Anklage
Er filmte heimlich Kinder in den Umkleidekabinen und flog auf: Abwart von Jonen vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den ehemaligen Abwart erhoben. Das sagt der Gemeindeammann heute zum Fall.

Stefania Telesca
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In diesem Schulhaus arbeitete der Abwart jahrelang und filmte unbemerkt Kinder in der Umkleidekabine.

In diesem Schulhaus arbeitete der Abwart jahrelang und filmte unbemerkt Kinder in der Umkleidekabine.

Stefania Telesca

Die Nachricht schockierte das 2000-Seelen-Dorf Jonen zutiefst. Dem Leiter Haus- und Werkdienst der Gemeinde wurde Ende 2018 fristlos gekündigt. Dies, weil er kinderpornografisches Material konsumiert und verbreitet haben soll. Damals – das bestätigte Gemeindeammann Jürg Rüttimann – ging die Polizei auf die Gemeinde zu und informierte diese über die laufenden Untersuchungen.

«Wir waren vor den Kopf gestossen, wir wollten es zuerst gar nicht glauben. Er war ein tadelloser Mitarbeiter», sagte der Gemeindeammann damals. Der 54-jährige Abwart war 18 Jahre lang bei der Gemeinde angestellt. Er gestand seine Tat, beteuerte aber, auf dem Schulgelände keine Kameras installiert zu haben. Die Gemeinde liess die sensiblen Orte trotzdem überprüfen, fand aber nichts.

Rund zwei Monate später kam dann für das Dorf und die Eltern der Schulkinder ein weiterer Schock: Die Auswertung der beschlagnahmten elektronischen Datenträger zeigte, dass der Beschuldigte darauf etliche Filmaufnahmen gespeichert hatte, die er von Kindern in den Umkleidekabinen gemacht hatte. Die Aufnahmen sollen ausschliesslich bekleidete Kinder zeigen. Die Staatsanwaltschaft Muri-­Bremgarten informierte damals die ­Eltern in einem Brief.

Mehrfache Pornografie und Verletzung des Privatbereichs

Nun hat die Staatsanwaltschaft Muri-­Bremgarten gegen den ehemaligen Abwart Anklage erhoben. Das bestätigt Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aargau. «Die Anklage lautet auf mehrfache Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und mehrfache Pornografie», erläutert Strebel. Der Fall ist nun beim Bezirksgericht Bremgarten. Der Abwart wird sich für seine Taten in nächster Zeit vor Gericht verantworten müssen.

Der Abwart war im Dorf bekannt und beliebt. Er kümmerte sich um alle öffentlichen Liegenschaften, seine Haupttätigkeit fand aber in der Schule statt. Die Nachricht über die Entlassung und über den Grund für diese machte die Bewohner von Jonen damals fassungslos.

Er sei nie negativ aufgefallen, im Gegenteil, er sei immer sehr hilfsbereit gewesen, sagten diverse Mütter damals gegenüber der AZ: «Es war ein Riesenschock», so eine Mutter. Auch ihre Kinder, die im Teenageralter sind, kannten den Abwart. Dieser sei im Umgang mit den Schülern immer zurückhaltend und geduldig gewesen.

Auf Anfrage sagt Gemeindeammann Jürg Rüttimann heute, die Sache sei für das Dorf bereits vor rund eineinhalb Jahren erledigt gewesen: «Trotzdem sind wir natürlich gespannt, wie das Gericht entscheiden wird.»