Wohlen
Einwohnerräte drücken die Schulbank

Die Schullandschaft ist im Umbruch – Einwohnerräte durften gestern einen Blick ins Provisorium werfen.

Dominic Kobelt
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In der Lernlandschaft wird konzentriert gearbeitet.

In der Lernlandschaft wird konzentriert gearbeitet.

Dominic Kobelt

Es war einst ein reines Gewerbehaus, seit 2011 gehen auch Schüler am Oberdorfweg 9 ein und aus. Das Provisorium steht aber nur bis 2018 zur Verfügung, dann wird das Gebäude abgerissen und auf dem Privatgrundstück wird eine Wohnüberbauung realisiert.

Gestern lud die Schulleitung die Einwohnerräte ein, einen Blick in die Schulzimmer zu werfen. Einerseits besuchen momentan 70 Primarschülerinnen und -schüler den Unterricht, aber auch die Bezirkschule hat sich hier eingerichtet.

Lernlandschaft: Die Grundidee hinter dem Konzept

Im Zentrum des Projekts Lernlandschaft steht die Erkenntnis, dass Schülerinnen und Schüler unterschiedlichste Bedürfnisse haben, wenn es um Bildung geht. Der Lernerfolg ist am grössten, wenn sie individuell angepassten Unterricht erhalten. Mit dem Projekt Lernlandschaft will die Bezirksschule Wohlen diesen Bedürfnissen Rechnung tragen. Zur Vertiefung der in den Inputlektionen vermittelten Grundlagen arbeiten die Schüler eigenständig an Aufgaben. Dies wird in den Fächern Deutsch, Französisch, Englisch, Mathematik, Geografie und Geschichte gemacht. Schüler, die schneller mit den Aufgaben fertig sind, können so mit Zusatzaufgaben versorgt werden, die Arbeiten daheim sollen minimiert werden.

Gemeinde- und Einwohnerräte liessen sich von den Bezschülern gleich selber zeigen, wie das Konzept «Lernlandschaft» funktioniert, das seit diesem Schuljahr versuchsweise eingeführt wurde: «Psst, hier darf man nur flüstern», weisen sie die Besucher an. Der Raum erinnert an ein Grossraumbüro. 50 Arbeitsplätze sind hier eingerichtet, die Schüler arbeiten selbstständig an Aufträgen. Wenn sie fertig sind, konsultieren sie das Lösungsbuch.

Ist es da nicht reizvoll, einfach abzuschreiben? «Dann bringt es ja nichts», so die spontane und ehrliche Antwort. Das kauft man den Schülern sogar ab: Konzentriert sitzen sie an ihren Pulten, wer nicht gestört werden will, signalisiert das durch eine rote Karte. Die grosse Pause machen alle Klassen gemeinsam, die kleinen Pausen machen sie individuell, müssen sich aber bei den Aufsichtspersonen abmelden.

Ruhige Lernumgebung

Die Klassen haben sogenannte Input-Lektionen, bevor sie selbstständig an einem Thema arbeiten. Darin werden ihnen die Grundlagen und die Lernziele erklärt. Nebst den obligatorischen Lektionen in der Lernlandschaft, können die Schüler das Zimmer auch nutzen, um ihre Hausaufgaben zu lösen. Auch in den freiwilligen Lektionen sind Lehrpersonen anwesend, so gibt es auch hier die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Bei all dem selbstständigen und konzentrierten Arbeiten stellte sich bei manchen Einwohnerräten auch die Frage, ob denn die Kinder hier überhaupt noch Kinder sein können.

«Ja», sagt Schulleiter Paul Bitschnau, «der Vorteil ist, dass die Schüler in ihrem individuellen Tempo vorwärtsmachen können.» Manchen Schülern würde es mehr bringen, bereits nach 20 Minuten eine Pause einzulegen und dann konzentriert weiter zu arbeiten. In den Pausen können die Kinder ihre Energie am Töggelikasten aufbauen, und daneben gibt es ja auch noch den «normalen» Frontalunterricht.

Die Schulleitung stellte auch klar, dass die Lernlandschaft nicht dazu gedacht ist, auf die Primarschule ausgedehnt zu werden. «An der Primarschule kann man auch auf andere Art Verantwortung übertragen – zum Beispiel mit dem Pausenkiosk, der abwechslungsweise von der 5. und 6. Primar und der Bezirksschule geführt wird», erklärte Markus Walter, Schulleiter der Primarschule Halde.

Flexible Innenraumgestaltung

Insgesamt erlebten die Einwohnerräte eine moderne Schule. Nächstes Jahr, wenn zusätzlich um die 50 Primarschüler hinzukommen, muss man nochmals näher zusammenrücken. Für die Schulraumplanung wurde eins klar, wie Gemeinderat Urs Kuhn zusammenfasste: «Die Innenraumgestaltung muss flexibel sein, sie muss Raum für verschiedene Lösungen offen lassen.»