Bünzen
Er suchte den Weg aus den ökologischen Sackgassen

Der Bio-Bauer Roman Abt vom Rütihof in Bünzen war in vielen Bereichen ein Vorreiter und Vorbild. Ein Nachruf.

Martin Köchli
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Für Roman Abt waren Tiere Lebewesen, die Achtung und Zuneigung verdienten.

Für Roman Abt waren Tiere Lebewesen, die Achtung und Zuneigung verdienten.

Archiv/sha

Am 9. Februar nahm Roman Abt vom Rütihof in Bünzen Abschied von dieser Welt. Würdig, zu Hause, im Beisein seiner Familie und im ruhigen Bewusstsein, dass sein Leben nun zu Ende geht. Ein Leben, das er so sehr liebte und dem er so verbunden war. Das zeigte sich schon früh, als noch Meerschweinchen, Kaninchen und Hühner seine Welt und «sein Bauernhof» und ihm nicht einfach Viecher waren, sondern Lebewesen, die Achtung und Zuneigung verdienten. Und die diese Achtsamkeit mit ebensolcher Zuneigung erwiderten. Solche grundlegenden Erlebnisse sollten auch den späteren Lebensweg von Roman Abt prägen. Gepaart mit einem offenbar ererbten Unternehmergeist, den schon seine Vorfahren kannten, wurden sie ihm nach gründlichen und auch grundlegenden Schul-, Lehr-, und Wanderjahren zur Voraussetzung und zur Zielsetzung für sein Leben als Bauer und Unternehmer.

Er stellte seinen Hof 1990 auf Biolandbau um

Dies war auch Grundlage und Voraussetzung für den Entscheid, den Rütihof mit seiner respektablen Grösse 1990 auf Biolandbau umzustellen. Wohl nicht zuletzt aus der Einsicht selbstgemachter Erfahrungen heraus, dass Leben mehr ist als ein chemisch-physikalischer Prozess und die Nicht-Beachtung dieser Tatsache in ökologische Sackgassen führt, aus denen man nicht mit Alibi- Übungen rauskommt, sondern nur mit einer wissenschaftlich abgestützten Landbewirtschaftung, die natürliche Lebensprozesse als Ressource wahrnimmt. Entschieden und zielstrebig folgte er diesem Grundsatz, in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FibL in Frick. Aber auch in enger Zusammenarbeit mit der Biofarm-Genossenschaft. Diese Institution präsidierte und prägte er während sieben Jahren (1998- 2005).

Daneben war ihm aber auch die regionale Verankerung des Biolandbaus ein Herzensanliegen. Die Gründung des leider gescheiterten Vereins «Bio metenand Freiamt» in den 90er- Jahren oder die regionale Vermarktung von Milch und Milchprodukten unter Einbezug verantwortungsvoller Konsumentinnen und Konsumenten waren Visionen, die manchmal von Erfolg, manchmal vom Scheitern geprägt waren. Zu den Erfolgen gehört sicher auch der ertragreiche Anbau von Getreide, Lagergemüse und vor allem Zuckermais, der zu einem eigentlichen Renner wurde. Da konnte sich Roman in eine Begeisterung und in einen (Arbeits-)Eifer hineinsteigern, der, wer weiss, unbemerkt an seinen Kräften zehrte.

Dies führte ihn vielleicht auch zum Entscheid, etwas kürzer zu treten und den traditionsreichen Rütihof im Frühjahr 2018 der nächsten Generation zu übergeben, in der Gewissheit, dass sein Erbe nicht nur aus einem bestens aufgestellten Biobetrieb besteht, sondern auch in einer Einstellung allem Leben gegenüber, die aus generationenübergreifender Achtsamkeit, Ergriffenheit und Verbundenheit besteht. Dies half ihm, den Schock zu ertragen, den eine Krebsdiagnose bei ihm und seiner Familie auslöste. Mit der ihm eigenen Tapferkeit und einer nachahmenswerten Wachheit allem Leben gegenüber meisterte er diese enorme Herausforderung mit vorbildlicher Haltung und Einstellung.

Die Freiämter Biobauern verneigen sich vor seinem grossen Lebenswerk und werden Roman Abt ein ehrendes Andenken bewahren.