Muri/Aristau
Einjähriges Fotoprojekt: Die soziale Institution Murimoos aus der Sicht der Männer

Die Masterarbeit einer Studentin der ZHAW bringt der Öffentlichkeit eine fotografische Innensicht der sozialen Institution. Sie wollte den Blick der Männer haben, die dort leben und arbeiten.

Eddy Schambron
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Drei von fünf Fotografen – Nikolaus Petscher, Hanspeter Gasser und Martin Reichert (von links) – zusammen mit Studentin und Projektleiterin Petra Koechli im Murimoos.

Drei von fünf Fotografen – Nikolaus Petscher, Hanspeter Gasser und Martin Reichert (von links) – zusammen mit Studentin und Projektleiterin Petra Koechli im Murimoos.

Eddy Schambron

Fünf Männer erlauben einen besonderen Einblick in den Alltag der sozialen Institution Murimoos werken und wohnen: Sie haben mit ihren Smartphones und Digitalkameras während der Arbeit fotografiert und so Momente eingefangen, die ihnen besonders wichtig oder besonders schön erschienen sind.

«Ich wollte den Blick der Männer haben, die hier leben und arbeiten», sagt Petra Koechli. Die Studentin des Studiengangs Master of Science in Natural Ressource Sciences der ZHAW Wädenswil und landwirtschaftliche Mitarbeiterin des Murimoos hat im Rahmen ihrer Masterarbeit über «Care Farming» (siehe unten) das Fotoprojekt geleitet. Eine Auswahl der entstandenen Bilder ist ab 8. März bis Ende Mai im Sämi-Holliger-Saal zu sehen.

Ein ganzes Jahr lang haben Martin Reichert, Nikolaus Petscher, Hanspeter Gasser, Urs Gisler und ein weiterer Murimoos-Klient ihren Arbeitsalltag fotografisch festgehalten. «Entstanden ist eine Innensicht, die man als Besucherin oder Besucher des Murimoos sonst nicht erhält», freut sich Koechli.

«Man schaut genauer hin»

Die Fotografen sind genauso angetan vom Resultat der Idee: «Wo man sonst einfach vorbeifährt, schaute ich genauer hin», sagt beispielsweise Martin Reichert und verweist auf die vielen Farben des Morgenhimmels auf einem seiner Bilder.

Er hat, wie seine Kollegen, während der Arbeit ständig die Kamera im Hosensack mitgenommen und festgehalten, was ihm aufgefallen ist oder ihm gefallen hat.

«Ich habe auf sie gewartet und sie sind gekommen», erklärt Nikolaus Petscher eines seiner Fotos mit Schafen. Die Tiere kennen ihn und haben Vertrauen, sodass ein feines Bild entstehen konnte. Hanspeter Gasser hat unter anderem Murimoos-Männer beim Strassenbau fotografiert.

«Es sieht aus wie beim Kanton», witzelt Petscher, «einer arbeitet und die andern schauen zu.» Die Fotografen lachen. Im Murimoos geht es manchmal eben auch lustig zu und her. Ausser natürlich bei denen, «die vier Wochen vorher und vier Wochen nachher den Vollmond spüren», ergänzt Gasser.

Auch für Petra Koechli war das Projekt spannend: «Martin hat beispielsweise die Lichter eines Traktors fotografiert, ein faszinierender Blick – auf eine solche Idee wäre ich nie gekommen.» Weil die Fotografen in verschiedenen Bereichen des Murimoos arbeiten, «ist eine Sicht auf die ganze Vielfalt der Arbeiten zu allen Jahreszeiten entstanden.» Es sind ganz persönliche Eindrücke, die so einer Öffentlichkeit zugänglich werden.

Hart im Nehmen

Die Ausrüstung der Fotografen hat sich während diesem Projektjahr als qualitativ hochwertig und recht widerstandsfähig herausgestellt. Reicherts Huawei fiel aus Versehen aus der Jackentasche in die WC-Schüssel und überstand das schadlos.

Auch Petschers Samsung hat sich, aus der Hand zu Boden gefallen, als durchaus robust erwiesen. Und Gassers Digitalkamera geriet beim Mulchen auf dem Feld sogar zwischen Traktor und die angehängte Maschine. Als er mit dem Traktor zurückfuhr, fand er seine Kamera wieder – wie durch ein Wunder nicht «gemulcht», sondern unversehrt.

Gespannt bis gelassen

Auf ihre Ausstellung schauen die Fotografen mit viel Vorfreude - der eine etwas angespannter, der andere gelassener. «Es kann ja nichts passieren», zuckt Gasser mit den Schultern, «man kann mich höchstens fragen, wie viel ich für das Foto haben will.» Der Verkauf der Bilder ist noch nicht diskutiert, auch der Preis noch nicht festgelegt.

Sicher aber ist, dass das Projekt bei den Fotografen etwas ausgelöst hat. «Ich habe einen anderen Blickwinkel erhalten», erklärt Reichert. Er werde auf jeden Fall weiter fotografieren, unterstreicht er. Genauso wie Petscher, der sich auf spezielle Sujets konzentrieren will. Gasser hat schon früher ein bisschen fotografiert und ist durch das Projekt wieder auf dem Geschmack gekommen. «Jetzt mache ich weiter.»

Vernissage der Fotoausstellung Am 8. März, 17 Uhr, Sämi Holliger-Saal, Murimoos werken und wohnen. Anmeldung bis 1. März an p.koechli@murimoos.ch. Die Bilder bleiben bis Ende Mai ausgestellt.

Care Farming — Auswirkung auf Gesundheit im Fokus

Der Begriff «Care Farming» bezeichnet die Einbindung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen in die agrarischen Tätigkeiten kommerziell bewirtschafteter Landwirtschaftsbetriebe. Care Farming kann sowohl auf bäuerlichen Familienbetrieben als auch in institutionellen sozialen Einrichtungen stattfinden.

Am Fallbeispiel Murimoos erforscht die Studentin und landwirtschaftliche Mitarbeiterin im Murimoos, Petra Koechli, für ihre Masterarbeit den konkreten Erfahrungsbereich des Alltags männlicher Klienten in einem solchen Betrieb.

Ziel ist, den Wert von Care Farming bezüglich körperlicher, psychischer und sozialer Gesundheit sowie Lebensqualität für Klienten mit psychosozialen Problemen im geschützten Arbeitsbereich sozialer Institutionen zu erörtern. Koechli suchte «einen mehrperspektivischen qualitativen Zugang mittels reflexiver Fotografie und Interviews.»

Murimoos werken und wohnen bietet in den landwirtschaftlichen Betriebszweigen Grünbetriebe und Tierhaltung geschützte Arbeitsplätze für gegenwärtig 20 Männer mit unterschiedlichen psychosozialen Problemen an. (es)