Analyse
Es geht um mehr als einen Fussballplatz

Am 14. August kommt es erneut zu einer Urnenabstimmung über die Renovation der Schul- und Sportanlagen in Tägerig. Denn mit der Renovation werde der FC Tägerig unterstützt – obwohl zwei Drittel der Mitglieder nicht in der Gemeinde wohnhaft seien.

Dominic Kobelt
Dominic Kobelt
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Die Gemeindeversammlung sagte klar Ja zum Bruttokredit über 780000 Franken für die Erweiterung des Fussballplatzes in Tägerig. Archiv

Die Gemeindeversammlung sagte klar Ja zum Bruttokredit über 780000 Franken für die Erweiterung des Fussballplatzes in Tägerig. Archiv

Lukas Schumacher

Vor einem Jahr hat die Gemeindeversammlung in Tägerig die Renovation der Schul- und Sportanlagen gutgeheissen. Dagegen wurde das Referendum ergriffen und der Entscheid gekippt. Am 3. Juni präsentierte der Gemeinderat eine überarbeitete Vorlage, die wiederum mit grossem Mehr angenommen wurde. Aber auch gegen diesen Entscheid sammelte ein Referendumskomitee Unterschriften – es kommt am 14. August erneut zu einer Urnenabstimmung. Dabei geht es konkret um die Erweiterung des Fussballplatzes für 780 000 Franken, einen Kunststoffbelag für den Hartplatz und ein Beachvolleyballfeld für 320 000 Franken und die Erweiterung der Parkplätze für 190 000 Franken.

An dem Projekt habe sich kaum etwas geändert, argumentieren die Gegner. Sie werfen dem Gemeinderat vor, dass er mit dem FC Tägerig einen Klub unterstütze, von dem zwei Drittel der Mitglieder nicht in der Gemeinde wohnhaft seien, die Finanzierung eines privaten Vereins sei nicht Aufgabe der Gemeinde. Mehr noch: Es sei ungerecht gegenüber allen andern Dorfvereinen. Zudem seien keine anderen Varianten geprüft worden, auch nicht die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Der FC Tägerig fordere eine Maximallösung ohne Kompromisse, und der Verein würde, genau wie der Turnverein, die Vereinspolitik über die Finanzpolitik der Gemeinde stellen. Überhaupt ist den Gegnern die Renovation grundlegend zu teuer: «Angesichts der finanziell angeschlagenen Situation muss sich die Gemeinde auf die Kernbereiche konzentrieren wie Strassenbau, Wasserversorgung, Sicherheit, Bildung», heisst es im Argumentarium. Uneinig ist man sich auch über die jährlich wiederkehrenden Kosten: Der Gemeinderat rechnet mit 44 000 Franken, das Referendumskomitee stützt sich auf eine Sportanlagenstatistik des Bundes und schreibt von 62 000 Franken.

Der Gemeinderat findet, die Jugendarbeit der Vereine sei wichtiger als der Wohnort der Vereinsmitglieder und weist darauf hin, dass die Vereine Eigenleistungen erbringen und das Projekt durch den Swisslos-Sportfonds unterstützt wird. Auch habe man mehrere Varianten geprüft. «Der Gemeinderat möchte jedoch einen gut funktionierenden Verein lieber im Dorf behalten.» Die Kosten für den Unterhalt stützten sich auf Offerten und es seien Vergleiche eingeholt worden. «Entgegen der Aussage des Referendumskomitees fordert der FC Tägerig nur eine Minimallösung, damit er weiterhin auf gleichem Niveau Fussball spielen kann.»

Die Argumente des Referendumskomitees sind fadenscheinig. Dass der FC Tägerig viele Mitglieder von umliegenden Gemeinden hat, tut nichts zur Sache – schliesslich nutzen auch Leute aus Tägerig das Vereinsangebot in anderen Gemeinden. Dass sich andere Vereine benachteiligt fühlen, ist wohl kaum der Fall, haben doch an der Gemeindeversammlung viele Befürworter ihre Vereinszugehörigkeit unterstrichen. So kämpften auch Musikanten für das Projekt – sie verstehen, wie wichtig die Vereinsarbeit ist. Die Gegner der Sportanlagen zweifeln an den vom Gemeinderat berechneten Unterhaltskosten. Sie stützen sich auf eine Studie von 2012, die unter anderem 1496 Rasensportfelder in Normalgrösse miteinander vergleicht. Der Direktor des Bundesamtes für Sport wies damals darauf hin, die Angaben könnten den Gemeinden als Richtgrösse dienen, angesichts der schwierigen Datenlage seien aber Vergleiche einzelner Anlagen nur bedingt möglich. Der Gemeinderat hat Offerten eingeholt und die Unterhaltskosten von vergleichbaren Plätzen als Referenz genommen. Dass man diesen Angaben keinen Glauben schenkt und sich lieber auf eine viel zu allgemein gehaltenere Statistik stützt, zeugt von tiefem Misstrauen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es bei manchen Sportplatz-Gegnern nicht um das Projekt, sondern um eine persönliche Abrechnung geht.

Es ist vertretbar, dass gegen den ersten Beschluss der Gemeindeversammlung ein Referendum ergriffen wurde. Die überarbeitete Vorlage hat an den Orten gespart, an denen es möglich war. Zudem tritt jetzt die Gemeinde als Bauherrin auf und gibt das Geld nicht einfach so den Vereinen.

Beim Fussballplatz wären nur vier Stimmen mehr nötig gewesen, und der Entscheid wäre definitiv gewesen. Dass gegen diese Vorlage erneut das Referendum ergriffen wurde, ist zwar Teil der Demokratie, trotzdem darf man sich fragen, warum nicht mehr Gegner an der Gemeindeversammlung auftauchten. Da wäre der Ort für eine sachliche Diskussion gewesen – dieses Referendum grenzt an Zwängerei.

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