Der FDP ist die Lust auf die Arbeit in der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission in Wohlen vergangen. Bei der jetzigen Konstellation könne man die eigenen Positionen nicht einbringen, teilte die Ortspartei am Montag in einer Medienmitteilung mit, die es in sich hatte. Denn neben der Ankündigung, dass die Partei keinen Kandidaten für den freigewordenen Sitz aufstellen und sich somit aus dem 9er-Gremium zurückziehen wird, sparte die FDP nicht an Kritik an der derzeitigen Kommissionsarbeit. Die Kommissionsmitglieder würden den Sitzungen fernbleiben. Die Berichte seien dürftig. Und: Die Kommission lasse eine kritische Distanz zum Gemeinderat missen.

Nun haben die Fraktionspräsidenten der CVP und SP reagiert und ihrerseits Statements verschickt. Beide drücken ihr Unverständnis für den Entscheid der FDP aus, bedauern und kritisieren ihn. «Der Boykott hilft niemandem», schreibt Stefanie Dietrich von der CVP, «der FDP nicht, den anderen Fraktionen nicht und dem Volk schon gar nicht!» Ähnlich klingt es in der Medienmitteilung der SP: Fraktionspräsident Alex Stirnemann schreibt, dass der Entscheid bei ihnen Kopfschütteln auslöse. «Die Art und Weise wie die FDP vorgeht, erinnert uns an das Druckmittel eines Kindergärtners. ‹Entweder lässt du mich gewinnen oder ich spiele nicht mehr mit.›» Die Probleme würden wohl eher aufseiten der FDP liegen. Im Umgang mit Niederlagen «und zum anderen eine geeignete Person für das Amt zu finden».

FDP soll Kandidaten stellen

Die SP fordert die FDP auf, trotz ihrer Ankündigung eine Person für das Amt zu nominieren. Oder wenigstens einen bürgerlichen Kandidaten aus dem Einwohnerrat vorzuschlagen. «Möchte sich die FDP jedoch konsequent aus den Gremien zurückziehen, in denen sie unterliegt, so müsste sie auch ihre Anwesenheit im Einwohnerrat überdenken.» Die CVP überlegt sich, für die FDP einzuspringen. Man werde eine mögliche eigene Kandidatur an der nächsten Fraktionssitzung diskutieren.

Zu reden gab auch der Vorwurf der FDP, dass die neun Kommissionsmitglieder häufig den Sitzungen fernblieben. Diesen Kritikpunkt kann die CVP nachvollziehen. «Aber auch die FDP glänzte nicht immer mit voller Anwesenheit an diesen wichtigen Sitzungen.» Die SP spielt den Vorwurf der Abwesenheit zurück an die FDP. «Die Mitglieder der bürgerlichen Parteien (allen voran das Mitglied der FDP) waren oft abwesend und konnten ihre Position nicht einbringen, respektive abstimmen.» Mehr Verständnis für die FDP hat SVP-Präsident Roland Büchi. Er könne die Vorwürfe nachvollziehen und sei ebenfalls unzufrieden mit der Arbeit der Kommission, sagte er am Montag.