Das ist ziemlich selten: André Stierli arbeitet seit 40 Jahren im gleichen Betrieb in Muri und würde es wieder so machen. Der einstige Lehrling ist heute selber Lehrlingsverantwortlicher. «Es waren nicht zuletzt die steten Weiterbildungsmöglichkeiten und die familiäre Unternehmensführung, die mich gerne bei der Grolimund AG bleiben liessen», sagt der eidgenössisch diplomierte Sanitärinstallateur und diplomierte Energieberater.

Grund für die Lehre als Sanitärinstallateur waren Bauarbeiten auf dem elterlichen Bauernhof. «Mir hat imponiert, was die Sanitärinstallateure machten.» Nach dem Schnuppern bei der Grolimund AG waren für ihn die Berufswahl klar und die Lehrstelle gewiss. Mit 28 Jahren wurde er Sachbearbeiter, 1993 legte er nach vier Jahren berufsbegleitender Ausbildung erfolgreich die Meisterprüfung als Sanitärinstallateur ab und 2012 rundete er sein Wissen mit dem Fachausweis als Energieberater ab. Gegen 50 Zertifikate, die seine stete Weiterbildung bestätigen, hat André Stierli zudem in einem Ordner abgelegt. «Ich konnte mich stetig weiterentwickeln, und so gab es keinen Grund, das Unternehmen zu wechseln.»

Zeit für Politik

Ein einziges Mal ist er allerdings doch fast abgesprungen. Mit 40 Jahren stand Stierli, dem es nach neuen Herausforderungen gelüstete, vor dem Wechsel in eine andere Firma. Gleichzeitig fragte ihn die CVP, ob er nicht für den Gemeinderat kandidieren wolle. Urs Strebel, Geschäftsführer der Grolimund AG, bot auch für dieses Engagement den nötigen zeitlichen Rahmen und den Rückhalt – und verhinderte damit sogar, dass sein Arbeitnehmer wechselte, weil er mit dem politischen Amt die gewünschte Herausforderung bekam. «Es war gut so», blickt Stierli zurück, der zwölf Jahre im Gemeinderat Muri politisierte. «Der damals potenzielle neue Arbeitgeber machte nämlich zwei Jahre später dicht.»

Werteverschiebung

Seit der Meisterprüfung ist Stierli Experte bei den Lehrabschlussprüfungen. Diese nimmt er jeweils in Lenzburg beim Verband Suissetec Aargau ab. In seinem Betrieb, wo er inzwischen Geschäftsleiter-Stellvertreter ist, begleitet er als Lehrlingsverantwortlicher 12 junge Leute mit Freude in ihrer Ausbildung. Und stellt deutliche Unterschiede zu seiner eigenen Ausbildungszeit fest: «Der schulische Stoff ist nicht viel anders», sagt er zwar, «aber die Lernbereitschaft und der Ehrgeiz in der Berufsausbildung sind geringer geworden. Zuerst kommen oft die Freizeit und der Sport, und erst dann die Lehre.» Das kann problematisch sein, weil die Berufe Heizungs- und Sanitärinstallateur anspruchsvoll sind. «Die Tätigkeit ist im Vergleich zu früher komplexer geworden, die Vielfalt an Systemen und technischen Möglichkeiten stark angewachsen.» Das wiederum macht es aber auch aus, weshalb Stierli nach wie vor gerne täglich zur Arbeit geht.

Geändert in den 40 Jahren hat sich auch die Konkurrenz- und Arbeitssituation. «Wir leben heute mit einem erheblichen Preisdruck, und auf dem Bau herrscht im Vergleich zu früher eine grosse Hektik.» Er ist froh, dass die Grolimund AG nur etwa zu 50 Prozent mit Neubauten beschäftigt ist, die anderen 50 Prozent setzen sich aus Bad- und Heizungssanierungen zusammen. «Das ermöglicht uns, auch einmal nein sagen zu können. Es kann ja nicht sein, dass man zwar einen Auftrag erhält, aber nichts daran verdient.» Noch acht Jahre geht es, bis Stierli in Pension tritt. Er wird auch diese, gute Gesundheit vorausgesetzt, in seinem ursprünglichen Lehrbetrieb mit unverändert viel Freude an der Arbeit bewältigen. «In unserer Firma wird der Einsatz eben seit je nicht nur anständig bezahlt, sondern auch wertgeschätzt.»