Sternsingen
Einen Abend mit den Sternsingern unterwegs

Korrekte Zweierreihen und Spenden für Transsilvanien – oder doch für Tansania? Die AZ hat die fünf Sternsinger auf ihrer nächtlichen Reise begleitet.

Lisa Stutz
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Den Mädchen macht das Sternsingen trotz Kälte sehr viel Spass.

Den Mädchen macht das Sternsingen trotz Kälte sehr viel Spass.

lis

Die letzten Könige ziehen sich noch schnell einen goldenen Umhang über die dicke Winterjacke und setzen sich eine Krone auf den Kopf. Daneben fotografieren sich einige Kinder gegenseitig mit ihren Smartphones. Ich frage mich, ob ich als Sternsingerin auch schon ein Foto-Handy hatte und beobachte die Sternsingverantwortliche Dorothea Wey, wie sie einigen Leiterinnen letzte Anweisungen gibt. Wer in der Gruppe ist der König, wer trägt das Kässeli, wer den grossen Stern? Schnell klärt sie diese Fragen. Dann wendet sie sich an mich und erklärt, mit welcher Gruppe ich mitgehen kann. Und schon muss sie sich wieder um eine andere Angelegenheit kümmern. Sternsingen ist stressig, geht es mir durch den Kopf.

Die erste Destination meiner Gruppe – sie besteht aus Valerie, Lea, Anina (alle 12), Fabienne (11), Katja (13) und den Blauringleiterinnen Janine, Sabrina und Marisa – ist das Casa Güpf. Auf dem Weg dorthin erklären die Leiterinnen den Kindern ausführlich, wie eine ordentliche Zweierreihe am Strassenrand aussieht. «Wir müssen doch auf die Kinder aufpassen», sagt eine der Leiterinnen. Im Casa Güpf haben sich etwa fünfzehn ältere Leute versammelt, weil sie wissen, dass wir kommen. Ich höre, wie eine Dame bei unserem ersten Lied fröhlich mitsummt. Das Sternsingen hat sich jetzt schon gelohnt, denke ich.

Anschliessend gehen wir von Tür zu Tür, die Kinder singen den Leuten vor, erklären, dass wir für arme und kranke Kinder in Tansania Geld sammeln, und sprechen den Haussegen aus. Die meisten Leute freuen sich sehr, holen sämtliche Familienmitglieder dazu und spenden Geld und Schokolade.

Vor jedem Haus gibts eine kleine Absprache: Wer sagt diesmal, wofür wir spenden? Wer bringt den Kleber an der Haustüre an? Ein Mädchen fragt: «Für wen sammeln wir? Für Kinder in Transsilvanien?» Alle lachen. Kleine Missgeschicke kommen auch an den Türen vor, aber die machen niemandem etwas aus. Den Kindern gefällts. Während einer kurzen Pause, in der sie auf einen Batzen warten, sagt eines der Mädchen ganz leise und mehr zu sich selbst als zu den andern: «Sternsingen macht ja mega Spass.» Die andern nicken bedächtig.

«Das Beste ist das Singen – und die Spannung, wenn man geläutet hat», sind sich alle fünf Kinder einig. «Wenn wir morgen nicht in die Schule müssten, würden wir die ganze Nacht lang weitersingen.»