Rekord-Fussmarsch
Er will in einem Monat elf Länder durchwandern – für Waisenkinder

Der 21-jährige Informatik-Student Mike Wong aus Rudolfstetten will mit einem ehrgeizigen Projekt in neuen Weltrekord aufstellen und Geld für Waisenkinder sammeln. Seine Reise soll ihn von Holland über die Schweiz nach Kroatien führen.

Lyne Schuppisser
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Mike Wong ist bereit für das Abenteuer.

Mike Wong ist bereit für das Abenteuer.

Lyne Schuppisser

Am 12. Juli startet Mike Wong zu seinem persönlichen Abenteuer: «A long Walk» – ein langer Marsch. Innerhalb eines Monats will der 21-Jährige zu Fuss, mit Rucksack, Kamera und Zelt durch elf Länder Europas ziehen und damit den bestehenden Rekord von 10 Ländern überbieten.

Als Wong vor einem Jahr zufällig ein Buch von Alastair Humphrey in die Hände geriet, fing alles an. Humphrey hatte während viereinhalb Jahren mit dem Fahrrad die Welt erkundet. Seine Erlebnisse und Eindrücke inspirierten Wong so stark, dass er begann, andere Bücher von Abenteuern zu lesen. Und immer stärker wurde Sein Drang herauszufinden: «Wie weit kann ich gehen?»

Projekt von Guinness bewilligt

Mit der Idee für sein Abenteuer wurde Wong bei Guinness World Records vorstellig. Im November 2014 reichte seine Anfrage ein. Nach langer Bearbeitungs- und Prüfungszeit erhielt er im April das Einverständnis. Er darf den Versuch wagen, den alten Weltrekord von 10 zu Fuss durchquerten Ländern in einem Monat zu brechen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – das gilt auch für die Guinness World Records. Auf Wongs Armbanduhr werden während der Reise alle seine GPS-Daten im Minutentakt auf eine Karte gespeichert. So lässt sich überprüfen, ob er auf seiner Reise wirklich zu Fuss unterwegs ist und sich nicht eben mal per Autostopp eine Ruhepause gönnt.

Als IT-Experte, Wong studiert im zweiten Semester Informatik, wäre es ein Leichtes, die Uhr zu manipulieren. Das liegt aber nicht in seinem Interesse. Während dem Marsch will er Spenden sammeln für die englische Hilfsorganisation «Hope and Homes for Children». Sie setzt sich für Kinder in Waisenhäusern ein und wurde schon von anderen Abenteurern unterstützt.

Viel Wille und wenige Gewicht

Die 1200 Kilometer lange Reise wird Wong von Holland über die Schweiz bis hinunter nach Kroatien führen. An einem Tag will er jeweils 40 Kilometer bewältigen, was eine Marschzeit von rund acht Stunden bedeutet. Wie will er das schaffen? «Mit meinem starken Willen und einem Rucksack gepackt nur mit dem Notwendigsten. Er wiegt kaum mehr als zehn Kilos», erklärt der Wagemutige.

Die Routen hat er mit Google Maps ermittelt, über einen Zeitraum von ein bis zwei Monaten und danach noch viel Zeit für den Feinschliff investiert. Darum weiss er auch, dass nicht alle Länder über ein so ausgefeiltes Wanderwegnetz, wie die Schweiz verfügen. «Ich werde häufig entlang von Landstrassen laufen müssen.»

Schlafen will er so oft wie möglich im Zelt, in Städten allenfalls in einer Jugendherberge. Auch sonst bleibt Wong in seiner Durchführung flexibel. Wenn er an einem heissen Julimittag eine längere Pause einlegen muss, so wird er am Abend länger gehen. An körperlicher Fitness mangelt es ihm denn nicht. Wong betreibt seit etwas mehr als sechs Jahren Parkour (eine effiziente Fortbewegungsart mit Überwindung von Hindernissen) und ist oft in den Bergen unterwegs.

Freunde hielten ihn für verrückt

Auf sein Vorhaben reagierten Freunde und Familie überrascht und hielten ihn für verrückt. «Jetzt finden sie es aber eine coole Idee und unterstützen mich.» Freunde und Interessierte können seinen Marsch auf www.mwong.ch mitverfolgen. Dort wird der leidenschaftliche Fotograf voraussichtlich alle zwei bis drei Tage die neuesten Fotos veröffentlichen.

Starten wird Mike Wong im holländischen Vaas. Dort kommen ihm geografische Gegebenheiten zugute – das Dreieck Holland, Belgien und Deutschland, ermöglicht es ihm, in einem Tag drei Länder zu passieren. Wong freut sich auf abwechslungsreiche Landschaften.

«Von der Nordsee bis zum adriatischen Meer kann ich den ganzen Wechsel verfolgen.» Weiter könne er auf seinem Marsch auch «einfach mal abschalten». Seit seiner Lehre war er ohne Unterbruch am Arbeiten und Studieren. Allein zu reisen, macht ihm nicht aus. «Ich lerne sicher viele Leute können.»

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