Boswil

Electronic Darts-Nationalmannschaft zu Besuch: Sie treffen (fast) immer

Alex Fehlmann, amtierender Schweizer Meister beim Show-Darts. RUBU

Alex Fehlmann, amtierender Schweizer Meister beim Show-Darts. RUBU

In der Chillout-Bar wurde am Sonntag die Schweizer-Nationalmannschaft im Electronic Darts vorgestellt.

Christian Schumacher, der Nationaltrainer des Schweizer Electronic Darts Team, hatte in «seinem» Boswil am Sonntag eine schöne Aufgabe: Mit freundlichen Worten bedankte er sich im «Chillout» bei den Sponsoren und hob deren Stellenwert für den Schweizer Darts-Sport besonders hervor. Ziemlich normal, wenn sich ein Nationaltrainer bei Sponsoren bedankt, könnte man denken.

In diesem Fall aber speziell: Es war lange Zeit undenkbar, dass Electronic-DartsSpieler in der Schweiz finanziell unterstützt würden. Das sei bestenfalls ein Beizenspiel und als Sport nicht ernst, hiess es etwa. Bei ihrer Demonstration in Boswil bewiesen die sechs Nationalspielerinnen und sieben Nationalspieler das Gegenteil. Bierbäuche oder gar Betrunkene sah man nicht, dafür aber konzentrierte und treffsichere Sportlerinnen und Sportler.

In Boswil wurden, einen Monat vor der Europameisterschaft vom 10. bis 16. Juni im italienische Caorle, die Schweizer Vertreterinnen und Vertreter vorgestellt. Moderator Andreas del Popolo präsentierte das Team im neuen Nati-Outfit. Das rote Polo-Shirt mit dem weissen Jäckchen kam beim Publikum sehr gut an.

Mehr Ausdauer, als man denkt

Im Vergleich zum Beizenspiel Darts herrschte beim Show-Duell der Männer und Frauen ein sehr hohes Tempo. Das, obwohl alle Mitglieder nur «Hobby-Darter» sind. Jeder und jede arbeitet Vollzeit, trainiert wird ein- bis zweimal pro Woche.

Trotz der an den Tag gelegten Professionalität herrschte am Sonntag eine familiäre Atmosphäre. Das Publikum bestand hauptsächlich aus jungen Familien. «Danke, dass ihr auch gleich den Darts-Nachwuchs mitgenommen habt», begrüsste der Moderator die jüngsten Zuschauer.

Der perfekte 9-Darter von Dart-Weltmeister Adrian Lewis

Der perfekte 9-Darter von Dart-Weltmeister Adrian Lewis

Allgemein schien es, als würde jeder jeden kennen, auch wenn zwei der Männer im Nationalteam aus dem Wallis angereist sind. Aber auch das Freiamt stellt Leute im Nationalkader. Shareta Dätwyler ist eine von ihnen. Sie fing als Jugendliche im «Bahnhöfli» in Boswil an zu spielen. Heute trainiert sie zweimal pro Woche. Am wichtigsten seien Ausdauer, Kraft und Konzentration. «Viele denken, dass Darts nicht anstrengend ist, das täuscht aber. Die Bewegungsabläufe müssen immer gleich sein. Dazu kommt, dass in den Hallen, in denen wir spielen, die Luft oft sehr stickig ist. Ausdauer und Kraft sind deswegen keine schlechten Voraussetzungen für einen Profi-Spieler», erklärte Dätwyler.

Im Publikum befanden sich auch verschiedene Sponsoren. Nach dem Show-Darts wurden sie zusammen mit den Zuschauern dazu aufgefordert, ein paar Pfeile zu werfen. An die Schnelligkeit und die Präzision der Nationalspieler kamen nur die wenigsten unter den Gästen heran, Spass hatten aber alle.

Bald sollen Pokale das Ziel sein

Mit dem Anlass war Schumacher mehr als zufrieden: «Es war ein guter Start. Ich hatte keine Ahnung, dass so viele Leute kommen würden.» Das motiviert auch für die bevorstehende Europameisterschaft. Unrealistische Ziele will sich Trainer Schumacher jedoch nicht setzen: «Pokale sind dieses Jahr wohl eher unwahrscheinlich. Es sollte aber möglich sein, bald auf einem Niveau zu spielen, wo Pokale unser Ziel sind», erklärte Schumacher. Ein zentraler Punkt sei dabei das Mental-Coaching.

Für ein regelmässiges Training fehle jedoch noch das nötige Geld. An Karina Känzig, der Star-Spielerin im Schweizer Nationalkader, sehe man die Wichtigkeit eines solchen Trainings. Die russische Landsfrau spielte bereits für ihr Heimatland, wo sie regelmässiges Mentalcoaching genoss. Im Show-Darts war sie mit Abstand die Beste. Das entging auch dem Trainer nicht: «Neben Karina scheiterten alle am Publikum. Sie wollten den Leuten etwas bieten und waren deswegen unruhiger als sonst. Karina kann das ausblenden und deswegen auch vor Publikum Bestleistungen abrufen.»

Das stört die Zuschauer jedoch herzlich wenig. Sie scheinen grösstenteils zufrieden mit der Truppe, die ihr Land an der EM vertreten soll. Den Nachmittag liessen die Darts-Begeisterten bei lockeren Darts-Spielen und ein paar Bierchen oder einem Sirup ausklingen. Bleibt nur, am 10. Juni fleissig die Daumen zu drücken.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1