Im Sitzungszimmer des Gemeinderates von Auw gibt es nichts, wirklich gar nichts, was die Aufmerksamkeit ablenken könnte. Keine Bilder an der Wand, keine Dekogegenstände im Raum. Nur ein solider, grosser Holztisch steht da, umgeben von schweren, aber sehr komfortablen Sesseln.

Marlis Villiger setzt sich an die Stirnseite des Tisches, dem Interviewer schräg gegenüber. Sie hat ein sehr gewinnendes Lächeln und gesteht, dass sie furchtbar nervös sei. Und dennoch übernimmt sie in diesem Gespräch ganz selbstverständlich und zwanglos den Vorsitz. Auf die Frage, wie sie sich selber charakterisieren würde, antwortet die 49-jährige Familienfrau: «Ich bin sehr gerechtigkeitsliebend. Nichts geht mir mehr gegen den Strich als Ungerechtigkeit. Und ich arbeite gerne im Team. Das gefällt mir auch hier im Gemeinderat. Meine Kollegen tragen mich sehr und stehen mir bei. Am liebsten ist es mir, wenn ich meine Aufgabe in Ruhe, im stillen Kämmerlein, machen kann. Ich muss nicht immer zuvorderst stehen.»

«Es wäre schön, wir hätten weniger Schulden»

«Es wäre schön, wir hätten weniger Schulden»

Drei Fragen an die neue Frau Gemeindeammann von Auw, Marlis Villiger.

Ihr sei schon klar, dass sie als Gemeindeammann dann öfter mal vorne stehen müsse. Als Hilfssakristanin und Lektorin in der Kirche habe sie sich daran auch schon gewöhnen können. Aber die Öffentlichkeitsarbeit sehe sie als den kleineren Teil ihres neuen Amtes. Öffentliche Auftritte sucht die Ehefrau und Mutter von drei Kindern nicht. Sich für die Öffentlichkeit zu engagieren, das ist ihr Ding. Darum hat sie sich in Absprache mit ihren Gemeinderatskollegen auch dazu bereit erklärt, in die grossen Fussstapfen ihres Vorgängers, Gemeindeammann Paul Leu, zu treten. «Mir ist schon bewusst», sagt Villiger, «dass das rechte Stiefel sind, die ich mir da anziehe. Aber von ihm das Amt zu übernehmen, ist eine Ehre, gerade in dieser Gemeinde. Die Bürger von Auw machen mich stolz. Sie haben in den vergangenen Jahren immer wieder zukunftsgerichtete Entscheide gefällt.»

Viele Einwohner unter 20

Dazu gehöre etwa die Inbetriebnahme der ersten Schnitzelheizung, die 2002 zusammen mit der Zentrumsüberbauung installiert wurde. Oder die Einführung von Tempo 30 auf allen Gemeindewegen abseits der Kantonsstrasse. «Dieser Vorstoss kam bei uns im ersten Anlauf durch. So etwas ist hier möglich», erzählt Villiger mit leuchtenden Augen. In den vergangenen 15 Jahren ist die Auwer Bevölkerung um rund 900 Personen auf gut 2100 Einwohner angewachsen. Das schmucke, ländliche Dorf hat viele junge Familien angezogen. «Wir sind eine der wenigen Gemeinden im Kanton, in der rund ein Viertel der Einwohner unter 20 ist», sagt Villiger. Das bedeute zwangsläufig, dass die Gemeinde weniger Steuereinnahmen generiere als andere.

Darum sei eines der wichtigen Ziele in den nächsten Jahren, die Pro-Kopf-Verschuldung abzubauen. «Es ist aber nicht alles im Leben eine Frage des Geldes oder von viel Geld», so Villiger. Es gäbe auch viele Projekte, die vom persönlichen Einsatz der Beteiligten lebten. Eines davon sei zum Beispiel das Projekt «Gesundes Freiamt», bei dem sich Auw zusammen mit anderen Gemeinden der Region stark mache für tragfähige Lösungen in der Gesundheitsvorsorge und -versorgung im Alter. «Mir ist es wichtig, dass wir eigenständig bleiben, aber gleichzeitig die regionale Zusammenarbeit fördern, wo immer es geht.» Nun heisst es für Marlis Villiger und ihren Mann Markus aber erst einmal «Leinen los!» auf der Flussfahrt nach Trier. Die ersten Ferien nur zu zweit, seit ihre Kinder auf der Welt sind. Darauf freut sich die kulturinteressierte CVP-Politikerin genauso wie auf die Reise in die Zukunft mit Auw.