Niederwil-Obfelden

Erdverkabelung für die neue Starkstromleitung im Reusstal rückt näher

Vor drei Jahren entschied das Bundesamt für Energie, die Planung für die Starkstromleitung zwischen Niederwil und Obfelden neu aufzugleisen. Nun hält sich der Aargauer Regierungsrat mit einem ersten Richtplan-Entscheid alle Optionen offen.

Der Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR) ist seinem grossen Ziel ein Stück näher. Über Jahre hat er sich dafür eingesetzt, dass die Starkstromleitung zwischen Niederwil und Obfelden entweder über eine neue Strasse geführt oder in den Boden verlegt wird. Nicht zuletzt wegen des starken Widerstands aus dem Reusstal ist ein erstes Projekt, die Leitung von 220 auf 380 Kilovolt zu erweitern, vor drei Jahren gescheitert.

Das zuständige Bundesamt für Energie hat 2012 entschieden, die Planung von Grund auf neu aufzugleisen. Mit einem ersten Entscheid dazu hält der Regierungsrat jetzt alle Optionen offen. Der erweiterte Planungskorridor, den er dem Grossen Rat zur Aufnahme im Kantonalen Richtplan vorschlägt, vergrössert den Spielraum für das Projekt erheblich. Plötzlich scheint nicht nur eine Erdverkabelung möglich, sondern auch eine Verlegung des bisherigen Trassees.

Auf Vorschläge eingegangen

Die ersten Ergebnisse dieses Verfahrens, das mehrere Etappen beinhaltet und sich über mehrere Jahre hinziehen wird, sind im Januar 2015 präsentiert worden. Nach Prüfung verschiedener Optionen hat eine vom Bund eingesetzte, aus Vertreterinnen und Vertretern von Behörden und Umweltverbänden gebildete Begleitkommission den neuen Planungskorridor für die Leitung vorgeschlagen. Dieser entspricht in etwa dem bisherigen Leitungsverlauf.

Darauf gestützt wurden die nötigen Anpassungen im Sachplan Übertragungsleitungen des Bundes sowie im Kantonalen Richtplan in die Vernehmlassung geschickt.

Wie erwartet wurde dieses Anhörungs- und Mitwirkungsverfahren von den betroffenen Parteien rege genützt. «Die vorgesehene Anpassung des Richtplans stösst grundsätzlich auf Zustimmung», schreibt der Regierungsrat in seiner Botschaft an den Grossen Rat.

Es gab allerdings Vorbehalte und Anpassungsvorschläge. So beantragte der VSLR, das praktisch vollständig im Reusstal liegende Planungsgebiet um die Räume Bünztal und Oberfreiamt zu ergänzen. Der Verein wurde mit diesem Anliegen von der Gemeinde Oberlunkhofen, den Grünen Aargau und dem Bauernverband Aargau unterstützt. Diesem Anliegen hat der Regierungsrat entsprochen und gab das bereits im August bekannt. Die betroffenen Gemeinden – Auw, Beinwil, Boswil, Büttikon, Geltwil, Kallern, Merenschwand, Mühlau und Muri – konnten dazu Stellung nehmen.

Oberfreiamt nicht begeistert

Begeistert zeigte sich niemand. Eine neue Starkstromleitung durch ihr Gebiet lehnen alle Gemeinden durchweg ab. Die meisten lassen allerdings die Option einer Erdverkabelung offen. Einer Leitung unter dem Boden, halten mehrere Gemeinden in ihren Stellungnahmen fest, könnten sie allenfalls zustimmen. Die Erdverkabelung ist denn auch einer der Hauptgründe für die Ausweitung des Planungsgebietes. Eine solche ist im Reusstal nur beschränkt realisierbar, im ausgeweiteten Planungsgebiet Bünztal/Oberfreiamt wäre sie weit eher möglich.

VSLR nicht in Kommission

Klar abgelehnt wird jedoch vom Regierungsrat der Ruf aus dem Reusstal, im Rahmen der weiteren Planung den VSLR in der Begleitkommission mitwirken zu lassen. Das primär aus rechtlichen Überlegungen.

Die Zusammensetzung einer solchen Begleitgruppe sei in der Verordnung über das Plangenehmigungsverfahren für elektrische Anlagen klar festgelegt, hält der Regierungsrat fest und schreibt weiter: «Der Einbezug einer privaten Interessengruppierung, auch wenn sich diese fachlich qualifiziert mit den Sachfragen auseinandersetzt, ginge über das in dieser Verordnung Vorgesehene hinaus und könnte aufgrund einer Bevorzugung einzelner Interessenten als Verfahrensfehler qualifiziert werden. Das könnte letztlich erhebliche Folgen nach sich ziehen.»

Hier geht es zu dem Kommentar von Toni Widmer.

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