Es gibt kaum einen Beruf, bei dem man länger Spuren hinterlässt, als der des Steinmetzes. Das ist einer der Gründe, weshalb der 19-jährige Lehrling Max Kohli aus Anglikon so begeistert von seiner Arbeit ist. «Mir gefällt es, dass man etwas in der Welt hinterlassen kann, aber auch, dass man in dem Beruf so kreativ sein kann», sagt er, nachdem er sein Werkzeug für einen Moment weggelegt hat. Er steht im beeindruckenden Hendschiker Steinbruch der Firma Emil Fischer AG, Dottikon, und schlägt mit Meissel, Hammer, aber auch Druckluftwerkzeug Reliefs und Schriftzüge aus verschiedenen Gesteinsarten. Es sind keine Objekte, die er für Kunden anfertigt: Der heutige Tag gilt einzig dem Training. Denn Max Kohli bereitet sich auf die Weltmeisterschaft vor, genannt World Skills, die im August in Kazan in Russland, rund 800 Kilometer östlich von Moskau, stattfinden. An 17 der 37 Trainingstagen ist sein Trainer, der Steinmetz-Europameister Michael Egli aus Bern, zur Unterstützung an seiner Seite. Dieser ist überzeugt, dass Kohli Chancen auf den Titel hat – selbst wenn die Russen alles daran zu setzen scheinen, ihren jungen Handwerkern und anderen Fachleuten Vorteile zu verschaffen.

Stein steckt an der Grenze fest

Bewiesen ist es natürlich nicht, aber der russische Kalkstein, der am Wettbewerb verwendet wird, und den Kohli zum Trainieren gebrauchen könnte, hängt seit einer gefühlten Ewigkeit am russischen Zoll fest. «Scheinbar hat die grosse russische Firma, die es gewohnt ist, Steine ins Ausland zu schicken, Fehler bei den Zollpapieren gemacht», sagt Egli schulterzuckend und kopfschüttelnd. «Das geht aber nicht nur uns so, andere Länder versuchen sogar, politisch Druck zu machen, damit ihr Steinmetz mit dem russischen Stein trainieren kann.» Die Unterschiede der Steinarten seien elementar, in der Schweiz gäbe es keinen so weichen Kalkstein wie den russischen. Darum trainiert Kohli nun mit französischem Kalkstein.

«Nicht so streng, wies aussieht»

Max Kohli macht sich nichts draus. Er weiss, dass er gut ist in dem, was er tut. Das hat er bereits an den Swiss Skills im vergangenen Sommer gezeigt, wo er den Titel des Schweizermeisters mit nach Hause nehmen konnte. «Ich weiss, wenn ich nicht gerade einen absolut unförmigen Klotz erhalte und mit meinem Werkzeug arbeiten kann, dann liegt es einzig an mir. Wenn ich so genau und schnell arbeite, wie ich es gewohnt bin, dann kommt das gut.» Exakt arbeiten kann er. «Im Hauen von Profilen bin ich gut, denn darauf sind wir hier spezialisiert, das mache ich oft», sagt der Viertlehrjahr-Stift der Emil Fischer AG. «Schriften und Reliefs übe ich jetzt während der Trainingstage, das machen wir im Alltag weniger. Aber wenn man es ein paar Mal gemacht hat, kommt man rein.»

Das sei generell so bei der Arbeit der Steinmetze: «Wer gern mit den Händen arbeitet und auch etwas kreativ ist, kann den Rest lernen», sagt Kohli. So war es auch bei ihm. «Ich wusste am Anfang nicht, was ich werden wollte, da hat mir mein Vater geraten, ich soll doch als Steinmetz schnuppern gehen. Mir hat der Job sehr gut gefallen.» Darum machen er und auch Egli gerne Werbung dafür. «Man stellt es sich viel anstrengender vor, als es ist. Wir schleppen die Steine nicht herum, sondern bearbeiten sie», erklärt Egli. Kohli fügt hinzu: «Wer gern mit den Händen arbeitet und nicht weiss, was er werden will, soll zum Schnuppern vorbeikommen.»

18 Tage in Russland

Vom 14. bis 31. August wird er zusammen mit den gut 40 anderen jungen Schweizern, die in ihren Berufskategorien an den World Skills teilnehmen, in Russland sein. Nervös ist er noch nicht, denn er kann sich nicht vorstellen, welche Konkurrenz in Kazan auf ihn wartet. Ein Physiotherapeut, zwei Team-Leader für Notfälle und pro Beruf ein Experte werden die Schweizer Delegation begleiten. Zudem kommen Kohlis Eltern, Grosseltern und sein Bruder mit ihm nach Russland. «Wir werden einander kaum viel sehen, denn sie haben ein anderes Programm als wir, alles ist genau durchorganisiert», sagt Kohli. Dennoch freut er sich sehr, dass seine Familie mit dabei sein wird und ihn während der vier Tage der Wettkämpfe unterstützen kann. 24 Stunden dürfen die Steinmetze in den vier Tagen arbeiten, auch das ist durchgeplant. Michael Egli, der zweite Trainer August Kuster und die anderen Mitglieder des kleinen Schweizer Berufsverbandes der Steinmetze werden ihm von daheim aus die Daumen drücken.