In der Klosterkirche Muri müssen die Altartücher ersetzt werden. Sie sind im Lauf der Jahre schadhaft geworden. Die 17 neuen Altartücher für die 13 Altäre in der Kirche, der Loretokapelle und der Krypta bestellte man nicht etwa in einem asiatischen Billiglohnland, sondern in der Paramentenwerkstatt des Aargauer Benediktinerinnenklosters Fahr.

Bei der Herstellung im Plan

«Wir sind mit der Herstellung der Tücher gut im Zeitplan», teilte die Werkstattleiterin Priska Schmid der Delegation aus Muri mit, die im Kloster Fahr auf Besuch war. Auch die Kirchgemeinde Bünzen kauft im Kloster Fahr ein: Sie bekommt vier neue Altartücher. In die Beschaffung der Altartücher für Muri schaltete sich einmal mehr die Vereinigung der Freunde der Klosterkirche Muri mit ihrem ideenreichen Präsidenten Martin Egli ein. Die Vereinigung startete eine Sammelaktion, die auf ein grosses Echo stiess. Der aus Wohlen stammende ehemalige Aargauer Staatsarchivar Roman Brüschweiler rundete den Betrag um eine schöne Summe auf. Eingesegnet werden die Altartücher am 12. Oktober - genau 950 Jahre nach der Weihe der Klosterkirche Muri.

«Die Altartücher treffen pünktlich in Muri ein», versicherte Priska Schmid. Neben Martin Egli und dem Donator Roman Brüschweiler überzeugte sich auch Maria Wüest, engagierte Mitarbeiterin in der Kirchenpflege, bei den Klosterfreunden und bei MuriKultur, davon, dass der Auftrag im Kloster Fahr in den besten Händen liegt. «Das Kloster Fahr kenne ich noch aus der Jugendzeit», erzählte sie. «Ich besuchte 1973/74 die Bäuerinnenschule, die dem Kloster angegliedert war und nun leider geschlossen werden musste. Diese Zeit war schön, ich habe in der Schule viel gelernt fürs Leben. Davon profitierte ich später als Mutter und Hausfrau.»

In Musse und mit Geduld

Martin Egli bringt es auf den Punkt: «Wir sind glücklich, dass die Altartücher im Kloster Fahr hergestellt werden. Denn hier nimmt man sich die notwendige Zeit dafür.» Schwester Martina Meyer, die auf einem Bauernhof in der Unterzelg in Villmergen aufgewachsen ist und seit sieben Jahren zum Team der Weberinnen gehört, strahlt am Webstuhl auf jeden Fall jene gelassene Geduld und Ruhe aus, die man in einem hektischen privaten Industriebetrieb nicht mehr findet. «Das Weben ist eine Arbeit mit meditativem Charakter», meint Irene Gassmann, Priorin im Kloster Fahr. «Wir sind im Kloster momentan an grossen Renovationsarbeiten, die viel Geld – 20 Millionen Franken – und Umsicht erfordern», sagt sie. Deshalb begreift es die Delegation aus Muri, dass sich die Priorin bald einmal verabschiedet, weil andere Aufgaben auf sie warten.

Jedes Altartuch aus dem Kloster Fahr ist eine Einzelanfertigung. Dafür garantiere sie, meint Priska Schmid, die, bevor der Auftrag in die Produktion ging, nach Muri reiste, um die Altäre auszumessen. «Nicht jeder Altar ist gleich gross, und kaum einer ist im rechten Winkel», weiss Martin Egli. Die ausgezeichnete Schweizer Qualität wird nicht nur von Schweizern geschätzt, sondern auch von Kunden aus Süddeutschland und Italien. «Die Auftragslage ist gut, aber wir müssen auch etwas dafür tun», betont die Werkstattleiterin. Die Begeisterung für handgewobene Stoffe und Textilien sei auch in der heutigen Wegwerfgesellschaft ungebrochen.

Vielseitiges Arbeitsfeld

Das Kloster Fahr stellt nicht nur Altartücher her, sondern auch sakrale Gewänder für Priester, Diakone und Ministranten. «Kürzlich bekamen wir einen Auftrag für Stolen aus Jerusalem», teilte Priska Schmid mit. Für die Kirche in Dietikon stellte das Kloster auch eine textile Wandgestaltung her. Das Arbeitsfeld hört zudem nicht an den Konfessionsgrenzen auf. «Immer öfter melden sich auch reformierte Pfarrer und Pfarrerinnen, die sich für einen Talar interessieren», sagte die Werkstattleiterin.