Rottenschwil

Es geht auch natürlich: Bienenwachstücher ersetzen Plastik- und Alufolie

Andrina Bräm und Mischa Russo stellen Bienenwachstücher her.

Andrina Bräm und Mischa Russo stellen Bienenwachstücher her.

Andrina Bräm und Mischa Russo aus Rottenschwil stellen Bienenwachstücher her und haben bereits über 3000 Startersets produziert.

Zwei Jahre lang hat das junge Paar Andrina Bräm und Mischa Russo die Welt bereist. Neben den unvergesslich schönen Erinnerungen haben sie auch einen starken Drang mit nach Hause gebracht: «Wir haben die Abfallberge an vielen Stränden gesehen und merkten, wir müssen etwas gegen diese Umweltverschmutzung unternehmen», erklärt die 32-jährige diplomierte Hotelière mit Kantiabschluss. Schon während der Reise hat das Paar mehr und mehr auf Plastik verzichtet. «Daheim haben wir unsere ersten Bienenwachstücher hergestellt, denn wir haben sie als sehr gute Alternative zu Plastik auf der Reise kennen gelernt. Damals produzierten wir nur für den Hausgebrauch und als Geschenke für Freunde. Aber schon bald wurde die Nachfrage immer grösser», erinnert sich Bräm. So entstand die Idee zu Planet Bee, der Manufaktur in Oberlunkhofen.

Generation der Grosseltern kennt die Tücher noch

Bienenwachstücher sind im Grunde nur Baumwollstoffe, die mit Bienenwachs, einem Nebenprodukt aus der Honigproduktion, ummantelt werden. Danach kann man sie als Ersatz für Plastik- und Alufolie benützen, Esswaren darin einwickeln oder Schüsseln damit abdecken und sie immer wieder verwenden. Oft werden sie modernen Ökomenschen zugeschrieben und belächelt, doch Andrina Bräm weiss: «Die Idee ist nicht neu, noch die Generation unserer Grosseltern hat sie im Alltag genutzt, bevor Plastik die Haushalte überschwemmte.» Am Markt habe sie schon mehrfach von älteren Kunden erfahren, dass sie die Tücher an ihre Kindheit erinnerten, als die Mutter oder Grossmutter noch selber solche hergestellt habe.

Neben dem Markt, wo die beiden ihre Tücher verkaufen, haben sie einen Webshop und Absatz in verschiedenen Läden, darunter auch die aufstrebende nachhaltige Ladenkette RRRevolve in Zürich. «Über den Webshop kam kürzlich die 1000. Bestellung herein, ein Meilenstein», freut sich die gebürtige Kellerämterin. «Unser Verkaufsschlager ist das Starterset mit drei Tüchern in verschiedenen Grössen. Darin kann man fast alles einpacken», sagt sie. Bald schon wollen sie auch ein Bienenwachs-Auffrischungsset anbieten, mit dem man seine Bienenwachstücher selbstständig wieder zu neuem Glanz aufpeppen kann. «Auch das ist nachhaltig», ist ihr wichtig.

Sie leben ihren Traum und verbessern die Welt

Doch das Paar, das sich an der Hotelfachschule kennen gelernt hat, denkt weiter. «Uns ist auch wichtig, wo die Rohstoffe unserer Tücher herkommen.» Bald soll das Tuch selbst aus Biobaumwolle bestehen. «Bisher gab es das nur begrenzt in der Qualität, die wir brauchen. Wir benutzen Ökotex, das auf Schadstoffe geprüft und fair hergestellt wird», versichert Bräm. Das Bienenwachs kaufen sie vom regionalen Imkerverband in Künten. «Als nächstes wollen wir versuchen, auch vegane Wachstücher beispielsweise aus Rapswachs, aber sicher ohne Paraffin, herzustellen.»

Obwohl die Manufaktur erst vor einem Jahr eröffnet wurde, kann Bräm seit ein paar Monaten bereits davon leben. «Wir haben schon über 3000 Startersets produziert», ist sie stolz. Dennoch hilft sie ab und zu in der Gastronomie aus, «um unter Leute zu kommen», sagt sie lachend. In der Weihnachtszeit hätten sie gar so viel zu tun gehabt, dass sie sich mit Teilzeitmitarbeitern Verstärkung holen mussten. Ein Traum wurde wahr: Sie können ihren Teil zu einer gesünderen Welt beitragen und davon leben. Und: Ein Teil der Einnahmen kommt wieder einem gemeinnützigen Projekt zugute.

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