Wohlen

Es gibt immer mehr «taubstumme» Bettler in Wohlen

In den letzten Tagen häufen sich in Wohlen die Meldungen über Bettler, die sich als «taubstumm» ausgeben. Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE

In den letzten Tagen häufen sich in Wohlen die Meldungen über Bettler, die sich als «taubstumm» ausgeben. Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE

Regionalpolizei warnt vor organisierten Banden, die sich auch als Trickbetrüger betätigen. Bei den Meldungen über Bettler fällt laut dem Repol-Chef auf, dass sich diese als «taubstumm» ausgeben.

«In den letzten Tagen sind bei uns sehr viele Meldungen über Bettler eingegangen», sagt Marco Veil, Chef der Wohler Regionalpolizei (Repol). Gemeldet hätten sich einige Ladenbesitzer, weil vor ihren Geschäften gebettelt wurde. «Die Bettler sind sehr mobil: Mal sind sie eine Viertelstunde bei der Migros, dann wieder 20 Minuten beim Lidl, später eine Zeit lang beim Coop», erklärt Veil.

Laut dem seit 2009 geltenden Wohler Polizeireglement ist Betteln auf öffentlichem Grund in der ganzen Gemeinde verboten. Daher rücke die Polizei bei Meldungen über Bettler auch möglichst rasch aus. «Allerdings ist es leider oft so, dass diese Personen sofort verschwinden, wenn wir eintreffen», bedauert Veil.

Dennoch ruft er die Bevölkerung auf, bei verdächtigen Beobachtungen unter der Nummer 117 sofort die Polizei zu alarmieren. Mitleid mit den angeblich «taubstummen» Bettlern ist aus seiner Sicht nicht angebracht. «Es handelt sich hier um gut organisierte ausländische Banden, die gezielt an belebten Orten abgesetzt werden», sagt er.

Polizei erteilt Rayonverbot

Laut dem Polizeireglement kann die Repol die Bettler für ihre Tätigkeit allerdings weder verhaften noch büssen. «Wenn wir sie anhalten können, führen wir bei ihnen zuerst eine gründliche Personenkontrolle durch», sagt Veil. Danach werde den Bettlern das Geld, das sie eingenommen hätten, von der Polizei wieder abgenommen.

Im Reglement ist vorgesehen, dass diese «erwirtschafte-ten Beträge» zuhanden der Wohler Finanzverwaltung eingezogen werden. Schliesslich erhalten die Bettler ein so genanntes Rayonverbot für Wohlen – «damit ist es ihnen künftig untersagt, das Gemeindegebiet zu betreten», erläutert Veil. Sollte die-selbe Person, die mit einem Rayonverbot belegt wurde, später dennoch wieder in Wohlen erwischt werden, «hätten wir eine rechtliche Handhabe gegen sie», betont Veil.

«Taubstumme» Bettler

Bei den Meldungen über Bettler fällt laut dem Repol-Chef auf, dass sich diese als «taubstumm» ausgeben. «Sie behaupten oft, für ihr Anliegen Unterschriften zu sammeln, und verlangen dann von Passanten zusätzlich noch eine Spende», führt er aus. Auch dies ist laut dem Polizeireg- lement in Wohlen verboten: «Sammelaktionen ohne klar ausgewie-
senen gemeinnützigen Zweck sind nicht gestattet», ist dort unter dem Paragrafen 22 nachzulesen.

Problematisch sind die angeblich «taubstummen» Bettler laut Veil vor allem deshalb, weil sie sich häufig als Trickbetrüger betätigen. «Es kommt vor, dass gutgläubige Passanten, die etwas spenden, um happige Summen bestohlen werden», sagt er. Die Bettler würden oft Wechselgeld anbieten, «und danach fehlt im Portemonnaie der Opfer eine Hunderternote».

Diebstahl mit «Wasserglastrick»

Noch dreister ging diese Woche ein Trickdieb in Wohlen vor. Gemäss einer Meldung der Kantonspolizei kam der etwa 25-jährige Osteuropäer mit dem altbekannten «Wasserglastrick» zum Erfolg. Er klingelte an der Wohnungstüre einer Seniorin und gab vor, gehörlos zu sein. Danach bat der Mann um ein Glas Wasser und
eine Spende. Die betagte Frau liess ihn in die Wohnung eintreten und gab ihm fünf Franken. Als sie danach in der Küche das Wasser holte, stahl der Osteuropäer das ganze Notengeld aus dem Portemonnaie, das auf dem Tisch lag. Danach verschwand der Trickdieb unerkannt wieder.

Repol-Chef Veil mahnt eindringlich zur Vorsicht. «Leider suchen sich die Bettler und Trickdiebe oft ganz gezielt ältere Leute als Opfer aus», sagt er. Er empfiehlt, sich nicht auf Gespräche mit Unbekannten an der Haustür einzulassen und Fremden auf keinen Fall Geld zu geben.

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