

Bei der Befragung überkommen ihn die Emotionen, als es um die Folgen beim drohenden Landesverweis geht. Während seiner Ausführungen erlebt Jorge einen Heulanfall und benötigt einen Moment, um sich zu erholen. Er sorgt sich um seine Lebenspartnerin und seinen vierjährigen Sohn. «Ein Landesverweis wäre Horror. Ich kenne nur die Schweiz», sagt er. Er kam als Kind in die Schweiz, durchlief die ganze Schulzeit hier und hat eine feste, gut bezahlte Arbeitsstelle.

Verzichten auf den Landesverweis

Für Jorge und seinen Verteidiger war klar, dass er verurteilt werden muss. Sie forderten aber eine deutliche tiefere Strafe und keinen Landesverweis. Dem entsprach das Gericht. Es verurteilte Jorge zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 150 Franken bei zweijähriger Probezeit, einer Busse von 1500 Franken und verzichtete auf den Landesverweis. Richter Thurnherr mahnte ihn aber: «Die üble Filmsequenz hätte eine härtere Strafe verdient. Es ist mir aber bewusst, dass es mit den heutigen Medien wenig braucht, um so ein Video zu erhalten. Sie sind aber gut bedient, wenn Sie in Zukunft das Hirn einschalten, bevor Sie ein Video einfach weiterleiten. Das nächste Mal packen Sie die Koffer.»

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