Villmergen

Erste Resultate liegen vor: In jeder Gemeinde gibt es unerkannte Risiken

Historische Akten werden oft in den Kellern der Verwaltungsgebäude gelagert, was passiert bei Wassereinbruch oder Feuersbrunst? (Symbolbild)

Historische Akten werden oft in den Kellern der Verwaltungsgebäude gelagert, was passiert bei Wassereinbruch oder Feuersbrunst? (Symbolbild)

Villmergen hat das Thema Risikomanagement angepackt und bereits nach ein paar Monaten hat man erkannt, dass das ein guter Entscheid gewesen ist.

«Eigentlich ist das Risiko-Management in allen Gemeindebehörden latent ein Thema, doch bisher ist es noch selten systematisch angegangen worden», sagt Gemeinderat Renato Sanvido, der beim Projekt federführend ist.

Es hat es als Thema für das Strategie-Weekend 2016 auch eingebracht. Nicht zuletzt, weil er sich in der Asago AG auch beruflich damit befasst. «Ich habe verschiedene Seminare besucht und dort gesehen, dass nicht nur Unternehmen, sondern auch Gemeinden sich im Rahmen ihrer strategischen Planung darüber Gedanken machen sollten», erklärte er an einem Vortrag vor der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Bremgarten.

Alle Bereiche betroffen

«Das grösste Risiko ist es, davon auszugehen, dass es schon gut kommt», stieg Sanvido in sein Referat ein und zeigt auf, was in Villmergen in diesem Bereich passiert ist. Man hat in einer ersten Phase im Gemeinderat aus einer Vielzahl von rund 100 vordefinierten Risiken die relevantesten analysiert. Betroffen, erklärte Sanvido auf Nachfrage der AZ nach seinem Vortrag, seien alle Bereiche: «Es geht nicht nur um offenkundige Gefahren wie mögliche Unfälle, Bedrohungen von Personal, Wassereinbruch oder Feuersbrunst. Es geht auch um organisatorische Fragen und um die kritischen Geschäftsprozesse in einer Gemeinde. Zu diesem Zweck wurden auch die Abteilungsleiter involviert.» So hat man in Villmergen – unter anderem – festgestellt, dass es bei Erbschaften von ehemaligen Sozialhilfebezügern allenfalls offene Fragen gibt.

«Gehen wir davon aus», erklärte Renato Sanvido, «dass eine Person über eine längere Zeit Sozialhilfe von der Gemeinde Villmergen bezogen, bisher jedoch noch nichts zurückbezahlt hat. Jetzt erbt diese Person eine grössere Summe und könnte ihre Schulden bei der Gemeinde begleichen. Nur: Wie erfährt diese von der Erbschaft – vor allem, wenn die Person die Gemeinde in der Zwischenzeit verlassen hat? Wie kann die Gemeinde möglichst lückenlos sicherstellen, dass ihre Ansprüche zeitgerecht gestellt werden können?»

Offene Fragen erkennen

Risiko-Management, erklärte der Gemeinderat weiter, bedeute, diese offenen Fragen zu erkennen. In einem zweiten Schritt könnte sich dann eine Gemeinde konkret auf einen solchen Fall vorbereiten. «Es gilt mit einem geeigneten Konzept sicherzustellen, dass eine Erbschaft ganz oder zumindest teilweise zur Rückzahlung der bezogenen Sozialhilfebeiträge verwendet werden kann. Da geht es unter Umständen um sehr hohe Beträge», sagte Sanvido.

Befasst hat man sich auch mit dem Thema «Drohung und Gewalt gegen Mitarbeitende». Das Thema sei grundsätzlich nicht neu, die aktuelle Lage aber jetzt erstmals unter Einbezug der Abteilungsleiter und Mitarbeitenden offen besprochen und Handlungsbedarf erkannt worden. Dabei gehe es um die Festsetzung von Regeln im Umgang mit renitenten Personen, aber ebenso um die Überprüfung von Alarmierungskonzepten oder möglicher baulicher Massnahmen. Gedanken gemacht hat man sich in Villmergen auch über die Auswirkungen von Feuer und Wasser im Gemeindehaus. Wie könnte das Gebäude im Notfall rasch evakuiert werden? Wie gut sind die wertvollen historischen Akten im Archiv gegen Wasser und Feuer geschützt?

Villmergen, sagte Sanvido habe die Erfahrung gemacht, dass sowohl die Mitglieder des Gemeinderates als auch der Gemeindeschreiber, die Geschäftsleitung und die Abteilungsleiter sehr konstruktiv mitarbeiteten. Die systematische Vorgehensweise hätte allen eine hohe Sicherheit gegeben und auch die Möglichkeit, sich aktiv einbringen zu können.

Spezielle Software entwickelt

Die Firma Asago AG, in der Renato Sanvido er als Partner tätig ist, hat für Gemeinden eine spezielle Plattform entwickelt, mit der Gemeinden die wichtigen, zusammenhängen Bereiche Strategie, Finanzen und Risikomanagement systematisch bearbeiten können. «Hier soll vor allem auch der Community-Gedanken spielen», erklärt der Villmerger Gemeinderat. «Es müssen nicht alle Gemeinden die Welt neu erfinden, sondern sie sollen mit dieser Plattform auch von den Erfahrungen der anderen Gemeinden profitieren können.»

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