Auf dem Holderstock, hoch über der Gemeinde Sins, mit einer prächtigen Aussicht bis ins Zugerland, ist der Zuger Regierungsrat und Landammann Beat Villiger (56) in einer grossen Bauernfamilie aufgewachsen. Obwohl der frühere Gemeindeschreiber von Sins schon lange in Baar lebt, hat er seine Freiämter Heimat nicht vergessen.

Am Dienstag sah Villiger in Bremgarten seine zwei Schwestern wieder, als er in der «Morgenstund» im Restaurant Jojo der St.-Josef-Stiftung über die Beziehungen zwischen den Kantonen Zug und Aargau referierte.

Oberfreiamt beliebt bei Zugern

Historisch gesehen gebe es tatsächlich Gemeinsamkeiten zwischen Zug und dem Freiamt, meinte Villiger. «Das Freiamt wollte nach der Gründung des Kantons Aargau zu Zug. Es kam aber nie so weit. Heute sind solche Bestrebungen unrealistisch.» Aber: Der Kanton Zug dehnt sich seit Jahren über die Kantonsgrenzen bis ins Oberfreiamt aus. Im Zugerland ist der Platz knapp geworden, vor allem für Leute, die eine bezahlbare Wohnung suchen.

«Aber auch im Oberfreiamt findet man heute keine Viereinhalbzimmerwohnung für weniger als 2000 Franken», erklärte Villiger. Wichtig ist für ihn, dass die Nachbarkantone gut zusammenarbeiten, wofür gute Ansätze bestehen. «Wir Zuger geben neidlos zu: Die Alphabetisierung, und damit die Kultivierung der Schweiz, ging vom Aargau aus, vom ersten Kulturminister Philipp Albert Stapfer.» Darum sei er noch immer stolz auf seine Wurzeln. «Zwischenzeitlich ist vielleicht ja Zug auch auf das kulturelle Niveau des Kantons Aargau geklettert.»

Villiger sieht sich als überzeugter Föderalist. «Der Zentralismus ist reines Gift», stellte er fest. Doch der Föderalismus habe durchaus seinen Preis. Umso wichtiger sei es, ihn so praktikabel und in den Führungsstrukturen so einfach wie möglich zu gestalten. «Ich war früher für Gemeindefusionen. Heute bin ich dagegen. Eine Gemeinde sollte so lange selbstständig bleiben, wie sie ihre Aufgaben allein bewältigen kann. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass die elf Zuger Gemeinden zu einer einzigen Stadtgemeinde zusammengeschlossen werden sollten.»

Lücken in der Zusammenarbeit

Im Berufsbildungswesen funktioniere die Zusammenarbeit zwischen den beiden Kantonen gut, auf der Ebene der Mittelschulen aber noch nicht optimal, bemerkte Villiger. «Das sieht man am Beispiel der Kantonsschule Cham, die eigentlich für die Oberfreiämter Schüler näher läge als die Kantonsschule Wohlen. Aber der Kanton Aargau besteht mit einem gewissen Recht darauf, dass die Freiämter Mittelschüler nach Wohlen gehen.» Mit einer Leistungsvereinbarung wäre der Konflikt zu beheben, sagte der Regierungsrat.