Mit einem Lieferwagen fuhr Nico (Name geändert) im April vor einem Jahr auf der Quartierstrasse von seinem Haus etwa 70 Meter um die Ecke zum Nachbarn, der die Reifen am Fahrzeug wechseln sollte. Die Polizei führte dort an jenem Tag eine Verkehrskontrolle durch, und der Mann ohne Fahrausweis ging ihnen ins Netz.

Der 30-jährige Verkehrssünder landete schliesslich vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Präsident Peter Turnherr verurteilte den Wiederholungstäter zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten hatte eine Strafe von 10 Monaten gefordert.

Langes Vorstrafenregister

Nach mehrfachem Entzug des Führerausweises hätte der Angeklagte ganz klar nicht mehr mit einem Auto fahren dürfen, sagte der Gerichtspräsident. «Er hat eindeutig gegen dieses Verdikt verstossen. Was bei ihm schwer wiegt, ist die Tatsache, dass er kein Ersttäter ist. Somit hat er den Bogen eindeutig überspannt. Aufgrund des langen Vorstrafenregisters gibt es diesmal auch keine bedingte Freiheitsstrafe mehr.» Das heisst, Nico muss eine halbjährige Gefängnisstrafe verbüssen.

Peter Turnherr wandte sich an den Beschuldigten: «Ihnen kann keine gute Prognose gestellt werden.» Die letzte Chance, die dem Angeklagten noch hätte gewährt werden können, habe er vertan, indem er sich trotz aberkanntem Führerausweis erneut ans Steuer eines Motorfahrzeugs gesetzt hat.

Genau dies tat Nico in der irrigen Annahme, dass er den Lieferwagen die paar Meter in seinem Quartier bis zum Nachbarn verschieben dürfe, da es sich um eine Privatstrasse handelt. Das Gericht erkannte, dass sich die Strasse zwar in Privatbesitz befindet, aber dass sie öffentlich zugänglich und mit keinem Verbot belegt ist. «Also gilt dort das Strassenverkehrsgesetz, und jemand ohne Führerausweis darf auch auf dieser Privatstrasse nicht fahren», so der Gerichtspräsident.

Führerausweis für immer weg

Im Herbst 2015 wurde Nico der Führerausweis für immer entzogen, nachdem er sich in den Jahren zuvor einige massive Verkehrsdelikte hatte zuschulden kommen lassen: Im August 2011 und Februar 2012 grobe Verkehrsregelverstösse, im Mai 2012 führen eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führerausweises, im Oktober 2012 Übertretung von Vorschriften im Bereich der Schwerverkehrsabgabe und im April 2013 fahren in angetrunkenem Zustand.

Obwohl ohne «Billett», wurde Nico im November 2016 erneut am Steuer eines Autos erwischt. Dabei hätte ihm doch bewusst sein sollen, dass er nur noch auf der Putschautobahn fahren dürfte, stellte der Gerichtspräsident fest.

Er fragte den Angeklagten, weshalb er anderthalb Jahre nach dem endgültigen Führerausweisentzug noch zwei Autos geleast habe. «Die Fahrzeuge werden als Geschäftsautos verwendet und von Mitarbeitern gefahren», erklärte Nico, der einen Kleinbetrieb mit ein paar Temporär-Beschäftigten führt.

«Wenn ich ins Gefängnis müsste, wäre das für mich eine Katastrophe», führte der Angeklagte aus. Doch diesmal gab es keine mildernden Umstände mehr – Nico wurde zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt.