Der heute 34-jährige A. S. hat am frühen Abend des 8. Juli 2015 mit einem Messer seine Eltern in deren Haus am Schulweg 1 in Sarmenstorf umgebracht. Die Mutter war damals 60 Jahre alt, der Vater 64. Dem Tötungsdelikt vorausgegangen war ein heftiger Streit, wie der am Dienstag von der Staatsanwaltschaft veröffentlichten Anklageschrift zu entnehmen ist.
Nun muss sich der junge Mann vor dem Bezirksgericht Bremgarten für seine Tat, die er nach seiner Verhaftung am nächsten Morgen umgehend zugegeben hat, verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragt Freispruch vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung. A.S. sei laut einem psychiatrischen Gutachten schuldunfähig, hatte sie bereits in einer Medienmitteilung im Dezember 2016 erklärt. Laut einem psychiatrischem Gutachten leide der Mann unter paranoider Schizophrenie und habe sich zum Zeitpunkt der Tat in einem akut psychotisch-wahnhaften Zustand befunden.

Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, erläutert die Schuldunfähigkeit.

Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, erläutert die Schuldunfähigkeit.

2. Dezember 2016

Seit Ende 2015 im Strafvollzug

A. S. befindet sich seit Dezember 2015 im vorzeitigen Straf- und Massnahmenvollzug. Weil eine schuldunfähige Person für die ihr vorgeworfenen Taten strafrechtlich nicht belangt werden kann, hat die Staatsanwaltschaft anstelle einer Strafe die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme beantragt – das bedeutet Einlieferung in die Psychiatrie. Über diesen Antrag muss das Bezirksgericht Bremgarten am 2. März entscheiden.

Aus der Anklageschrift wird jetzt auch das Geschehen vom 8. Juli ersichtlich. A. S. hat laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft damals seine Eltern in deren Einfamilienhaus aufgesucht, weil er sich mit ihnen aussprechen wollte. Der Sohn fühlte sich von Mutter und Vater einerseits nicht korrekt behandelt. Anderseits äusserte er die Vermutung, dass ihn seine Mutter habe umbringen wollen, indem sie ihm Würmer unter das Essen mischte. Zum Zeitpunkt der Tat lebte A. S. mit seiner Frau zusammen in einer eigenen Wohnung in einer anderen Freiämter Gemeinde. Einige Monate zuvor hatte er jedoch vorübergehend wieder bei seinen Eltern in Sarmenstorf gewohnt.

Laut Anklageschrift ist die geplante Aussprache mit den Eltern rasch eskaliert. Nachdem der Sohn seine Mutter an der Schulter gepackt und durchgeschüttelt habe, sei der Vater mit einem Stuhl auf ihn losgegangen. A. S. habe danach zu seinem Klappmesser gegriffen, welches er in der Hosentasche mit sich führte und damit auf seine Eltern eingestochen, insgesamt mehrere dutzend Mal. An den Stich- und Schnittverletzungen sind diese dann unmittelbar verstorben.

Ehepaar in Sarmenstorf AG getötet: Ermittlungsarbeiten am Tatort am Mittwochabend.

Ehepaar in Sarmenstorf AG getötet: Ermittlungsarbeiten am Tatort am Mittwochabend.

9. Juli 2015

Ehefrau nicht an Tat beteiligt

A.S. ist nach dem schrecklichen Geschehen geflüchtet. Offenbar fuhr er auf Umwegen vorerst an den Hallwilersee, an einen Platz, an dem er sich schon in seiner Jugendzeit oft und gerne aufgehalten hat. Von der Polizei gestellt worden ist er am anderen Morgen in der Wohnung von Verwandten in einer Nachbargemeinde von Sarmenstorf, wo er zusammen mit seiner Frau übernachtet hatte. Vorerst wurde auch die Frau von A.S. inhaftiert, nach wenigen Tagen aber wieder freigelassen. Sie hatte mit der Tat weder direkt noch indirekt etwas zu tun.

Die Beziehung zwischen den Eltern und ihrem Sohn, vor allem jene zwischen Vater und Sohn, war schon Jahre vor der schrecklichen Eskalation angespannt. Der Vater galt als Alkoholiker und Choleriker. A. S. soll Freunden immer wieder von körperlichen Misshandlungen berichtet haben. Laut Informationen der az hat das Verhalten des Vaters auch mehrmals die zuständigen Sarmenstorfer Behörden und die Polizei beschäftigt.

In den Monaten vor der Tat hat sich die Situation dann offenbar zugespitzt. A. S., erzählen Freunde, habe psychisch zunehmend angeschlagener gewirkt und immer neue, zum Teil abstruse Geschichten aus seiner Jugend erzählt. Seine Eltern hätten ihm Dreck und andere Substanzen ins Essen gemischt. Er sei davon überzeugt gewesen, sie hätten ihn vergiften wollen.