Oberlunkhofen

Einheimisches Bier aus Braugerste aus dem Freiamt

Markus Dieth (l.) und Christoph Hagenbuch.

Markus Dieth (l.) und Christoph Hagenbuch.

Wieso gibt es bei uns kaum Anbau von Braugerste? Dieser Frage ging man in Oberlunkhofen bei Grossrat Hagenbuch auf den Grund.

In einem Gerstenfeld stehend, mit Ähren in der Hand erläuterte Landwirt und Grossrat Christoph Hagenbuch die Merkmale der Braugerste. Die Schweiz produziere zwar Bier, die Gerste dafür stamme aber überwiegend aus dem Ausland. Ein Umstand, den er zusammen mit einigen anderen gerne ändern würde. Auch Markus Dieth, Landammann und Landwirtschaftsdirektor, zeigte vor Ort grosses Interesse am Thema. «Denn Wasser allein, auch wenn es noch so gut ist, macht kein Bier», stellte er fest.

Die Familie Hagenbuch führt einen vielfältigen landwirtschaftlichen Betrieb sowie das Restaurant Zum Bauernhof. Dieses war der Startpunkt zu einer Tour mit Informationen zur einheimischen Bierproduktion. Zuerst ging es zum Rohstoff, zu einem Gerstenfeld. Der Grossrat wies auf die Ähren mit Wurzeln und sagte: «Hier sehen wir sozusagen die Wurzeln des Schweizer Bieres.»

Schon vor der Coronakrise hätten sich viele Menschen für Produkte aus ihrer Region interessiert. «Während der letzten Monate haben Hofläden einen immensen Zulauf gehabt», weiss Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth zu berichten. Wieso sollte man also nicht auch die Gerste für Schweizer Bier in der Schweiz anbauen? Die Böden im Aargau seien dafür geeignet. Doch nicht nur darauf komme es an, eine lokale Verarbeitung wäre ausserdem sinnvoll.

Bier aus einheimischer Gerste in Oberlunkhofen

Christoph Hagenbuch erklärte dazu: «Der Proteingehalt der Braugerste ist entscheidend, der muss höher sein als bei der üblichen.» Damit Gerste überhaupt als Zutat für Bier verwendet werden kann, ist der Prozess des Mälzens wichtig.

«Dafür wird das feste Getreide eingeweicht, damit es zu keimen beginnt», erläutert Dominik Füglistaller, Geschäftsführer von IG Mittellandmalz, das Vorgehen anschaulich. «Dabei verwandelt sich die Stärke der Gerste in Zucker, und der ist wichtig für den späteren Gärprozess. Ohne Malz gibt es kein Bier.»

Weitere Schritte seien das Darren, das den Keimprozess stoppt, das Putzen und Polieren. Die IG Mittelland ein Zusammenschluss aus Landwirten und Brauern, hat es sich zum Ziel gesetzt, eine Mälzerei in der Region aufzubauen.

Bislang findet dieser wichtige Verarbeitungsschritt, auch für Braugerste aus der Schweiz, immer noch im Ausland statt. Damit das Thema nicht bloss graue Theorie blieb, gab es für die Teilnehmer des Anlasses noch einen Abstecher zur Drüüklang Bräu GmbH in Oberlunkhofen, die auch mit Schweizer Braugerste arbeitet. Zum Abschluss warteten perlende Biere zur Degustation.

Natürlich gehöre zum Biergerstenanbau Idealismus, stellte Hagenbuch klar. Zudem sei diese drei- bis viermal so teuer wie die aus dem Ausland. Dennoch könnte es lohnend sein, dahingehend zu investieren. «Der Preis für eine kleine Flasche Bier ist am Schluss nur fünf bis sieben Rappen teurer», führte Stefan Stutz von Drüüklang aus, «damit würden die Konsumenten die Schweizer Landwirtschaft unterstützen».

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