Tägerig

Einen Zustupf gibt es nur wenn die Steuern erhöht werden

Tägerig hat Anspruch auf 117 000 Franken. Die Gemeinde lässt noch offen, ob sie das Geld des Kantons will.

Der Kanton Aargau greift zehn finanzschwachen Gemeinden unter die Arme. Sie haben nächstes Jahr Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wie der Kanton diese Woche kommunizierte.

Auch die Gemeinde Tägerig bekam für nächstes Jahr einen Batzen zugesprochen – und zwar 117 000 Franken. Nur: Ob die Gemeinde den finanziellen Zustupf will, steht noch alles andere als fest, wie der verärgerte Gemeindeammann von Tägerig gegenüber der AZ sagt.

«Der Kanton Aargau hat zu früh kommuniziert», erklärt Beat Nietlispach seinen Ärger. «Wir sind noch mitten in der Budgetplanung für das nächste Jahr. Doch nun werde ich auf der Strasse schon auf eine Erhöhung des Steuerfusses angesprochen.»

Geld gibt es nur bei einer Steuererhöhung

Der Hintergrund: Tägerig bekommt das zusätzliche Geld vom Kanton nur, wenn sie ihren Steuerfuss im nächsten Jahr 25 Prozent über den durchschnittlichen Steuerfuss im Kanton anhebt, dieser liegt derzeit bei 102 Prozent.

Das heisst folglich: «Wenn eine Gemeinde den Steuerfuss 2020 nicht auf 127 Prozent erhöht, gibt es keine Ergänzungsleistungen», so Samuel Helbling, Sprecher des Departements für Volkswirtschaft und Inneres beim Kanton.

In Tägerig liegt der Steuerfuss derzeit bei 122 Prozent. Noch im Jahr 2013 lag er bei 113 Prozent. Als kleine Gemeinde sei Tägerig Schwankungen stark unterworfen, erklärt der Gemeindeammann die derzeitige schwache Finanzlage der Gemeinde.

Wie etwa, wenn Mehrausgaben bei der Schule oder den sozialen Leistungen auf die Gemeinde zukommen. «Es ist keineswegs so, dass wir im Luxus leben und unsere Dächer vergolden lassen.»

Endgültiger Entscheid fällt bei der Gemeindeversammlung

Am 14. Oktober wird die Gemeinde ihre Botschaft zum nächstjährigen Budget kommunizieren, inklusive des vorgeschlagenen Steuerfusses. Dann zeigt sich, ob der Gemeinderat das Extrageld aus Aarau anstrebt.

Das letzte Wort hat letztlich aber die Einwohnergemeindeversammlung vom 26. November. Dann entscheidet das Volk, ob es den Steuerfuss auf 127 Prozent anheben und somit die 117 000 Franken erhalten will.

Wenn dies nicht der Fall ist, ist Tägerig nicht die einzige Gemeinde, welche die Ergänzungsleistung des Kantons dankend ablehnt. So verzichten etwa die Fricktaler Gemeinden Ueken und Schwaderloch auf den Zustupf.

Hier hängt dies aber mit dem Übergangsbeitrag zusammen, den die beiden Gemeinden im nächsten Jahr ebenfalls erhalten, um die Auswirkungen des neuen Finanzausgleiches abzufedern.

Der Übergangsbeitrag wird von den Ergänzungsleistungen abgezogen, weshalb im Fall von Ueken sowieso nichts mehr übrig bleiben würde. Nicht ganz so schlimm der Fall von Schwaderloch.

mmerhin 2000 Franken würde der Gemeinde nach Abzug noch zustehen. Doch dafür müsste der Steuerfuss um vier Prozentpunkte erhöht werden. «Das lässt sich wohl kaum gegenüber dem Souverän rechtfertigen», sagt Vizeammann Ursula Wüest.

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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