Wohlen
Einwohnerrat schafft die Integrative Schule nicht ab

Die Integrative Schule bleibt den Schülern erhalten. Der Einwohnerrat hat die dringliche Motion der SVP mit 22 zu 9 Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt.

Andrea Weibel
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Die integrative Schule bleibt den Wohler Schülern erhalten. aw

Die integrative Schule bleibt den Wohler Schülern erhalten. aw

«He, es geht hier um Kinder!», versuchte Einwohnerrat Tomi Schmid (Grünliberale-Freis Wohle) seine Amtskollegen an der gestrigen Sitzung aufzurütteln. Er sprach diesmal nicht nur als Politiker, sondern vor allem als Lehrer, der die Integrative Schule an vorderster Front miterlebt. Kein Wunder also wurde sein Votum von beinahe allen Parteien immer wieder in ihre Richtung gedreht, als die dringliche Motion der SVP Wohlen-Anglikon um die Abschaffung der Integrativen Schule im Einwohnerrat diskutiert wurde.

Evaluieren und informieren

Er gab nämlich ehrlich zu, der ganzen Sache skeptisch gegenüber zu stehen. Dennoch müsse man der Schule Zeit geben, sich an die Umstellungen zu gewöhnen. «Die Schulpflege muss die Probleme ernst nehmen, sie in etwa zwei, drei Jahren evaluieren und dann transparent informieren», fand er. Man müsse den Neuerungen etwas Zeit geben. «Eine Abschaffung auf das nächste Schuljahr hin ist terminlich überhaupt nicht machbar.» Damit fand er viel Anklang im Rat.

Ein weiteres zeitliches Problem deckte Gemeinderat Paul Huwiler auf: «Eine solche Umstellung hätte personelle Konsequenzen. Die Kündigungsfrist für die Lehrpersonen ist jedoch schon am 30. April abgelaufen.» Damit wäre die Motion rein organisatorisch gar nicht umsetzbar.

«Motion ist unzulässig»

Die Zeitfrage war jedoch im Grunde das kleinere Problem, dem sich die SVP gegenübergestellt sah. Denn die Motion sei unzulässig, erklärte Einwohnerratspräsident Arsène Perroud (SP). «Die Schulpflege ist ein vom Volk gewähltes Organ mit eigenständigen Verwaltungsbefugnissen. Sie ist dem Gemeinderat im Sinne einer Gleichberechtigung nebengeordnet», zitierte er den Rechtsdienst des Kantons. Sie seien in einem Dilemma, denn somit nütze eine solche Motion gar nichts.

Die SVP wollte ihre Motion aber nicht zurückziehen und argumentierte mit Finanzen: «Die Integrative Schule hat finanzielle Folgen für die Gemeinde, und darüber hat der Einwohnerrat zu beschliessen. So kann der Einwohnerrat sehr wohl ein Ende der Integrativen Schule herbeiführen», vertrat Motionär Roland Vogt (SVP) seinen Standpunkt.

Mit Zürich argumentiert

Weiter argumentierte die SVP, im Kanton Zürich sei das Projekt Integrative Schule nach zwei Jahren wieder zurückgezogen worden. Corina Roeleven (CVP) klärte jedoch auf: «In Zürich sollten geistig und körperlich behinderte Kinder in die Regelklassen integriert werden, das hat gar nichts mit Wohlen zu tun.»

Am Ende lehnte der Einwohnerrat die dringliche Motion mit 22 Nein- zu 9 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen ab.