«Ich bin in einem Altersheim aufgewachsen», sagt Roger Bottlang. Dort, wo andere ihre letzten Schritte tun, macht Roger Bottlang seine ersten. Für ihn ein Ort der Ruhe und des Friedens. «Ich wurde schon als 5-Jähriger im Jassen gefördert», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Jassprofi wurde er dennoch nicht. Stattdessen machte er eine Ausbildung zum Kellner in der Wirtschaft zum Stutz in Widen und wechselt später in die Küche, wo seine Leidenschaft für das Kochen und die gesunde Ernährung entflammte: «Romy Herzog hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, gesund und lecker zu essen». Eine Erfahrung, die Spuren hinterliess.

Der Weg zum Hanf

Immer dasselbe zu tun, wäre aber atypisch für Bottlang. Schon während der Weiterbildung zum Hotelfachmann zog er in die Ferne: «Im Gastro-Bereich kannst du überall arbeiten», schwärmt er.

Vor allem in Asien sowie Zentral- und Nordamerika erlebte er fremde Welten und entdeckte neue Kräuter und Gewürze: Brahmi, Moringa, Quinoa und Goji sind nur ein paar Beispiele. «Diese Kräuter und Pflanzen sind extrem nährstoffreich. Trotzdem kennen sie nur wenige«, sagt er.

Zum Hanf kam er bei seiner Rückkehr in die Schweiz 1996: Dank einer Lücke im Betäubungsmittelgesetz boomte die Hanfbranche. Auch Bottlang sprang auf den Zug auf. Die Freude war allerdings nur von kurzer Dauer. Die Gesetzeslücke wurde nach nur vier Jahren durch einen Bundesgerichtsentscheid geschlossen und der kleine Wirtschaftszweig auf einen Schlag kriminalisiert.

Raus aus dem Schatten

Auch da reagierte Bottlang unüblich. Er blieb dem Hanf treu und musste dafür zwischenzeitlich auch schwer büssen. Sein Interesse verlagerte sich in Richtung der nützlichen Aspekte des Hanfs. Aus THC-neutralen Pflanzen stellt er bis heute Salben, Cremen und Lotionen her.

Mittlerweile sind die Rechtsstreitigkeiten vorbei. Bottlang frönt seiner Kochlust mit Roger’s Küche und importiert mit seinem Geschäftspartner bei Powernuts Hanfnüsse (Samen der Hanfpflanze). Daraus macht er unter anderem Speise-Öle.

«Bezüglich Nährwert stellen die Hanfnüsse alle anderen Pflanzen in den Schatten», sagt Bottlang im Brustton der Überzeugung. Ein Superfood im wahrsten Sinne des Wortes. Die Omega-3+6-Fettsäuren kämen im optimalen Verhältnis in natürlicher Form vor und seien essenziell für den Menschen. Denn der Körper kann sie nicht selber herstellen.

«Der Hanf ist schon seit Jahrtausenden ein Teil unserer Ernährung und ist für mich die beste Nahrungsmittelergänzung», sagt er.

Nun will Bottlang den Hanf aus seinem Schattendasein führen: Den THC-Gehalt hat er zusammen mit einem Zürcher Botaniker auf 0,6 Prozent gesenkt. «Da kann man ein ganzes Feld rauchen: Es wird einem höchstens schlecht.»

Bauern aus der Region stellen ihm gut zwei Hektaren Land zur Verfügung. Im Mai werden die ersten Setzlinge gepflanzt. Angst, erneut mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, hat er keine: «Alles, was ich mache, ist juristisch abgeklärt und gesetzeskonform. Ich informiere die Kantonspolizei Aargau über jeden Schritt.»

Ob er die Hanfpflanze salonfähig machen kann, hängt nicht zuletzt vom lokalen Gewerbe ab: Seine geschälten Hanfnüsse und das kalt gepresste Hanfnussöl kann man schon in einigen Läden kaufen. Laufend kämen neue Interessenten dazu.

Von der Pflanze ist er auch nach Jahrzehnten der Repression überzeugt: «Der Hanf hat ein riesiges Potenzial als Lebensmittel und Nutzpflanze.»