Bezirksgericht Bremgarten
Er prügelte, sie schlug mit der Bierflasche zu: Streit am Fasnachtsball endet vor der Richterbank

Ein Fasnächtler wurde vom Bezirksgericht Bremgarten verurteilt, weil er an einem Ball vor einem Jahr eine Frau verprügelte. Sie wiederum schlug ihren Angreifer mit einer Bierflasche nieder.

Walter Christen
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Nachdem der Angreifer die junge Frau zu Boden gestossen und verprügelt hatte, griff diese zur Bierflasche und schlug sie ihrem Angreifer über den Kopf. (Symbolbild)

Nachdem der Angreifer die junge Frau zu Boden gestossen und verprügelt hatte, griff diese zur Bierflasche und schlug sie ihrem Angreifer über den Kopf. (Symbolbild)

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Grossandrang herrschte vor einem Jahr an einer Fasnachtsparty in einer Gemeinde im Bezirk Bremgarten. In der Turnhalle standen an der Bar verschiedene Besuchergruppen. Weil der Platz knapp war, kam es immer wieder zu kleinen Körperkontakten zwischen einzelnen Fasnächtlern. In jener Nacht endete aber das Zusammentreffen zweier Ballbesucher zu vorgerückter Stunde in einer blutigen Auseinandersetzung.

Eine 24-Jährige stellte einen ihr unbekannten 26-jährigen Mann nach einer kleinen Rempelei zur Rede und wandte sich wieder ihren Kollegen zu. «Plötzlich kam er wie eine Furie daher, traf mich an der Seite und stiess mich zu Boden. Bei dieser Aktion verletzte ich mich an den Handflächen und am Unterarm.

Daraufhin wurde ich mit Fäusten am Kopf traktiert, bis Umstehende den Angreifer von mir losrissen.» So die Schilderungen der als Auskunftsperson vor Bezirksgericht Bremgarten geladenen Klägerin.

«Ich bereue es im Nachhinein»

«Was geschah dann?», fragte Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf. «Ich bekam am Boden eine Bierflasche zu fassen und schlug sie ihm über den Kopf. Weshalb ich derart reagiert habe, ist mir nicht klar. Ich bereue es im Nachhinein, und mir ist klar, so etwas geziemt sich nicht», sagte die Klägerin, die nach den Schlägen einen Tag lang an Kopfschmerzen litt, aber sonst keine körperlichen Schäden davongetragen hat.

Die Frau reichte rund einen Monat nach dem Vorfall Strafklage ein, worauf der Täter von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten wegen versuchter einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 130 Franken, zu einer Busse von 1300 Franken und zur Übernahme der Verfahrenskosten verurteilt wurde. Dagegen erhob er Einsprache.

Dass sowohl die Klägerin als auch der Beklagte zum Zeitpunkt des Ereignisses erheblich alkoholisiert waren, bestätigten beide. Dies dürfte denn auch der Grund dafür gewesen sein, dass der Beklagte vor Gericht die Angreiferin nicht erkannte: «Nachdem mir eine Flasche über den Kopf gezogen wurde, erlitt ich eine drei Millimeter tiefe Rissquetschwunde und ging zu Boden. Ich hatte keinen weiteren Kontakt zur Klägerin. Man hat mich im Sanitätszelt und später im Spital verarztet.»

Des Fasnächtlers Verteidiger beantragte Freispruch für seinen Mandanten. Die Einzelrichterin bestätigte hingegen den Strafbefehl vollumfänglich.