Muri

Einrücken nach Aarau: Freiämter erinnern sich an die Kriegszeit

Mobilmachung während des zweiten Weltkrieges. (Symbolbild)

Mobilmachung während des zweiten Weltkrieges. (Symbolbild)

Der Zweite Weltkrieg schlummert in Dokumenten und Schriften wohl noch in manchen Schubladen. Schweizer Schulkinder schickten Weihnachtspäckli an die Front, während der Bözberg in einen kriegsmässigen Verteidigungszustand gebracht wurde.

Die Zeit des Aktivdienstes, die vor 75 Jahren mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges begann, ist in er Erinnerung von älteren Freiämterinnen und Freiämtern noch sehr präsent.

Hans Stöckli, der ehemalige Posthalter von Buttwil, hat eine Erinnerungsschrift an den Aktivdienst der Füs Kp I/46, verfasst von Feldweibel Alfons Ehrensberger, aus der Schublade geholt, Irma Koch aus Muri Dankesschreiben von Kanonier Meyer Arthur. Diese hat sie erhalten, weil sie als Schülerin wie alle ihre Klassenkameradinnen und -kameraden Päckchen an die Soldaten an der Front verschickt hatte.

«Liebes Schweizerkind» schreibt der Kanonier der Feld Batterie 63 am 26. Dezember 1939 an das Mädchen. Mit grosser Freude habe er das Weihnachtspäckli erhalten. Er sei Kanonier, «muss also unser liebes Schweizerland mit den Kanonen verteidigen, falls es jemand wagen sollte, unser schönes Heimatland anzugreifen».

Die Schweizer Soldaten seien stolz auf die Schulkinder, die so schöne Weihnachtsgrüsse übermitteln. «Das Vertrauen in unsere Stärke ist noch mehr gewachsen, nachdem wir die Überzeugung gewonnen haben, dass Jung und Alt hinter uns steht. Wir sind auch jederzeit bereit, für die Freiheit des lb. Vaterlandes unser Leben zu opfern, wenn dem Schweizerländli Gefahr droht, damit unsere Nachkommen sagen können, wir haben das Erbe unserer Väter verteidigt und Euch die Freiheit bewahrt.»

«Radio, Sturmgeläute, Läufer»

Am 1. September 1939 war Generalmobilmachung der Schweizer Armee, «bekannt gegeben durch Radio, Sturmgeläute und Läufer», wie Feldweibel Alfons Ehrensberger aus Beinwil in seiner Schrift festhält. Das Freiämter Füs Kp I/46 rückte nach Aarau ein und wurde im Schulhaus einquartiert. «Bis zum 12. September verbrachten wir die Zeit mit Scharfschiessen, Gefechtsausbildung und Exerzieren.»

Fast wie in einem Tagebuch hält Ehrensberger die wichtigsten Ereignisse der nächsten Jahre fest: Die Soldaten erhielten am 20. Oktober den Auftrag, den Übergang über den Bözberg bei Stalden-Gallenkirch/Linn durch Befestigungen in kriegsmässigen Verteidigungszustand zu bringen. Anfangs 1940 wurden Schützengräben ausgehoben. Ab November 1941 stehen die Soldaten Wache in Rheinfelden. Ende 1941 notiert er fünf Fliegeralarme.

«Englische Flieger haben Basel-Binnigen bombardiert. Es gab 4 Tote und einige Verletzte.» Immer wieder werden in der Schrift lange Märsche sowie Gefechtsübungen angeführt. Vom Stellungsbau bis zur Kapitulation Norwegens, vom Kompagnieabend im Restaurant Kettenbrücke in Aarau bis zum Einmarsch der ersten Zivil- und Militärpersonen in die Schweiz zeichnete der Verfasser die Aktivdienstzeit nach.

Am 7. Dezember 1944 werden die Soldaten der Füs Kp I/46 entlassen. «Der Bericht wäre unvollständig, wenn wir nicht der göttlichen Vorsehung danken für die Bewahrung vor den Schrecken des Krieges», schreibt Ehrensberger. «Dank gebührt unserem General Henri Guisan, der durch seinen unerschütterlichen Durchhaltewillen uns allen ein Vorbild war.»

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