Dottikon
Engagierter Streit über ein Schulabkommen

Die Gemeindeversammlung stimmt mit nur neun Stimmen Unterschied der Kooperation mit Hägglingen zu

Jörg Baumann
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Glücklich über den Schulvertrag mit Hägglingen: Gemeindeammann Roland Polentarutti, Schulpflegepräsidentin Alice Carlino und Gemeinderat Franz Lötscher (von links).JÖRG BAUMANN

Glücklich über den Schulvertrag mit Hägglingen: Gemeindeammann Roland Polentarutti, Schulpflegepräsidentin Alice Carlino und Gemeinderat Franz Lötscher (von links).JÖRG BAUMANN

Jörg Baumann

Die Schüler der fünften und sechsten Primarschulklassen in Dottikon sollen in Zukunft in einem Kompetenzzentrum für den Übertritt in die Oberstufe in Hägglingen unterrichtet werden. Das sieht ein Vertrag vor, den die Dottiker Stimmbürger an der Gemeindeversammlung mit 73 gegen 64 Stimmen genehmigten. Im Gegenzug werden die vier Oberstufenklassen der Real- und Sekundarschule von Hägglingen nach Dottikon ins Schulzentrum Risi verlegt.

Das Schulabkommen war unter den Eltern umstritten. «Sie können heute Geschichte schreiben. Wir bauen an einer neuen Schule.» Mit diesem flammenden Aufruf forderte Gemeinderat und Schulvorsteher Franz Lötscher die noch von Zweifeln geplagten Stimmbürger auf, dem Schulabkommen zuzustimmen. Finanziell sei der Vertrag für Dottikon vorteilhaft. Für pauschal 50 000 Franken könne Dottikon die Fünft- und Sechstklässler in den nächsten fünf Jahren nach Hägglingen schicken, sagte Lötscher.

Besorgte Eltern meldeten Bedenken an, ob der Schulweg nach Hägglingen für die Schüler sicher sei. «Ich habe den Schulweg zusammen mit Experten vom Kanton abgeschritten», erklärte Lötscher. Der Augenschein habe ein Resultat erbracht: «Ein Radstreifen von der Druckerei Hochstrasser in Dottikon bis zur Schulanlage in Hägglingen scheint den Fachleuten vom Kanton möglich.» Wenn dafür Bedarf und die gesetzlichen Grundlagen vorhanden seien, würden in Hägglingen ein Mittagstisch und die Betreuung an Randstunden eingerichtet, sicherte Lötscher zu. Es sei zwar möglich, dass die Schüler auch mit dem Postauto nach Hägglingen fahren könnten. «Aber ich gebe zu, dass der Fahrplan heute für die Schüler nicht optimal ist und noch verbessert werden müsste. Wir sind mit dem Postautobetrieb im Gespräch.»

Als Wortführerin für viele Eltern, die den Schulweg nach Hägglingen nicht für sicher halten, meldete Renate Schadegg ihre Zweifel an: «Die Schüler können nicht einschätzen, wie gross die Gefahr im Strassenverkehr für sie ist.» Sie sei als Rettungssanitäterin tätig und würde den Anblick eines verunfallten Kindes keinem zumuten. «Wir nehmen die Sorgen der Eltern ernst», erklärte Gemeindeammann Roland Polentarutti. «Aber wir sprechen nicht von kleinen Kindern, sondern von Fünft- und Sechstklässlern. Diese sollten sich im Verkehr bereits besser auskennen.» Die als gefährlich kritisierte Sternenkreuzung sei mit einer Lichtsignalanlage gesichert. «Und trotzdem rennen einige Schüler immer wieder bei Rot über die Kreuzung», entgegnete eine Stimmbürgerin.

Eine Mutter warnte davor, dass die Schüler «entwurzelt» würden, wenn sie von Dottikon nach Hägglingen verlegt würden. Denn in Hägglingen müssten sie sich in neuen Klassen mit anderen Kameradinnen und Kameraden anfreunden. «Was kostet es, unsere Schüler weiter in Dottikon zu unterrichten», fragte die Stimmbürgerin. Polentarutti: Hägglingen sei doch nicht «ab der Welt». Der Gemeinderat habe keinen «Plan B», wenn der Schulvertrag abgelehnt werde. Bezirkslehrer Markus Moos wies darauf hin, dass es für die Schüler normal sei, ihren Schulweg von klein auf kennenzulernen. «Man klagt immer, dass die Schüler unter Bewegungsmangel leiden. Auf dem Schulweg können sie sich sportlich betätigen.»

Ein anderer Stimmbürger kritisierte, dass die Behörden beim Schulvertrag keinen pädagogischen, sondern einen politischen Entscheid gefällt hätten. Damit werde die vorgelegte Lösung nicht besser. Schulpflegepräsidentin Alice Carlino empfahl, dem Vertrag zuzustimmen. Es sei sinnvoll, dass die beiden Gemeinden im Schulbereich zusammenarbeiten. Die ehemalige Gemeinderätin Magdalena Hohl bezeichnete das Abkommen als optimale Lösung. Bruno Gisi warf den Behörden vor, den Lastwagenverkehr in Dottikon herunterzuspielen. «Durch Dottikon fahren nicht mehr Lastwagen als in anderen vergleichbaren Gemeinden im Kanton Aargau, nämlich fünf Prozent vom gesamten Verkehrsaufkommen», meinte Lötscher. «Die Zahlen werden nicht heruntergespielt», erklärte Polentarutti.

Nach der Diskussion verlangte ein Stimmbürger, dass über die Vorlage geheim abgestimmt werde. Der Antrag wurde abgelehnt und das Schulabkommen mit 73 gegen 64 Stimmen gutgeheissen. Die Gemeindeversammlung stimmte der Verwaltungsrechung 2012, vier Kreditabrechnungen, dem Reglement über den Ausgleich von Planungsmehrwerten bei Einzonungen von Bauland und vier Einbürgerungsgesuchen zu.