Am Samstag, 8. September, werden die sanierten Sportanlagen in Tägerig eingeweiht. Höhepunkt im Programm ist um 16 Uhr der Match zwischen dem FC Schaffhausen, der in der Challenge League aktuell den 6. Platz belegt, und Neuchâtel Xamax, der in der Super League auf dem 10. Rang steht. Vor zwei Jahren wären die beiden Klubs wohl kaum nach Tägerig gereist. Denn der Fussballplatz Kleinzelg im 1500 Einwohner kleinen Dorf galt als der schlechteste im ganzen Kanton. Das hatte 2014 ein Ranking der Aargauer Zeitung ergeben.

Sanierung über Jahre Thema

Das Spielfeld war nach den Vorgaben des Fussballverbandes zu klein und trotz grössten Bemühungen des Platzwartes allgemein in einem so schlechten Zustand, dass die Liga-Verantwortlichen dem FC Tägerig eine Sanierungsfrist bis 2018 gesetzt hatten. Ab dann dürften im Kleinzelg keine Meisterschaftsspiele in der 3. Liga mehr ausgetragen werden, falls sich nichts ändere.

Am guten Willen des FC Tägerig lag es nicht. Er hatte über Jahre versucht, eine Sanierung in die Wege zu leiten. Allein: Für den Gemeinderat in der finanzschwachen Gemeinde hatten andere Vorhaben Priorität.

Im Mai 2014 wurde schliesslich ein Projekt vorgestellt, das auch die Sanierung weiterer Sportanlagen beinhaltete und die Gemeinde 1,1 Mio. Franken kosten sollte. Sie wollte 535'000 Franken an die Vergrösserung des Fussballplatzes, 170'000 Franken an einen Kunststoffbelag auf dem Hartplatz sowie ein Beach-Volleyballfeld für den Sportverein, 6500 Franken an den Ausbau der Garderoben und Duschen im Mehrzweckgebäude der Gemeinde sowie 335'000 Franken an die Erneuerung der Parkplatzanlage bei den Schul- und Sportanlagen beisteuern. Die Gemeindeversammlung im Frühling 2015 stimmte zu, im September 2015 wurde das Projekt nach emotionaler Debatte an einer Referendumsabstimmung aber deutlich verworfen. Ein Schock für die Sportvereine.

Zweiter Anlauf erfolgreich

Doch sie gaben nicht auf und wurden dabei vom Gemeinderat unterstützt. Im Juni 2016 präsentierte er der Gemeindeversammlung ein überarbeitetes Projekt. Die Vorlage war abgespeckt und die Finanzierung neu geregelt worden. Anstatt den Vereinen Geld zu sprechen, sollte jetzt die Gemeinde als Bauherrin auftreten.

Die Stimmberechtigten waren sehr zahlreich aufmarschiert und sagten erneut deutlich ja zu den einzelnen Komponenten des Projekts. Nur wenige Stimmen hätten gefehlt, und die Beschlüsse wären alle definitiv gewesen. Nur beim Kredit für die Sanierung der Duschanlagen war dies der Fall. Was angesichts der deutlichen Entscheide kaum jemand für möglich gehalten hatte, traf ein: Erneut wurde das Referendum ergriffen, erneut gab es eine sehr emotionale Debatte, die schliesslich in der Frage gipfelte: «Wollen wir in Tägerig nur noch sparen oder wollen wir die Gemeinde so entwickeln, dass sie – auch dank eines aktiven Vereinslebens – weiterhin lebenswert ist?» Diesmal stimmten die Tägligerinnen und Tägliger dem Sanierungspaket auch an der Urne deutlich zu.

«Die politischen Prozesse rund um die Sanierung der Sportanlagen waren für alle eine grosse Herausforderung und von Emotionen getrieben. Als die erste Vorlage am Referendum gescheitert ist, haben sich die Rahmenbedingungen zugunsten höherer Subventionen für die Gemeinde geändert. Ich bin sehr dankbar, dass wir im damaligen Gemeinderat den Kopf nicht in den Sand steckten und noch einmal das Gespräch mit den Vereinen gesucht haben», sagt der damalige Gemeindeammann Matthias Moser im Rückblick. Trotz Zeitnot, viel Improvisationen und Taktieren sei ein tolles Werk entstanden, über das er sich sehr freue: «Starke Vereine», sagt Moser, «fördern das Dorfleben, und davon profitieren die Menschen, sei es durch gesunde Freizeitbeschäftigung oder mit gemütlichen Anlässen.»

Auch André Zehnder, FC-Präsident von 2006 bis 2018, freut sich über das gelungene Werk: «Es hat Nerven gekostet, und zeitweise habe ich daran gezweifelt, ob der Fussballclub überhaupt noch eine Überlebenschance hat. Die ganze Diskussion war existenzbedrohend. Aber es ist alles gut gekommen, und ich habe einfach nur Freude an dem, was heute da steht.»