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Es gibt einen Schwingklub im Freiamt – doch die «Bösesten» aus der Region sind Innerschweizer

Vom 5. bis 7. Juni findet das Aargauer Kantonalschwingfest in Beinwil statt. Der Schwingklub Freiamt feierte bisher sechs «Eidgenossen».

Das Freiamt ist schwingerisch keine Einheit. Zwar besteht der Schwingklub Freiamt seit 1925. Doch das Oberfreiamt war lange schlecht vertreten. Oberhalb von Muri schlossen sich Zweikampftalente meist einem Zuger oder Luzerner Schwingklub an. So kommt es, dass der einzige Innerschweizer Schwingerkönig, Harry Knüsel (Abtwil), ein Aargauer ist.

Sein fast ebenso erfolgreicher Wegbegleiter, Leo Betschart, war lange in Sins wohnhaft, bevor er nach Kanada auswanderte. Harry Knüsel und Leo Betschart schwangen beide für Cham-Ennetsee, ebenso ein dritter Oberfreiämter «Eidgenosse», Peter Betschart (Benzenschwil).

Der Villmerger Urs Meyer war der erste «Böse»

Im Schwingerjargon werden eidgenössische Kranzgewinner als «Böse» bezeichnet. Der
Schwingklub Freiamt musste sich nach der Gründung 47 Jahre gedulden, bis er einen solchen feiern konnte. Der Villmerger Urs Meyer sorgte 1972 in La Chaux-de-Fonds für Aufsehen. Er gewann am ersten Tag alle vier Gänge und gehörte plötzlich zu den Königsanwärter.

Am Sonntag lief es weniger gut. Nach einer abschliessenden Niederlage im Kampf um einen absoluten Spitzenplatz fiel er auf Rang 8g zurück, feierte aber mit 75,50 Punkten doch den ersten eidgenössischen Kranz für das Freiamt. Der ehemalige Freiämter Klubpräsident Walter Rohrer erinnert sich: «Urs war ein kräftiger Schwinger, der häufig mit seinem Kniekehlen kurz zum Erfolg kam.»

Paul Vollenweider gelang ein Kunststück

Landwirt Urs Meyer hatte erst mit 22 Jahren zum Schwingen gefunden. In den 70er- und 80er-Jahren profitierte er vom damaligen Dottiker Spitzenschwinger Peter Häusler als Trainingspartner. Häusler wie vor ihm Hans Wohler und nach ihm Erich Käppeli verfehlten den eidgenössischen Kranz. Zweiter Freiämter «Eidgenosse» wurde erst 1989 der Mühlauer Bauunternehmer Paul Vollenweider. Unter den Schwingern eher ein Leichtgewicht, brachte der Turnerschwinger in Langenthal das Kunststück fertig, mit drei Siegen und fünf «gestellten» Gängen eidgenössisches Eichenlaub zu erobern.

In den 90er-Jahren erlebte der Schwingklub Freiamt eine zweite Erfolgswelle mit vielen Kranzgewinnen. Für einen Höhepunkt sorgte Marcel Villiger 1995 mit seinem Erfolg am «Eidgenössischen» im Bündner Hauptort Chur, wo sich der Rüstenschwiler das Eichenlaub mit fünf Siegen und drei Niederlagen verdiente. Bisher erfolgreichster Schwinger für den Schwingklub Freiamt war Stefan Strebel. Der Villmerger eroberte in seiner eher kurzen Laufbahn als Aktiver drei eidgenössische Kränze: 1998 in Bern, 2001 in Nyon und 2004 in Luzern.

Nachdem er dieses Ziel erreicht hatte, trat der starke Kurzzüger mit 28 Jahren am Guggibad-Schwinget 2005 zurück. Unter seinen 49 Kranzgewinnen ragen drei Kantonalfestsiege heraus. Anschliessend machte er sich im Schwingklub Freiamt verdient als Nachwuchsförderer. Nun steht er vor seiner grössten Funktionärstätigkeit: Er soll in Kürze an der Abgeordnetenversammlung zum Eidgenössischen Technischen Leiter gewählt werden.

«Eidgenossen» Nummer 5 und Nummer 6

Strebels «Saat» ist nun im Freiamt aufgegangen. Andreas Döbeli und Joel Strebel sind nach dem letztjährigen Saisonhöhepunkt in Zug die «Eidgenossen» Nummer 5 und 6 im Schwingklub Freiamt. Sie führen die neue erfolgreiche Gruppe im Verein ans diesjährige «Heimkantonale» am 7. Juni in Beinwil/Freiamt.

Etwas Wehmut befällt die Freiämter Schwingerfreunde beim Blick auf die Erfolge von Harry Knüsel und Leo Betschart in den 80er- und 90er-Jahren für die Innerschweiz. Die beiden Oberfreiämter gehörten beim Schwingklub Cham-Ennetsee während einer ganzen Generation zur nationalen Elite. Leo Betschart triumphierte 1981 am Unspunnen-Schwinget, Harry Knüsel feierte 1986 den Titel als Schwingerkönig.

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