Auw

«Es gibt keine Probleme, es gibt nur Aufgaben» – Was einen Ammann erfolgreich macht

Besprechung mit Gemeindeschreiber Stefan Schumacher: Paul Leu (links) ist seit 22 Jahren Gemeindeammann in Auw. Eddy Schambron

Besprechung mit Gemeindeschreiber Stefan Schumacher: Paul Leu (links) ist seit 22 Jahren Gemeindeammann in Auw. Eddy Schambron

Paul Leu ist seit 24 Jahren im Gemeinderat und seit 22 Jahren Gemeindeammann.

Wer Gemeindeammann werden will, muss Menschen gern haben. Er muss eine Familie im Rücken haben, die mitträgt, und sich auf eine gute Verwaltung verlassen können. «Dann kommts gut», sagt Paul Leu aus Auw. Er muss es wissen: Er ist mit satten 24 Jahren im Gemeinderat, davon 22 Jahre als Gemeindeammann. Sicher einer der Dienstältesten in der Freiämter Kommunalpolitik. Auf Ende der Amtsperiode hört er auf, überhaupt nicht amtsmüde, wie er lachend betont. «Aber jetzt kommen die Jungen», sagt der 60-Jährige, «ihnen soll man Platz machen.» Gemeindepolitik, so stellt er fest, sei ein Feld, auf dem man wirklich etwas bewirken kann. Die kantonale Bühne hat ihn nie gereizt.

Allen, die jetzt für das Amt des Gemeindeammanns kandidieren, legt Leu ans Herz, Vertrauen aufzubauen. Das geschieht, indem man als Kommunalpolitiker ehrlich ist, Verantwortung übernimmt, alle gleich behandelt, delegieren kann. Angst vor der Herausforderung Gemeindeammann müsse niemand haben, «Respekt aber schon.» Als weitere Bedingungen für den Erfolg an der Spitze einer Gemeinde nennt er die Pflege eines gesunden Teamgeists im Gemeinderat und – für ihn besonders wichtig - Authentizität.

«Ich bin der Paul»

Genau Letzteres machte ihm Sorgen, damals vor 22 Jahren. Leu, ein Mensch der Musik gemacht und auf der Bühne gesungen hat und in geselliger Runde gerne auch etwas länger dabei ist, hatte Bedenken, dass ihn das Amt des Gemeindeammanns in ebendieser Geselligkeit einschränken würde. «Aber die Leute sagten: Bleib, wer du bist, wir wählen dich so, wie du bist.» Er liess sich darauf als Nachfolger von Willi Küng aufstellen, wurde gewählt und blieb mit Freude 22 Jahre an der Spitze der Gemeinde Auw. «Meine Geselligkeit wurde nicht eingeschränkt», lacht er heute. «Ich bin nicht der Herr Gemeindeammann, ich bin der Leu Paul.»

Es gibt nur Aufgaben

Leu bezeichnet sich selber als «Macher», als einer, der nicht ruhig sitzen und Däumchen drehen kann. «Ich bewirke gerne etwas, bin leistungsbereit», unterstreicht er. Der Ausweis seiner Amtszeit ist beachtlich: Zentrumsüberbauung mit Gemeinde, Bank und damals noch Post, dann die Sportanlage, der Umbau der alten Kanzlei, Schulhaussanierung, Schulhausneubau, Strassenbau, Hochwassersanierung, zuletzt die Doppelturnhalle – «ein grober Brocken». Seine Augen leuchten während der Aufzählung nur der wichtigsten Projekte. Das Amt kam seiner Art entgegen. «Es gibt keine Probleme, es gibt nur Aufgaben.» Aber er macht auch klar: «Ohne ein gut funktionierendes Gemeinderatskollegium und eine starke Verwaltung wäre das alles so nicht möglich gewesen.» Leu war auch 15 Jahre im Regionalplanungsverband Oberes Freiamt aktiv, davon lange Vizepräsident. Er war sechs Jahr Obmann der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Muri und ist noch heute Präsident des Stiftungsrats des Altersheims Maria Bernarda. Höhepunkt in seiner Amtszeit war die Heiligsprechung der Auwerin Maria Bernarda Bütler 2008, die Reise nach Rom, die Nachfeier in Auw, die persönliche Reise nach Cartagena, dem Wirkungsort der Heiligen. «Es ist natürlich wunderbar, wenn ein solches Ereignis in die eigene Amtszeit fällt.»

Nicht nur Sonnenschein

Es gab auch traurige Momente in dieser Amtszeit, sehr traurige sogar. «Der überraschende Tod unseres Finanzverwalters André Köchli war besonders hart, er ist noch heute unvergessen». Er sei ein toller Mensch und Wegbegleiter und ein hervorragender Fachmann gewesen. «Die Gemeinde hat ihm viel zu verdanken.» Leu räumt bei aller Begeisterung für sein Amt ein, dass die Tätigkeit als Gemeindeammann auch ihren Preis hat. Er, mit einem 100-Prozent-Job im Aussendienst tätig und damit ganztägig abwesend, kam oft am Abend heim, zog sich um und eilte weiter an die nächste Sitzung. «Gehst du schon wieder fort?», fragten mehrfach seine Kinder. «Das tat weh.» Ausserdem muss man mit Kritik umgehen können. «Man darf nicht alles zu nahe an sich heranlassen. Man muss delegieren können, damit man nicht zugedeckt wird.»

Etwas mehr Zeit für seine Frau Gertrud und die Familie, dann und wann eine Reise, «eine Agenda, die nicht fremdbestimmt ist» – nein, in ein Loch werde er nach der Amtsaufgabe nicht fallen, ist Leu, der noch nicht vor der Pensionierung steht, überzeugt. Er geht mit dem Gefühl, dass die Gemeinde gut aufgestellt ist. «Die Finanzen verbessern sich jetzt laufend, wir haben ein sehr lebhaftes Vereinsleben, das viel Kitt gibt. Im Dorf ist alles erhältlich, was man zum täglichen Leben braucht.» Er zeigt sich dankbar für die Unterstützung im Dorf, für das Vertrauen, das ihm immer wieder geschenkt wurde. Er wünscht sich für die Gemeinde eine gute Weiterentwicklung und wird selbstverständlich interessiert mitverfolgen, wie es kommunalpolitisch nicht nur in Auw weitergeht. «Das legt man nicht einfach so ab», lacht er.

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