Villmergen
Er kochte für Liz Taylor und Roger Moore

Hugo Weibel erinnert sich an die Zeiten als Chefkoch im «Palace» in Gstaad. Dort bekochte er einst, zusammen mit Peter Wyss, den internationalen Jetset und echte Stars.

Jörg Baumann
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Ignaz Lang, Chefkoch im Wohn- und Pflegezentrum Bifang in Wohlen (links), mit seinem berühmten Berufskollegen Hugo Weibel.

Ignaz Lang, Chefkoch im Wohn- und Pflegezentrum Bifang in Wohlen (links), mit seinem berühmten Berufskollegen Hugo Weibel.

Jörg Baumann

Stoff für ein dickes Buch hätte Hugo Weibel mit Sicherheit. Von 1991 bis 2017 war er neben Peter Wyss zweiter Chefkoch im Hotel Palace in Gstaad. Aber mit den Memoiren hat Weibel noch nicht begonnen. Dafür hat der Frühpensionierte keine Zeit. Er macht lieber Einsätze als Gastkoch, so auch in Villmergen am Jugendfest und an den Aufführungen des Theaterstückes «Der Kammerdiener». «Das hat mir grosses Vergnügen bereitet.»

Viele berühmte Gäste

In Gstaad prägten die Chefköche Weibel und Wyss das Image des weltberühmten, 1913 eröffneten Hotels Palace. In 26 Jahren kochte Weibel mit seinem grossen Team für bekannte und unbekannte Winter- und Sommergäste, den internationalen Jetset und echte Stars: darunter Liz Taylor, ihr Ehemann Richard Burton und die britische Premierministerin Margaret Thatcher, die im Hotel ihre Memoiren schrieb und nach einem Alpenrundflug mit dem Piloten sogar ein Bier trank. Unvergessen bleibt Weibel auch Popstar Michael Jackson. Der wollte das Palace kaufen. Er erhielt mehrere Abfuhren: Das Palace sei unverkäuflich, hiess es. Inoffiziell vernahm man, dass Jackson mindestens das Doppelte hätte bieten müssen. «Alle diese Gäste hatten ihre Eigenheiten. Sie gaben sich aber viel bescheidener, als man sich vorstellt», sagt Weibel. Bond-Darsteller Roger Moore spielte, wenn er privat zum Apéro bei der Hoteliersfamilie eingeladen war, viel lieber mit dem jungen Sohn des Chefs mit der Eisenbahn, als mit den Gästen zu trinken.

Die Rüeblitorte als Ausweis

Hugo Weibel wuchs in einfachen Verhältnissen im Weiler Hembrunn bei Villmergen auf. So ist auch sein Lieblingsmenu bescheiden: Schmorbraten und Kartoffelstock. Koch wurde er, weil er als Schulbub gerne buk. «Rüeblitorte war meine Spezialität. Nach der Schulzeit musste ich nicht einmal schnuppern gehen. Ich fand eine Lehrstelle als Koch im Restaurant Bären in Cham.» Einmal sei er mit dem Töffli nach Hause in die «Hämbere» gefahren, «weil ich so starkes Heimweh hatte». Der Vater habe aber kühl reagiert. «Was machst du da? Du fährst sofort nach Cham zurück.»

In der Lehre hatte er das Gefühl, nicht so viel gelernt zu haben. «Die heutige Ausbildung ist durchdachter. Wir haben in der Schule ständig den ‹Pauli›, das Kochlehrbuch schlechthin, abgeschrieben oder mussten Listen mit Ländern und Nationalgerichten erstellt. Etwas, das man heute nicht mehr braucht.» Und: «Mein Chef im Bären war kein Wirt, sondern Metzgermeister.» Dennoch schloss Weibel mit dem gewünschten Fünfer ab. Länger sollte es dauern, bis er den ersten Hummer halbieren konnte – «lebendig übrigens, schauderhaft!» – und die passende Sauce americaine kreierte.

Mit Nachwuchs stark verbunden

Stufe um Stufe stieg Hugo Weibel, lange Arbeitstage gewohnt, die Karriereleiter empor. Zusammen mit Ignaz Lang, Chefkoch im Wohn- und Pflegezentrum Bifang in Wohlen, absolvierte er die Wirtefachschule in Oberentfelden. «Eigentlich wollte ich in die USA auswandern. Aber ich bekam kein Visum.» In seinen Wanderjahren lernte er Paris, das «Baur au Lac» und das Hotel Seerose in Meisterschwanden kennen. Am Hallwilersee war er drei Jahre Chefkoch. 1987 schloss er die Koch-Meisterprüfung ab. Seitdem ist er auch als Berufsschullehrer bei Hotel & Gastro Formation in Weggis tätig. «Den Kontakt mit den angehenden Köchen habe ich bewusst beibehalten. Ich habe im ‹Palace› über hundert Lernende ausgebildet und für die Fussballer unter ihnen in Gstaad Turniere organisiert. Schliesslich habe ich selbst früher beim FC Villmergen gespielt.»