Bremgarten

Erstklässler lernen jeden zweiten Freitag im Wald

Der Unterricht im Wald mit Natur- und Erlebnispädagoge Norbert Joller macht den Bremgarter Erstklässlern sichtlich Spass.  hag

Der Unterricht im Wald mit Natur- und Erlebnispädagoge Norbert Joller macht den Bremgarter Erstklässlern sichtlich Spass. hag

Norbert Joller unterstützt die Primarschule Bremgarten als Natur- und Erlebnispädagoge bei einem besonderen Projekt. Die Schülerinnen und Schüler verlegen jeden zweiten Freitag ihr Schulzimmer in den Wald.

Seit Beginn dieses Schuljahres läuft an der Primarschule Bremgarten ein besonderes Projekt: Jeden zweiten Freitag verbringen die Erstklässler von Nadja Raster mit dem Natur- und Erlebnispädagogen Norbert Joller in der Natur. Nicht Mathematik oder Deutsch soll vermittelt werden, sondern Eigenverantwortung und gesteigerte Selbstsicherheit des Kindes stehen im Zentrum.

Vorerst handelt es sich bei Jollers Engagement um ein Pilotprojekt. Die Schulleitung hat für den Moment vier Halbtage bewilligt. Joller ist wichtig, dass es sich bei der betreffenden Klasse nicht um eine Problemklasse handelt. «Die Klasse ist aus vier verschiedenen Kindergärten zusammengewürfelt worden. Die Ausflüge in die Natur sollen helfen, damit die Kinder rasch zueinanderfinden», so der Stadtratskandidat.

Jollers Methoden sind unkonventionell, scheinen aber auf fruchtbaren Boden zu fallen. «Am Elternabend wurden zwar auch kritische Fragen gestellt, das Feedback war aber sehr positiv», freut sich Joller. Die Arbeit macht ihm persönlich viel Spass, vor allem, wenn er die Veränderung bei den Kindern bemerkt. «Wenn wir aus der Natur zurückkommen, begleiten mich immer freudig tanzende Kinder. Das motiviert mich», so Joller.

Schule für einmal ganz anders

Wenn die Kinder das Schulgelände verlassen, gibt es nur zwei Fixpunkte: Irgendwann wird ein Znüni eingenommen, und gegen Mittag müssen die Kleinen wieder zurück bei der Schule sein. «Dazwischen ist alles möglich. Ich stelle keine Regeln auf, die Impulse der Kinder sollen entscheiden, was auf dem Programm steht», erklärt Joller. Das Ziel dieser Art Unterricht ist klar: Es soll die Eigenverantwortung und Selbstsicherheit der Kinder stärken. Joller weiss: «Viele Jugendliche definieren sich nur noch über materielle Dinge wie Kleidung, Musik oder Getränke. Sobald sie alleine mit sich im Wald sind, treten primär Überforderung und Langeweile in Erscheinung.»

Ziel des naturnahen Unterrichts ist, den Menschen an sich zu stärken. Die Schüler mögen den Unterricht im Freien. Trotz Regen schwärmt Lars: «Am liebsten mache ich Feuer.» Er geht jetzt auch am Wochenende mit seinen Eltern in die Natur.

Wald zum Unterrichten geeignet

Immer dabei ist Lehrerin Nadja Raster. Sie ist überzeugt von der Wichtigkeit dieses Projekts: «Für das soziale Gefüge ist der Unterricht in der Natur Gold wert. Hier bilden sich immer wieder von alleine neue Gruppen innerhalb der Klasse», freut sie sich. Zunächst steht das soziale Element in Vordergrund. «Das ist in diesem Alter auch für schulische Leistungen zentral», weiss Raster. Wenn sich das Projekt etabliert, sind dem Unterricht in der Natur kaum Grenzen gesetzt: «Man kann sich bewegen, kreativ sein, Dinge über Pflanzen und die Elemente lernen oder Tannzapfen zählen», erzählt Raster.

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