Sein kleiner Bruder wurde in der Schule immer wieder vom selben Knaben verdroschen. Da hat Rocky (Name geändert) zugeschlagen. Es war an einem Morgen im Februar 2016, als er den Bruder rächte. Auf dem Schulweg packte der damals 19-Jährige den Übeltäter am Kragen und drückte ihn an eine Wand. Er warnte den Schüler, seinen Bruder nicht noch einmal anzufassen, hielt ihn im Nacken fest und zwang ihn anschliessend auf den Boden. Um die Drohung zu unterstreichen, schlug er seinem Opfer die Faust in den Bauch. Als der Knabe seinen Schulweg fortsetzte, stiess ihn Rocky zweimal von hinten derart massiv, dass der 14-Jährige hinfiel, sich einen blutenden Finger zuzog, Schürfungen am linken Knie, an der linken Schulter und auf der linken Bauchseite erlitt.

Wegen diesen Tätlichkeiten und wegen versuchter Nötigung stand der klein gewachsene, hagere Rocky in abgewetzter Hose und offener Jeansjacke vor Gericht, wo er bestritt, den Kläger geboxt zu haben. Er habe ihn lediglich gepackt und geschubst. Dabei sei der Knaben hingefallen. Er bereue den Übergriff im Nachhinein, sagte er vor Einzelrichter Lukas Trost, der den Angeklagten fragte, welche Genugtuungssumme er seinem Opfer zu bezahlen bereit sei. Nach einigem Zögern zeigte sich Rocky mit dem Betrag von 2000 Franken einverstanden, wobei er gleichzeitig auf seine prekäre finanzielle Situation hinwies: Lehre abgebrochen und gegenwärtige Anstellung lediglich auf Abruf im Stundenlohn. Einziger Silberstreif am Horizont: Rocky hat die Chance bekommen, nächstes Jahr eine neue Lehre zu beginnen.

Für weitere Tatbestände musste sich der Angeklagte vor Gericht verantworten, nämlich für eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln (überholen in unübersichtlicher Kurve mit Behinderung des Gegenverkehrs) sowie Hinderung einer Amtshandlung.

Flucht endete in einer Sackgasse

Der Neulenker Rocky ging ein sehr grosses Risiko ein, als er am 14. August 2016, nach Mitternacht, an einer unübersichtlichen Stelle auf der Bremgarterstrasse in Wohlen ein Überholmanöver durchführte. Dabei nahm er keine Rücksicht auf den Gegenverkehr. Pech für ihn, dass ein engegenkommendes Fahrzeug ausgerechnet ein Polizeiauto war, dessen Lenker stark bremsen und nach rechts ausweichen musste, um eine Kollision zu vermeiden. Logisch, dass ihn die Polizei sofort mit Blaulicht verfolgte. Doch Rocky versuchte, auf Quartierstrassen zu entkommen und geriet dabei in eine Sackgasse. Er und seine Mitfahrer liessen das Auto stehen und setzten die Flucht zu Fuss fort. Doch die Polizisten erwiesen sich als die schnelleren Läufer...

Gerichtspräsident Lukas Trost verurteilte den Beschuldigten gemäss Anklage zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 70 Franken, bedingt erlassen auf drei Jahre, zu einer Busse von 2250 Franken und auch zur Übernahme der Verfahrenskosten.