Wohlen/Villmergen
Er sorgte dafür, dass der Verkehr möglichst gut rollte

Die neuen Büros, auf die Peter Moos jahrzehntelang gewartet hat, sind im Bau. Im Herbst werden sie bezogen. Der Strassenmeister vom Unterhaltskreis III in Wohlen ist dann nicht mehr dabei.

Toni Widmer
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«Ich arbeite hier noch heute so gerne wie an meinem ersten Tag.» Peter Moos Strassenmeister

«Ich arbeite hier noch heute so gerne wie an meinem ersten Tag.» Peter Moos Strassenmeister

Toni Widmer

Diese Woche ist der Villmerger Peter Moos 65 Jahre alt geworden, in einer Woche wird er pensioniert. Bis Ende September wird er stundenweise noch seinen Nachfolger Sebastian Michlig einarbeiten. Dann ist definitiv Schluss.

«Ich freue mich darauf, die Verantwortung für meine Leute abgeben zu können, und auf den nächsten Winter. Nach drei Jahrzehnten erstmals keine Sorgen wegen verschneiter und vereister Strassen, keine Anrufe oder Mails von Leuten, die mit dem Winterdienst nicht zufrieden sind. Einfach ruhig durchschlafen», sagt er. Doch: «Ich lasse ein tolles Team zurück und einen tollen Chef. Meinen Job habe ich immer sehr gerne gemacht. Etwas Wehmut ist schon dabei, wenn ich mein Büro räume.»

Für 150 km Strassen zuständig

Als Strassenmeister war Peter Moos für rund 150 km Kantonsstrassen verantwortlich. Sein Zuständigkeitsgebiet reichte von Othmarsingen bis Wohlen und vom Hallwilersee bis auf den Mutschellen. Mit seinem Team sorgte er dafür, dass der Verkehr möglichst reibungslos rollte.

Er organisierte den Unterhalt der Strassen sowie der nötigen Infrastruktur wie Signalisationen, Markierungen, Entwässerungsanlagen oder Tunnels, seine Leute behoben Unfallschäden, besorgten den Winterdienst und räumten nach Unwettern auf. In seinen Aufgabenbereich fielen auch die Planung und Organisation von Umleitungen sowie die Überwachung und Kontrolle aller Bauvorhaben, welche den Verkehr auf den Kantonsstrassen tangierten.

Dabei war er als Vertreter des Baudepartements direkter Ansprechpartner für die Gemeinden. Eine Rolle, die Peter Moos lag. Er war selber 22 Jahre Gemeinderat in Villmergen, davon 10 Jahre Vizeammann. «Von meiner Tätigkeit in der Behörde habe ich in meinem Beruf viel profitiert. Ich kannte nicht nur die Leute, wir redeten auch die gleiche Sprache. Das war ein grosser Vorteil bei Verhandlungen.

Fachlich bestens qualifiziert

Moos hat auch Sanierungen und Ausbauten im Strassennetz geplant und umgesetzt. «Solche Projekte habe ich früher oft und gerne gemacht. Die Anforderungen und die Komplexität in meinem Beruf sind aber derart gestiegen, dass ich dafür kaum mehr Zeit hatte», erklärt er.

Peter Moos hat Tiefbauzeichner gelernt, eine Zusatzausbildung zum Strassenbauer absolviert und später noch die Polier- sowie die Bauführerschule abgeschlossen. Ideale Voraussetzungen für die Stelle eines Strassenmeisters im Kreis III, die 1984 ausgeschrieben war: «Der vielseitige Job hat mich sehr interessiert und ich habe mich beworben.

Damals brauchte es dafür noch kein riesiges Dossier. Ich habe Lebenslauf und beruflichen Werdegang auf einer A4-Seite zusammengefasst. Das wars», schmunzelt Moos. Für den Kantonsingenieur war die A4-Seite genug. Ab 1. Januar 1985 war Peter Moos Strassenmeister im Werkhof Wohlen.

Seither hat der Verkehr enorm zugenommen und damit, sagt Peter Moos, sei auch alles viel hektischer geworden: «Das Verständnis hat abgenommen. Wenn wir irgendwo eine Strasse flicken und dadurch den Verkehr etwas behindern, werden unsere Leute nicht selten beschimpft. Die Strassenbenützer merken nicht mehr, dass das, was wir machen, letztlich eine Dienstleistung für sie ist. Wir flicken Strassen nicht, um jemanden zu ärgern. Wir machen das, um die Verkehrssicherheit für alle zu gewährleisten.»

Der Ton ist rauer geworden

Kritik an der Arbeit des Strassenunterhaltsdienstes habe es immer gegeben, sagt Moos. Doch sie sei häufiger geworden und der Ton rauer. Wenn jemand seine Leute, die am Strassenrand arbeiten, mit Tiernamen beschimpft, dann tut das Peter Moos weh und die Erinnerung an einen tragischen Vorfall kommt hoch: 2007 wurde ein Mann aus seinem Team bei der Arbeit am Strassenrand in Fischbach-Göslikon von einem unvorsichtigen Autofahrer angefahren und tödlich verletzt. «Das belastet mich bis heute sehr. Ich bin sehr vorsichtig geworden und habe bei meinen Leuten manchmal fast etwas pedantisch auf die Arbeitssicherheit geachtet.»

Es gibt positivere Erinnerungen an die letzten 31 Jahre als Strassenmeister: «Ich durfte die Umfahrung Bremgarten mitgestalten, ich war beim Ausbau des Sädels mit dem Tunnel in Oberwil-Lieli an vorderster Front dabei und ich habe Dutzende von kleineren und grösseren Sanierungsprojekten betreut. Es war eine spannende Zeit und ich arbeite noch heute so gerne wie damals, an meinem ersten Tag beim Unterhaltsdienst», sagt Peter Moos.

Jetzt will es der passionierte Pfeifenraucher etwas gemütlicher angehen: mehr Tennis spielen, mehr Wandern, im Winter mehr Skifahren und allgemein mehr Zeit mit seiner Frau Brigitte und seiner Familie verbringen.

Ganz aus dem Rampenlicht verschwindet Moos nicht. Er bleibt vorderhand noch Präsident des Abwasserverbandes Wohlen-Villmergen-Waltenschwil, dem er seit Jahrzehnten angehört. «Zumindest ein bisschen etwas für die Öffentlichkeit darf ich ja auch nach meiner Pensionierung noch tun», lacht der Neo-Rentner.