Bremgarten
Ermittler dürfen im Fall Patric G. Handy-Daten auswerten

Die Staatsanwaltschaft darf zur Aufklärung des mysteriösen Todes von Patric G. in Bremgarten Randdaten seines Mobiltelefons rückwirkend auswerten. Dies hat das Bundesgericht entschieden. Das Zwangsmassnahmengericht wollte dies erst untersagen.

Silvan Hartmann
Merken
Drucken
Teilen
In diesem Schacht wurde Patric G. tot aufgefunden: Laut Bundesgericht darf die Staatsanwaltschaft seine Handydaten auswerten

In diesem Schacht wurde Patric G. tot aufgefunden: Laut Bundesgericht darf die Staatsanwaltschaft seine Handydaten auswerten

AZ

Am Abend des 14. März 2012 verabschiedet sich Patric G. zu Hause bei seinen Eltern und macht sich auf den Weg in den Ausgang. Er kehrt nicht mehr nach Hause zurück. Eine Suchaktion bleibt erfolglos. Neun Tage danach entdecken ihn Schüler tot am Ende einer steilen Treppe liegend bei der Post in Bremgarten.

Patric G. muss schon Tage vor dem Fund der Schüler verstorben sein. Ein Suizid kann laut Behörden ausgeschlossen werden. Der Verstorbene wies im Blut eine Alkoholkonzentration von 1,3 Promille auf. Die Ermittler gehen davon aus, dass Patric G. alkoholisiert die Treppe hinuntergestürzt ist.

Andererseits wollen sie sichergehen, dass in diesem Fall kein Tötungsdelikt vorliegt. Es muss in betracht gezogen werden, dass eine oder mehrere Personen den Verstorbenen die Treppe hinuntergestossen haben. «Dafür spricht insbesondere der Umstand, dass der Verstorbene in der rechtsextremen Szene verkehrt hatte», schreibt das Bundesgericht.

Durchbruch in den Ermittlungen?

Trotz eingehenden Nachforschungen blieb den Ermittlern aus, wo sich Patric G. am Abend des Verschwindens überall aufhielt, mit wem er zusammen war und was er vor seinem Tod gemacht hatte. Die Ermittlungen blieben insbesondere erfolglos, weil das Mobiltelefon des Jugendlichen trotz Beizugs von Experten nicht geöffnet werden konnte.

Mit einer Verfügung vom 5. April lehnte das Zwangsmassnahmengericht die Genehmigung der rückwirkenden Telefonüberwachung ab. Die Staatsanwaltschaft verfüge über andere Abklärungsmöglichkeiten, so könnten etwa Eltern Kenntnis über Datum, Zeit und Dauer der Telefonverbindungen in Erfahrung bringen.

Die Staatsanwaltschaft reichte Beschwerde ein und siegte nun vor Bundesgericht: Sie darf nun rückwirkend das Handy von Patric G. untersuchen und die Randdaten seines Mobiltelefons überwachen – es könnte der entscheidende Durchbruch in den Ermittlungen zu einem möglichen Tötungsdelikt sein.