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Erstes Angebot in der Region: In Wohlen gibt es eine Trauergruppe für Kinder

Trauerbegleiterin Katharina Keel zeigt ihren Arbeitskoffer.

Trauerbegleiterin Katharina Keel zeigt ihren Arbeitskoffer.

In Wohlen gibt es neu ein Angebot für eine Trauergruppe für fünf- bis zwölfjährige Kinder.

Besonders bedrohlich sehen die Figuren auf den Spielkarten nicht aus. Auch wenn es eigentlich Monster sind. Behutsam verteilt Katharina Keel die 25 «Gefühlsmonster»-Karten auf dem Tisch. Die farbigen, niedlichen Kreaturen drücken verschiedene Gefühle aus. Mit denen wir uns identifizieren können. Die Gefühlsmonster sind eines der vielen Hilfsmittel, die die 29-jährige Wohlerin bei ihrer zukünftigen Tätigkeit im braunen Lederköfferchen immer dabei hat.

Keel führt zusammen mit Kollegin Christiane Burgert-Rothmaier neu eine Kindertrauergruppe in Wohlen, die dem Verein Familientrauerbegleitung angehört. Sie richtet sich an fünf- bis zwölfjährige Kinder, die ein Geschwister oder Elternteil durch den Tod verloren haben. Ein vergleichbares Angebot gibt es in der weiten Region nicht.

Ihr Vater starb, als sie 14 Jahre alt war

«Die Freiwilligenarbeit in der Trauerbegleitung war ein grosser Traum von mir. Ich wollte mich auch mit meiner eigenen Geschichte auseinandersetzen», erzählt Katharina Keel.

Sie spricht aus eigener Erfahrung. Ihr Vater verstarb, als sie 14 Jahre alt war, zwei Monate später kam eine Schulfreundin bei einem Unfall ums Leben. Ein wichtiges Anliegen sind ihr ein offener Umgang mit oftmals schwierigen Themen wie Verluste oder Trauer. Während rund zweieinhalb Jahre machte Keel, die Mutter eines siebenjährigen Sohnes ist, eine Ausbildung zur Familientrauerbegleiterin, spezialisiert auf Kindertrauerarbeit. Sie gehört zu den Jüngsten, die dies je in der Schweiz machten.

Mit dem Gemeinschaftsraum in Wohlen habe sie einen idealen Platz gefunden, um eine Kindertrauergruppe ins Leben zu rufen. Die Teilnahme in der Gruppe soll für die Kinder kostenlos sein und durch Spenden finanziert werden. Einen Lohn erhält Keel nicht. Sie sagt: «Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, die Kinder begleiten zu können.» Die Gruppe schätzt den jährlichen Spendenbedarf für Raummiete und andere Auslagen auf 4000 Franken.

Zentral ist für sie der Unterschied zwischen Kind und Erwachsenem. «Kinder springen rein und raus in Trauerpfützen, während bei Erwachsenen die Trauer wellenartig kommt und sie eher darin versinken», sagt sie. Eltern würden oft zu wenig über den Tod sprechen. Ihr bester Tipp: «Redet darüber und traut euch Gefühle zu zeigen!» Man könne auf sachlicher Ebene Kindern vieles rund um den Tod und die Bestattung erklären. «Dazu braucht die Gesellschaft aber eine offene Trauerkultur», sagt Keel. Falls sich die Kindertrauergruppe etabliert, kann sie sich vorstellen, auch eine Gruppe für Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahre anzubieten.

Kindertrauergruppe Wohlen

Jeweils monatlich dienstags von 17.15–19 Uhr im Gemeinschaftsraum an der Rigistrasse 9–13. Erster Termin 18. August. Weitere Infos unter 079 725 42 72 oder an katharina@weiter-leben.ch.

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