Wem das gute Leben ein paar Polster um den Leib gelegt hat, der leistet sich in Dr. Schmalkopfs Diätklinik eine nicht ganz billige Entschlackungskur und Schmalhans als Küchenmeister. Welch ungeahnte Adrenalinschübe man an einem solch harmlosen Ort erleben kann, erfährt der Immobilienmakler Amadeus Fischer (Rolf Mösch) am eigenen Leib.

Nerven liegen blank, Pfunde und Tränen purzeln, letztere über die Backen der Zuschauer, denen kaum Lachpausen vergönnt sind. Stanley Prices Theaterstück in fünf Bildern und einem Zwischenspiel nimmt mit bitterbösem, rabenschwarzen Humor Überfluss und Diätfimmel der modernen westlichen Gesellschaft gehörig aufs Korn.

Übermütige Spielfreude

Gerade das rasante Tempo ist es, das Regisseur Beni Kreuzer an britischen Theaterstücken so schätzt. «Es muss etwas laufen auf der Bühne, das Publikum will unterhalten sein», erklärt er. Es ist dies seine vierte Produktion mit der Theatergruppe Oberrüti. Beni Kreuzer ist sehr zufrieden mit seinem Ensemble: «Es ist fantastisch, mit einem solchen Team zu arbeiten.»

Die Motivation und übermütige Spielfreude ist von der ersten Szene an spürbar, ebenso wie die starke Führung des Regisseurs. Geschickt verknüpft er Text und Gestik, lässt jeder Figur ihren eigenen Entfaltungsspielraum und verwebt die einzelnen Szenen zu einem runden, fein geschliffenen Ganzen, süffig, bissig und oft zum Brüllen komisch.

Kampf an allen Fronten

Herausragend ist einmal mehr Rolf Mösch in der Hauptrolle des Immobilienmaklers Amadeus Fischer, der sich in jede nur erdenkliche Bedrouille hineinmanövriert und atemlos an allen Fronten kämpft. Mit beeindruckendem komödiantischem Talent verwandelt sich der routinierte Laienschauspieler in Windeseile vom naiven Unschuldslamm zur empörten Furie, vom wehleidigen Patienten zum feurigen Liebhaber, vom ängstlichen Gefangenen zum durchtriebenen Geschäftsmann. Sein Partner, Gegner und Schicksalsgenosse Carlo Mattmann in der Rolle des Gangsters Kutte Kaminski – hier ein grosses Lob für die fantastische Maske – steht Rolf Mösch in nichts nach.

Auch Margrith Rüegsegger überzeugt in der Rolle der fürsorglichen und oft herrlich verdutzten Pflegekraft Lucy Simson. Eine exquisite, urkomische Szene stellt das sogenannte Zwischenspiel im Klinikflur dar, als der hungrige Amadeus der schwärmerischen Diätköchin Karin (Vreni Kreuzer) Stück für Stück das Gemüse vom Transportwägelchen stielt.

Weitere Aufführungsdaten und Reservation unter www.tgob.ch