Der Weg zum Haus von Andreas Schwendimann in Rudolfstetten führt entlang einer unschönen Schutthalde, die durch Bauschranken abgesperrt und gesichert ist. Seit 2½ Jahren wartet er darauf, dass er anstelle der Schutthalde eine Treppe und davor einen befestigten Parkplatz erstellen darf. Doch das Baugesuch liegt noch immer beim Gemeinderat Rudolfstetten. «Zudem ist die Stützmauer der Nachbarn viel zu hoch gebaut worden, nämlich 3,5 anstelle von erlaubten 1,8 Metern.»

Jetzt ist Schwendimann mit seiner Geduld am Ende. Er hat eine Aufsichtsbeschwerde gegen den Gemeinderat beim Kanton eingereicht und spricht davon, dass die zuständigen Gemeindevertreter ihrer Pflicht nicht nachkommen.

Firma würde aufschütten

Doch so einfach ist die Geschichte nicht. Früher befand sich an besagter Stelle schon eine Treppe, doch war der Hang weiter in Richtung Strasse versetzt. Dies blieb auch so, als das Generalplanungsunternehmen Atelier 19 Immobilien AG auf dem Nachbargrundstück eine Überbauung mit vier Häusern aufstellte. Als die Elektra Rudolfstetten-Friedlisberg AG (ERF) aber eine Trafostation bauen wollte, musste der Hang vorübergehend rückgebaut werden. Die Arbeiten übernahm ebenfalls Atelier 19, «allerdings im Auftrag der ERF», betont CEO Hanspeter Sihler.

Die Baubewilligung für die Trafostation wurde mit der Auflage erteilt, dass der frühere Hauszugang wiederhergestellt, der Hang also wieder aufgeschüttet werden sollte. So würden die Stützmauern, die heute tatsächlich nicht den Baunormen entsprechen, auch nicht mehr 3,5, sondern nur noch die erlaubten 1,8 Meter aus dem Boden ragen. «Und das würden wir nach wie vor gerne ausführen, damit wir das Projekt abschliessen und abrechnen können», so Sihler.

«Weil Herr Schwendimann seinen Eingang nun aber anders haben möchte, haben wir ihn darin unterstützt, indem wir die Aufschüttung noch nicht vorgenommen und ihm geraten haben, ein entsprechendes Baugesuch einzureichen. Wir haben ihm sogar Pläne zu seinen Vorstellungen erstellt, die er einreichen konnte», hält er fest.

Gemeinde wollte helfen

Schwendimann besteht anstelle der Aufschüttung aber auf seiner Treppe mit Parkplatzlösung. Verschiedene Begehungen haben stattgefunden, Vertreter des Gemeinderats, der Bau- und Planungskommission, der ERF, des Ateliers 19 und weiterer Beteiligter haben sich immer wieder auf dem Grundstück getroffen. Und tatsächlich wollte der Gemeinderat Schwendimann entgegenkommen, betont Joël Buntschu, Ressortvorsteher Hoch- und Tiefbau sowie Raumplanung im Rudolfstetter Gemeinderat, auf Anfrage.

«Im Herbst habe ich beinahe wöchentlich mit Herrn Schwendimann korrespondiert. Ich habe Abklärungen veranlasst, das Anliegen allen nötigen Behörden vorgetragen und wollte es nun am kommenden Montag an unserer Sitzung meinen Gemeinderatskollegen vorstellen.» Natürlich muss sich der Gemeinderat an die Bauverordnungen des Kantons und der Gemeinde halten. Innerhalb dieser sei aber ein gewisser Spielraum offen, den Buntschu zugunsten Schwendimanns auslegen wollte, denn sein Parkplatz-Projekt entspricht nicht den Bauvorschriften.

In den vergangenen 2½ Jahren musste der Bauherr mehrmals sein Gesuch neu einreichen, Ergänzungen machen oder fehlende Dokumente nachreichen. «Aber jetzt hätte alles gepasst», ist sich Buntschu sicher. Doch der Bauherr mag nicht mehr warten und hat – zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt – eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Es ist bereits die zweite, die erste wurde von Aarau abgewiesen. Buntschu erklärt bedauernd: «Nun sind uns die Hände gebunden. Wir werden abwarten, bis die Beschwerde in Aarau behandelt worden ist, das wird wohl im Frühling geschehen. So lange werden wir das Baugesuch warten lassen müssen.» Schade, findet er. Genauso drückt sich Hanspeter Sihler aus: «Schade.»

Andreas Schwendimann will aber nicht mehr warten: «Wenn das so weitergeht, werde ich die Treppe auch ohne Bewilligung bauen.» Davon rät Buntschu ihm aber dringend ab.