Auw

Emmentaler wirft Milchgold raus – Die Käserei darf keinen Emmentaler AOP mehr produzieren

Die Strafmassnahme des Verbandes ist gefallen: Nun darf die Milchgold AG kein Emmentaler mehr produzieren.

Die Strafmassnahme des Verbandes ist gefallen: Nun darf die Milchgold AG kein Emmentaler mehr produzieren.

Die Delegierten von Emmentaler Switzerland haben genug. An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung am Dienstag haben sie die Käserei Milchgold Käse AG mit Sitz in Auw aus dem Verein ausgeschlossen.

«Das ist in der 20-jährigen Geschichte von Emmentaler Switzerland noch nie passiert», sagt Vize-Direktor Alfred Rufer. Die Sortenorganisation wurde aber auch noch nie über eine so lange Zeit von einer Käserei in die Irre geführt.

Jahrelang hat sich Milchgold bei der Herstellung von zertifiziertem Emmentaler nicht an die Vorschriften gehalten. Der Käser hat Milch zu Emmentaler verarbeitet, die älter als 24 Stunden war. Das entspricht einer groben Verletzung des Pflichtenheftes. Als der Verstoss bei einer unangemeldeten Kontrolle im Februar 2018 auffiel, wurde der im Dezember produzierte Emmentaler zu Schmelzkäse deklassiert. Insgesamt mehr als 30 Tonnen (die AZ berichtete).

Er hielt sich nie an die Regeln

Bisher ging die Sortenorganisation davon aus, dass sich Milchgold seit Anfang 2016 nicht ans Pflichtenheft Emmentaler gehalten hatte. Der Käser habe dies zugegeben, sagte Emmentaler-Präsident Daniel Alain Meyer letzten November in einem Interview mit der AZ. Das Geständnis des Käsers ist inzwischen überholt.

Die Aargauer Staatsanwaltschaft habe im Laufe ihrer Ermittlungen im Strafverfahren wegen Verdachts auf Betrug herausgefunden, dass der Käser bereits seit dem 1. Januar 2012 regelmässig gegen das Pflichtenheft verstossen hatte, sagt Rufer.

Für die Sortenorganisation brachte diese Erkenntnis das Fass zum Überlaufen. «Der Vorstand hat deshalb den Ausschluss der Käserei aus dem Verein beschlossen», sagt Rufer. Dagegen wehrte sich der Käser. Deshalb kam es überhaupt zur ausserordentlichen Delegiertenversammlung.

Doch die Delegierten stützen den Beschluss des Vorstands. Milchgold darf deshalb keinen Emmentaler AOP mehr herstellen. Innerhalb der Sortenorganisation sei Milchgold eine grosse Käserei, sagt Rufer. Die Käserei stellt aber nicht nur Emmentaler her. Laut Website werden pro Jahr 4000 Tonnen Käse produziert.

Drei hängige Verfahren

Der Milchgold-Geschäftsführer war für die AZ nicht erreichbar. Er sei diese Woche nicht im Betrieb, hiess es.

Auch von der Freiämter Käserei AG, welche die Käserei an Milchgold verpachtet, wollte sich niemand äussern. Eine Mitarbeiterin hält fest: «Die Freiämter Käserei ist lediglich der Verpächter. Die haben mit den Machenschaften des Käsers überhaupt nichts zu tun.»

Milchgold kann den Ausschluss aus der Sortenorganisation noch zivilgerichtlich anfechten. Das wäre dann das dritte zivilrechtliche Verfahren gegen die Käserei. Noch hängig sind zwei Verfahren, in denen sich der Käser gegen die Sanktionen der Sortenorganisation wehrt. Diese verlangt von Milchgold, dass sie den finanziellen Vorteil zurückbezahlt, den sie erzielt hatte, indem Käse als Emmentaler AOP verkauft wurde, obwohl er nicht den Anforderungen im Pflichtenheft entsprach. «Bei diesen Forderungen handelt es sich um einen Millionenbetrag», sagt Rufer. Ausserdem läuft ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Betrug gegen den Käser. Mehrere Bauern haben Strafanzeige eingereicht.

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