Begorra-Theater Wohlen
Er kam nur zum Theater, weil er mit dem Vereinspräsi in einer WG wohnte

Der 58-jährige Wohler Adi Meyer ist professioneller Regisseur und bringt jährlich bis vier Stücke auf die Bühne, so auch das neuste Werk des Begorra-Theater. Er ist ein Ur-Begorraner und durch das erste Begorra-Theater 1981 zum Schauspiel gekommen.

Andrea Weibel
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Regisseur Adi Meyer in seinem Element: Noch zwei Wochen hat er Zeit, um dem neuesten Begorra-Stück den letzten Schliff zu verpassen. Ruedi Zulauf

Regisseur Adi Meyer in seinem Element: Noch zwei Wochen hat er Zeit, um dem neuesten Begorra-Stück den letzten Schliff zu verpassen. Ruedi Zulauf

Ruedi Zulauf

Ihn sehen die Zuschauer nicht, dabei ist das ganze Stück geprägt von ihm. Ihn spüren sie nicht aus dem Stück heraus wie beispielsweise den Autor, doch würden die Zeilen des Skripts ohne ihn gar nie dreidimensionale Form annehmen.

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Bis zur Begorra-Premiere vom 15. Mai berichtet die Aargauer Zeitung in vier Teilen über das Wohler Theater.

Die Rede ist von Adi Meyer, dem Regisseur des neuesten Werks des Begorra-Theaters «Warten auf Guido». Er ist einer der Ur-Begorraner und tatsächlich durch das erste Begorra-Theater 1981 zu seiner heutigen Tätigkeit als Regisseur, Autor und Schauspieler gekommen. Doch «eigentlich war das alles Zufall», berichtet er heute.

Weder Pfadi noch Handball

Die Begorra-Gründer waren in den frühen 80ern eine Gruppe aus verrückten jungen Leuten voller Tatendrang. «Die Gruppe bestand aus Pfadfindern und Handballern», so Meyer. «Ich war keines von beidem.» Doch er wohnte mit dem damaligen Handballer und heutigen Begorra-Vereinspräsidenten Hans Melliger in der legendären WG an der Rigistrasse. «So bin ich da eben hineingerutscht», lacht er.

Zuvor hatte der heute 58-Jährige lediglich in einem Jungwacht-Schattentheater und einem kleinen Stück an der Kanti Aarau mitgewirkt, aber keine grosse Bindung zum Theater gehabt. Doch weil das Stück «Begorra, eine Stadt am Fuss der linden Berge» quasi im Wohnzimmer der Rigistrassen-WG entstand, spielte Meyer mit. «Damals war ich Primarlehrer, erst ein Jahr beim Circus Nock, danach zwei Jahre in Bremgarten. Doch ich wollte etwas verändern.»

Das passte perfekt, denn gleich nach dem ersten Begorra-Stück war er so begeistert, dass er sich an der Schauspielakademie bewarb. «Plan B wäre das Reisen gewesen, aber sie haben mich genommen.» Adi Meyer wäre wohl heute nicht dort, wo er jetzt ist, hätte Begorra nicht seinen Weg gekreuzt.

Kitzeln statt peitschen

Er ist anders, als man sich Regisseure mit ihren Allüren, ihren Launen und ihrem Drang zur Perfektion vorstellt. Ruhig und überlegt erklärt Meyer den Schauspielern, wie sie eine Szene noch besser machen könnten. «Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ich selber gar nichts zustande bringe, wenn mich ein Regisseur nur anfaucht», erklärt er seine Methode. «Vermutlich bin ich meist zu wenig streng, aber ich will das Potenzial der Schauspieler eher herauskitzeln als es herauszupeitschen.» So redet er die Schauspieler auf der Bühne mit ihrem Figurennamen an, denn «ich kritisiere nicht sie als Mensch, sondern die Figur, die sie verkörpern, das ist mir wichtig».

All diese Techniken hat Meyer im Laufe der Jahre in unzähligen erfolgreichen Produktionen perfektionieren können. Pro Jahr sind es meist drei bis vier Stücke, die er auf die Bühne bringt, etwa die Hälfte davon schreibt er selber. Neben Kinderstücken und kleineren Stücken mit Laien- oder Profi-Darstellern gehen auch grosse Stücke wie Chrüüz und Fahne auf sein Konto. Es sind vor allem Mundartstücke, die ihn faszinieren.

Nächstes Mal Schauspieler?

Mit Begorra hatte der gebürtige Wohler, der seit 16 Jahren mit seiner Familie in Gelterkinden lebt, sich aber noch immer als Freiämter fühlt, eigentlich bereits abgeschlossen. Dennoch musste er es sich nicht zweimal überlegen, als seine Begorra-Kollegen ihm eröffneten, dass sie ein Revival planten. «Erst war die Rede davon, nochmals eines der alten Stücke aufzuführen. Die Idee gefiel mir nicht allzu gut, denn seit damals hat sich viel verändert, die Stücke passen einfach nicht mehr.»

Doch beim neuen Stück «Warten auf Guido» aus der Feder von Jörg Meier war er sofort dabei. Allerdings ist dies für ihn wohl nicht ganz so aufregend wie für die meisten anderen Begorraner, denn «es ist eben mein Job». Meyer überlegt laut: «Bei einem nächsten Begorra-Stück würde ich wohl nicht mehr Regie führen, sondern allenfalls als Schauspieler mitmachen.»

Dennoch hat er Spass an der Arbeit mit seinen alten Freunden und freut sich sehr, dass auch deren Kinder mit dabei sind. Aber: «Nur weil wir älter sind, heisst das nicht, dass wir es jetzt besser können», sagt er schmunzelnd. Früher raubten ihm manche Produktionen kurz vor der Premiere den Schlaf, doch heute kann er gut mit dem Druck umgehen. «Dennoch spüre ich schon jetzt ein gewisses Kribbeln und freue mich sehr, das Stück dem Publikum zu übergeben. Es ist wie ein Kind, das man aufzieht, und das dann erwachsen wird und auf eigenen Beinen steht.»

Eigentlich wollte Adi Meyer schon diese Woche damit beginnen, sich einem weiteren Stück zu widmen. «Normalerweise kann ich gut zwischen zwei Stücken wechseln, die in unterschiedlichen Stadien sind. Doch Begorra nimmt mich in Beschlag, also lasse ich alles andere vorerst liegen.» Und zwar bis in zwei Wochen. Denn: «Am Tag nach der Premiere räume ich meist meinen Schreibtisch auf, ordne alles in mein Archiv ein und schaffe Platz für Neues. Ich warte nicht sehnlichst darauf, aber ich freue mich schon, dass wir das grosse Werk bald vollenden können.»

Mehr Infos und Vorverkauf unter www.begorra.ch