Mit Ross und Wagen wurde der erste Patient im Winter 1908 über den Katzenbachweg ins Kreisspital Muri gefahren. In jener Zeit kümmerten sich acht Mitarbeiter um die Patientinnen und Patienten, heute sind es bereits 762. Damals gehörte das Spital, mit einem Operationssaal, einer Röntgenanlage und einer Tobzelle zu den modernsten Institutionen.

Bevor das Spital am 18. Dezember 1908 dem Betrieb übergeben werden konnte, gab es aber einige Hürden zu überwinden. Schon seit 1841 bestand die Idee, das alte Klostergebäude in ein Spital umzuwandeln, doch die Pläne mussten verworfen werden. Erst 1906 begann die frisch gegründete Spitalkommission mit der Umsetzung des Projektes. Die Gemeinde Muri, die sich dem Bauvorhaben gegenüber solidarisch und als Standortgemeinde erfreut zeigte, schlug zuerst die Gerichtshausmatte als Bauplatz für die Heilanstalt vor. Da man aber wegen der steilen Hanglage und des ungünstigen Baugrundes hohe Kosten befürchtete, wurde der Platz als ungeeignet empfunden. Als die Kommission den heutigen Standort besichtigte, sei sie laut Chronik vom Anblick der Klosteranlage und den Alpen so begeistert gewesen, dass einstimmig beschlossen wurde, das neue Spital dort zu errichten. Anfangs sollte das Spital Platz für 25 bis 30 Patientinnen und Patienten bieten, während der Planung wurden die Baupläne für die Unterbringung von 35 bis 45 Patientinnen und Patienten erweitert.

Hilfe von Ingebohler Schwestern

Während des Bauprozesses wurde das Projekt immer wieder geändert, was zu einer deutlichen Kostenüberschreitung führte. So beschlossen die Frauen und Töchter des Freiamts, eine freiwillige Sammlung für die Beschaffung der Inneneinrichtung zu veranstalten. In über 30 Gemeinden konnten 13'098 Franken und 20 Rappen gesammelt werden. Die Arbeits- und Schulkommission Muri regelte die Anschaffung und Herstellung der Lingerie. Die Frauen aus den Bezirken Bremgarten und Muri nähten sämtliche Wäsche als Geschenk für das Spital.

Mit dem Kloster Ingebohl wurde ein Vertag abgeschlossen. «Die Inbetriebnahme des Spitals wäre ohne die Mitarbeit von Ordensschwestern nicht vorstellbar gewesen», schreibt Hans Wey, ehemaliger Direktor des Kreisspitals. Den Schwestern wurde die Aufgabe gegeben, das Spital fertig einzurichten und die Inbetriebnahme vorzubereiten, ausserdem wurde von der Spitaloberin das Rechnungswesen besorgt. 100 Jahre lang haben die Ingebohler Schwestern tatkräftig im Spital mitgeholfen und waren über lange Zeit für viele Bereiche des Spitals verantwortlich. 2008 haben die beiden letzten Schwestern das Kreisspital verlassen, um zu ihrem Mutterhaus zurückzukehren.

Von 42 zu 135 Betten

Anfang Dezember 1908 öffnete das Spital zum ersten Mal seine Tore zur Besichtigung. Das Interesse der Bevölkerung war so gross, dass zeitweise sogar Gedränge in dem frisch errichteten Gebäude herrschte, schreibt die Chronik. Zehn Tage später wurde der erste Patient eingeliefert, und bis zum Jahresende wurden bereits 14 Patienten behandelt. In den ersten Betriebsjahren hatte das Spital 42 Betten und war vor allem eine medizinische Anstalt. Es wurden ungefähr 100 bis 150 Operationen durchgeführt. Heute verfügt das Spital über 135 stationäre Betten und sechs Intensivpflegeplätze. Im vergangenen Jahr konnten 39 813 ambulante und 7706 stationäre Behandlungen durchgeführt werden. Im Vergleich: Vor zehn Jahren waren es erst 23'392 behandelte Patienten.

Das Spital war immer wieder auf Schenkungen angewiesen, damit Anschaffungen und spätere Erweiterungsbauten finanziert werden konnten. Im Jahr 1912 gründeten die aargauischen Regionalspitäler den Verband der aargauischen Krankenhäuser, dem auch das Kreisspital beitrat. Zudem begann das Spital auch, den Ausbau zu erweitern, denn es musste mit einer wachsenden Zahl an Patienten Schritt halten. In den folgenden Jahren wurde es immer wieder erweitert und erneuert, um den steigenden Ansprüchen zu genügen. So wurde zum Beispiel 1925 eine neue Zufahrtsstrasse, die heutige Spitalstrasse, gebaut. Fünf Jahre später entstand ein neuer Gebäudeteil, dem das alte Spitalgebäude angepasst wurde.

Bis heute erweitert und verbessert sich das Spital ständig. So feiert es am 1. und 2. September mit den Tagen der offenen Tür unter dem Motto «Fit in die Zukunft» bereits 110 Jahre seines Bestehens. «Wie sehr die Leistungen des Spitals sowie die Arbeit der Ärzte, der Ordensschwestern und mit dem Wachsen des Spitals, die Arbeit aller Mitarbeitenden, geschätzt wurden, zeigt die kontinuierliche Zunahme der Zahl behandelter Patienten», schrieb Wey in seinem Text zum 100-Jahre-Jubiläum. «Das Kapital des Spitals waren, sind und bleiben die Menschen.»