Hägglingen/Dottikon
«Einige Defizite»: Vereinsvorstand trennt sich von Heimleiter

Das Seniorenhuus Maiengrün in Hägglingen und das Alterswohnheim an der Bünz in Dottikon leiden an mangelnder Auslastung und vielen Personalwechseln. Nun reagiert der Vorstand des Gemeinnützigen Vereins Altersheim St. Josef. Er trennt sich von Heimleiter Dieter Münger – ein Nachfolger ist bereits gefunden.

Jörg Baumann
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In den Altersheimen in Hägglingen und Dottikon stehen derzeit einige Zimmer leer. Ein neuer Heimleiter soll dafür sorgen, dass sie bald wieder belegt sein werden.

In den Altersheimen in Hägglingen und Dottikon stehen derzeit einige Zimmer leer. Ein neuer Heimleiter soll dafür sorgen, dass sie bald wieder belegt sein werden.

Toni Widmer

Der Vorstand des Gemeinnützigen Vereins Altersheim St. Josef in Hägglingen trennt sich auf Ende April vom Heimleiter Dieter Münger, Gesamtleiter des Seniorenhuuses Maiengrün in Hägglingen und des Alterswohnheimes an der Bünz in Dottikon. Die beiden Heime befinden sich wegen der mangelnden Auslastung und vielen Personalwechseln in einer schwierigen Lage. Das erweiterte Kader wird die Heimleitung interimsweise übernehmen. Die gute Nachricht: Ein Nachfolger ist bereits gefunden. «Wir sind in den Abschlussverhandlungen, mehr möchte ich dazu noch nicht sagen», erklärt Vereinspräsidentin Andrea Doyon auf Anfrage.

Leere Betten, fehlendes Personal

Bereits im ersten Quartal 2015 sei man mit mehreren Todesfällen unter den Bewohnern konfrontiert worden, berichtet Doyon im Jahresbericht 2015. Die leeren Betten hätten kaum mit Neueintritten kompensiert werden können. Die Auslastung in beiden Häusern habe stetig abgenommen. Der Vorstand suchte nach Gründen und Erklärungen für die Situation.

Doyon stellt dazu im Jahresbericht drei Fragen: Lag es am extremen Sommer, der eine höhere Mortalitätsrate zur Folge hatte als andere Jahre? Gab es andere äussere Faktoren, die verantwortlich sind? Und wurden wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die beiden Häuser besser auszulasten? Hinzu kam, dass sich die bereits 2014 eingetretene hohe Personalfluktuation noch verstärkte und die ungewöhnlich hohe Anzahl von Arbeitsunfähigkeiten beim Personal weiter anhielt.

Heimleiter Dieter Münger wird ersetzt.

Heimleiter Dieter Münger wird ersetzt.

Aargauer Zeitung

Der Vorstand habe sich über die eingetretene Entwicklung grosse Sorgen gemacht und vertieft nach Ursachen und Lösungen gesucht, wobei er auch von der Heimleitung Lösungsansätze erwartete, hält die Vereinspräsidentin fest. Sie selbst gibt ihr Amt wegen zeitlicher Überlastung bereits nach einem Jahr ab. Ihr Nachfolger, Fritz Schober, soll an der Vereins-Generalversammlung am Donnerstag zu ihrem Nachfolger gewählt werden.

Der Vorstand versuchte, mit einer Werbebroschüre Gegensteuer zu geben. Er führte auch eine Mitarbeiterumfrage durch. Die Auswertung habe dem Vorstand «einige Defizite» vor Augen geführt, so Doyon. Die Ergebnisse seien auch dem Kader präsentiert worden, «was tiefgründige Gespräche über die verfahrene Situation zur Folge hatte, um Klarheit zu erhalten».

Gegen Ende Jahr konnten wieder einige Betten belegt werden. Das lasse den Vorstand hoffen, dass die ungenügende Auslastung die Talsohle erreicht habe, heisst es im Jahresbericht. Der Heimleiter Dieter Münger, von dem sich der Vereinsvorstand trennen wird, gibt dazu keinen Kommentar ab.

Der Gemeinnützige Verein St. Josef wird 50 Jahre alt

Trotz den schlechten Nachrichten hat der Trägerverein auch einen Grund, sich zu freuen. Der Gemeinnützige Verein St. Josef wurde nämlich genau vor 50 Jahren gegründet. Erster Präsident war der Hägglinger Vizeammann, Grossrat und Amtsvormund Jean Seiler. 1966, bei der Vereinsgründung, stand die alte Armenanstalt, die Vorgängerin des heutigen Seniorenhuuses, noch. Dafür legte der Hägglinger Unternehmer Joseph Geissmann-Ackermann (1814–1895) den Grundstein mit einer grossherzigen Stiftung. Seine Frau Nanette schenkte der Kirchgemeinde ein Kirchenfenster. 1967 verkaufte der Verein die Armenanstalt der Firma Riwisa AG. Das Gebäude wurde abgebrochen. Der Verkaufserlös half mit, das neue Altersheim zu bauen. Dieses wurde 1972 bezogen und 2008/2010 erweitert. 2013 übernahm der Verein auch die Führung des Alterswohnheimes an der Bünz in Dottikon. (ba)