Geboren wurde er am 13. Mai 2018. Er war ein Wunschkind. Seine Mutter, die Brown-Swiss-Kuh Joya, und sein Vater, ein original Braunvieh-Stier namens Bartli, haben sich zwar nie persönlich kennen gelernt, aber Züchter Walter «Rössli-Wädi» Rüttimann wusste sehr genau, was er aus diesem preisgekrönten Genpool erwarten durfte: einen Siegermuni.

«Uns allen war klar, dass der Preismuni für unser Schwingfest nur ein Braunvieh sein kann», betont OK-Präsident Hermann Bütler, denn Beinwil im Freiamt gilt heute noch als Hochburg der Braunviehzucht. Darum nahm Bütler im Frühling 2018 Kontakt auf mit Walter Rüttimann, dessen Tiere mit schöner Regelmässigkeit an Viehschauen ausgezeichnet werden. An der Horba 2017 etwa, als seine Kuh Gina zur Vize-Miss Horba erkoren wurde.

Beim Aargauer Kantonalschwingfest, das vom 5. bis 7. Juni 2020 in Beinwil stattfindet, geht es natürlich in erster Linie um die Schwinger und deren Leistungen, nicht um Rindvieh. Aber der schönen Tradition entsprechend, wird der Sieger dieses Schwinget als Preis einen stattlichen Muni in Empfang nehmen dürfen. Dieser ist im Zuchtbuch momentan noch unter dem Namen Landor eingetragen und wiegt aktuell rund 250 Kilogramm. «Ausgewachsen ist er dann eine gute Tonne schwer», sagt Rüttimann, der den jungen Stier gerade am Strickhalfter zum AZ-Fototermin auf die Wiese führt.

Er versprüht Charme

«Zum Glück weiss der noch nicht, welche Kraft er jetzt schon hat», scherzt Alois Odermatt, der im Organisationskomitee für die Gaben zuständig ist und das Aufwachsen «seines» Preismunis natürlich von Geburt an mitverfolgt hat. «Wenn der Sie mit Anlauf auf die Hörner nimmt, dann werden Sie dann wirklich zum fliegenden Reporter», flachst Odermatt in Richtung AZ-Redaktor, der sich schwer darauf verlässt, dass der junge Stier «ein ganz braver und friedlicher ist», wie sein Züchter gerade bestätigt. «Er liebt es, wenn man ihm flattiert», sagt Rüttimann und krault seinem Muneli die Stirnlöckchen. Es ist, als spürte der junge Stier, dass es hier nur um ihn geht. Ganz ruhig posiert er für den Fotografen, zeigt sich von seiner besten Seite, dreht den Kopf zur Kamera und versprüht – man kann es nicht anders sagen – jede Menge Charme.

Starallüren hat Landor keine. Er wächst wie alle anderen Jungtiere auf dem Eichrütihof in Beinwil auf. Der ganze Bestand umfasst gut 70 Tiere, 35 Kühe und nochmals so viele Jungtiere. Am wohlsten ist es ihm auch, wenn er mit seinen Altersgenossen zusammen ist. Dennoch bringt ihn Rüttimann immer mal wieder in die Einzelbox, damit er sich daran gewöhnt, angebunden zu sein, wie es am Schwingfest ja dann auch öfters der Fall sein wird.

Eingeschäumt von oben bis unten

Auch das Geführtwerden am Halfter muss der kleine Muni trainieren. Darum sieht man Rössli-Wädi seit einiger Zeit mit seinem Stierenkalb spazieren gehen. «Ich streichle ihn auch viel, damit er sich an Berührungen und den Umgang mit Menschen gewöhnt. Das muss er dann können, wenn er in der Arena präsentiert wird.» Bis dahin muss er aber vor allem noch wachsen. Dazu füttert ihn Rüttimann ausschliesslich mit Heu, Mineralstoffen und Salz. «Spezielles Mastfutter kriegt er nicht. Er soll ja stattlich, nicht fett werden», sagt sein Züchter. Vor öffentlichen Auftritten wird der Jungstier auch immer fein gemacht: «Gestern habe ich den Muni von oben bis unten eingeschäumt und gewaschen», erzählt Rüttimann und strahlt mit dem glänzenden Fell seines Stieres um die Wette. Diesen Frühling, wenn Landor sein Babyfell ganz losgeworden ist, wird ihn Rüttimann auch erstmals scheren und ihn besonders herausputzen, denn dann wird der Munispender offiziell bekannt gegeben und per Wettbewerb ein schöner Name für den Siegermuni gesucht.