Aus den Augen, aus dem Sinn: Wer unter der Dusche steht, die Toilettenspülung betätigt oder sich die Hände wäscht, überlegt kaum, wohin das verbrauchte Wasser fliesst und was mit dem Schmutzwasser geschieht. Dabei durchläuft das Abwasser nach der Einleitung in die Kläranlage einen aufwendigen Reinigungsprozess, bis es auf der anderen Seite wieder herauskommt und in einen Bach oder einen Fluss eingeleitet werden kann.

Aber nicht alles Wasser, das durch eine Abwasserreinigungsanlage (ARA) fliesst, ist auch wirklich schmutzig, wie das Beispiel der ARA Bremgarten zeigt: 2015 betrug der Anteil an nicht verschmutztem Abwasser, das in diese Anlage gelangte, etwa 60 Prozent. «Das ist ein ausserordentlich hoher Anteil. Minus 30 Prozent wären der Zielwert.» Pius With, der Präsident des Abwasserverbandes Bremgarten-Mutschellen, hielt dies in seinem Jahresbericht 2015 fest.

Die Aargauer Zeitung fragte ihn, weshalb ein derart hoher Anteil an nicht verschmutztem Abwasser in die ARA geleitet wird. «Früher wurden die Kanalisationen als Mischwasserkanalisationen gebaut – Schmutz- und Fremdwasser gemischt. Deshalb kommt ein grosser Teil des Fremdwassers aus Sickerleitungen der Häuser. Es wird Jahre dauern, bis das behoben wird. Die Gemeinden berücksichtigen dies gemäss Gewässerschutzgesetz bei Neubauten», lautet seine Antwort.

Lösung mit Entwässerungsplanung

Kann der Abwasserverband Gegensteuer geben, und was ist konkret geplant? Dazu der Präsident: «Die Gemeinden haben eine GEP, eine Generelle Entwässerungsplanung. In dem Planwerk wird diese Problematik aufgenommen, und die Massnahmen sind festgelegt. Zudem hat der Verband das VGEP, Generelle Entwässerungsplanung auf Stufe Verband, erarbeitet. Darin wird das Thema ebenfalls behandelt. Die Gemeinden sind verpflichtet, diese Massnahmen umzusetzen.»

In die Kläranlage Bremgarten flossen im Jahr 2015 insgesamt 3,5 Millionen Kubikmeter Abwasser, was einen Anfall von rund 21 100 Tonnen Frischschlamm bedeutete. Zudem nahm der Verband in seiner ARA von den Kläranlagen Kelleramt, Oberrüti, Sins-Auw-Abtwil (bis Ende 2015) rund 6630 Tonnen Faulschlamm zur Entwässerung an.

2015 wurden 282 300 Kubikmeter Klärgas produziert, das hauptsächlich für Raum- und Faulturmheizung verwendet wird. 94 835 Kubikmeter Gas bezog der nahe gelegene Waffenplatz für Raumheizung und Warmwasseraufbereitung, was umgerechnet 58 170 Litern Heizöl entspricht.

Reinigungseffekt von 95,3 Prozent

Verbandspräsident Pius With vermerkte in seinem Jahresbericht, dass die Kläranlage in Bremgarten mit einem durchschnittlichen Reinigungseffekt von 95,3 Prozent arbeitete. Aber: «Nach wie vor läuft die Anlage bezüglich Stickstoffanfall an der Belastungsgrenze», so der Präsident. Die Aargauer Zeitung wollte von ihm wissen, worauf diese hohe Stickstoffbelastung zurückzuführen sei. Er sagte, dass der Grund hauptsächlich auf das Zentratwasser, das aus der Schlamm-Entwässerungsanlage stammt, zurückzuführen sei.

Denn: «In der Entwässerungsanlage wird der eigene Schlamm und Schlamm aus anderen Anlagen eingedickt, damit er der Schlammtrocknung zugeführt werden kann.» Eine Massnahme ist das Sammeln des Zentratwassers in Behältern und eine dosierte Einleitung in den Klärprozess.